Neu im Online-TV bei Netflix Neue Trickserie "Disenchantment" von Matt Groening

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Nichts wie raus aus Dreamland! Prinzessin Bean ergreift mit ihrem unelfenhaften Elfenfreund Elfo und ihrem persönlichen Dämon Luci die Flucht vor dem Traualtar. "Disenchantment". Ab Freitag, 17. August 2018, bei Netflix. Foto: Matt Groening / The Ululu Company, NetflixNichts wie raus aus Dreamland! Prinzessin Bean ergreift mit ihrem unelfenhaften Elfenfreund Elfo und ihrem persönlichen Dämon Luci die Flucht vor dem Traualtar. "Disenchantment". Ab Freitag, 17. August 2018, bei Netflix. Foto: Matt Groening / The Ululu Company, Netflix

Osnabrück. Für die neue Fantasy-Trickserie „Disenchantment“ hat sich Netflix den legendären „Simpsons“-Erfinder und Produzenten Matt Groening unter den Nagel gerissen. Was taugt die neue Trickserie?

Es war einmal eine kleine Prinzessin namens Bean, die wollte nie so sein wie all die anderen langweiligen Prinzessinnen. Auch jetzt, mit ihren 19 Jahren, liegt der hochwohlgeborenen jungen Maid nichts ferner, als den Verpflichtungen am Königshaus nachzukommen. Lieber treibt sie sich in schäbigen Kaschemmen herum, säuft wie ein Loch und zettelt beim Pokern Wirtshausschlägereien an, die sich gewaschen haben.

Aber nun reicht es ihrem Vater, König Zøg von Dreamland. Kurzentschlossen lässt er seine Tochter in Fesseln zum Traualtar führen, damit sie Prinz Guysbert aus dem benachbarten Königreich Bentwood ehelicht. Zum Glück für Bean zeitigt Guysbert jedoch bereits vor dem Jawort das Zeitliche.

Damit ist die junge Dame zwar noch lange nicht aus dem Schneider. Aber immerhin bekommt sie unverhofft hilfreiche Gesellschaft. Erst von Luci, ihrem persönlichen Dämon, der sie fortan zu bösen Taten anzustiften versucht. Dann von Elfo, einem 18-jährigen Elfen, der der ätzenden Langeweile seiner versteckten Elfenwelt Elfwood entfliehen konnte.

Willkommen in der schrägen Fantasy-Welt von Matt Groenings neuer Serie „Disenchantment“, deren zehn Episoden der ersten Staffel nun weltweit bei Netflix zu sehen sind. Es ist eine zum Schreien komische Welt, deren nicht minder kuriose Figuren – natürlich wieder mit Überbiss – jenen aus Groenings Kultserien „Simpsons“ und „Futurama“ in nichts nachstehen.

Mit den „Simpsons“, die im nächsten Jahr bereits ihr 30-jähriges Jubiläum feiern, ist es Groening in den 1990er Jahren schnell gelungen, eine Kultserie zu kreieren und zu etablieren, die längst eine weltweite und generationenübergreifende Fangemeinde hat. Mit „Futurama“ dockte er später an das SF-Genre an. Und nun verwirklicht er mit „Disenchantment“ seinen langjährigen Traum einer Fantasy-Trickserie für Erwachsene.

Auch wenn der Serientitel „Disenchantment“ auf Deutsch mit „Ernüchterung“ oder gar „Verdrossenheit“ übersetzt werden kann – ernüchternd ist Groenings neue Serie keineswegs. Nur ein wenig anders. Detailreicher in der optischen Umsetzung. Und auffällig blutrünstig. „Itchy & Scratchy“ aus den „Simpsons“ müssen sich in Zukunft anstrengen, um mithalten zu können.

Erzählerisch begibt sich Groening, der „Disenchantment“ wieder gemeinsam mit Josh Weinstein und Claudia Katz produziert, auf ein für ihn völlig neues Terrain. Anstatt in sich abgeschlossene Episoden à la „Simpsons“ zu produzieren, folgt auch er jetzt dem Trend der horizontalen, also fortlaufenden Erzählweise.

Und da tut er sich dann doch ein wenig schwer. Zumindest in den ersten drei zusammenhängenden Episoden, die unserer Redaktion vorab zur Ansicht vorlagen, holpert es mitunter ein wenig. Während die erste Episode noch mit einem klassischen Cliffhanger endet, an den die zweite Episode nahtlos anknüpft, erweckt die dritte Episode über weite Strecken den Eindruck, als sehe man die Sache mit der horizontalen Erzählstruktur doch nicht so eng.

Aber darüber lässt sich hinwegsehen. Was zählt, ist der wilde, ungezähmte Witz, sind die schrägen bis absonderlichen Figuren. Und natürlich die in teils bitterbösen Humor getauchten Rundumschläge auf Schräglagen von Politik und Gesellschaft, die auch hier eine mitunter zeitlose Eleganz besitzen und mal mehr, mal weniger subtil daherkommen. Wenn beispielsweise der König in seinem mittelalterlichen Fantasy-Reich raunt, dass „alle drei Wissenschaften – sogar Rauch“ versagen, dann wird dieser Seitenhieb auf derzeit real um sich greifende, antiaufklärerische Tendenzen gewisser Politiker und Institutionen bestimmt auch noch von nachfolgenden Generationen verstanden. Hoffentlich!

„Disenchantment“ (1-10/10). Netflix, ab Freitag, 17. August.


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