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25 Jahre und ein bisschen männlich Das einstige ZDF-Frauenmagazin „ML Mona Lisa“ feiert runden Geburtstag und die 1000. Sendung


Osnabrück. Etwa ein halbes Jahr hat es gedauert, dann wurde die harsche Kritik, die den ersten „ML Mona Lisa“-Sendungen folgte, leiser. Am 17. April 1988 war das wöchentliche Magazin für Frauen unter der Moderation von Maria von Welser an den Start gegangen. An diesem Samstag feiert das ZDF seinen 25. Geburtstag und die 1000. Sendung.

Dieter Stolte, der damalige ZDF-Intendant, hat die Idee gehabt. Ein Frauenmagazin hatte es im deutschen Fernsehen zuvor nicht gegeben. „Es sollte ähnlich aufgebaut sein wie die bunten Blätter im Printbereich“, erinnert sich Maria von Welser im Gespräch mit unserer Zeitung. Entsprechend seien Beiträge vorproduziert worden, die sich um festlich gedeckte Tische oder Mode aus Paris und Rom drehten.

Von Welser schwebte jedoch schon damals anderes vor – und mischte die Themen. „Es gab dann eine Schlüsselsituation, die zeigte, dass es so nicht geht“, erinnert sie sich. So sei es unmöglich gewesen, unmittelbar nach einem Beitrag über Gewalt in der Ehe zur aktuellen Haute Couture in Paris zu wechseln. Ein Gespräch mit Stolte habe den nötigen Freiraum gebracht. Die vorproduzierten Beiträge seien anders verwendet worden, die Sendung erhielt Zeit, sich über ein Jahr weiter zu entwickeln.

Daraus sind inzwischen 25 geworden, in denen sich das Magazin weiter verändert hat. Die Schauspielerin Erika Pluhar hatte in der ersten Sendung gesagt, dass sie sehr gern zu Gast sei, ihr aber die Gettoisierung von Frauenthemen auf einem speziellen Sendeplatz missfalle.

„Frauen, Männer & mehr“ ist „Mona Lisa“ seit dem letzten Jahr untertitelt. Es soll nun verstärkt auch Männer ansprechen, „weil wir der Überzeugung sind, dass wir relevante gesellschaftspolitische Themen, die unser Zusammenleben beeinflussen, nur gemeinsam verändern können“, schreibt Sibylle Bassler, die heutige Redaktionsleiterin, anlässlich des Doppeljubiläums. Inzwischen gibt es nicht nur männliche Redaktionsmitglieder; mit Alexander Mazza vertritt zum ersten Mal ein Mann in der Geschichte des Magazins die Hauptmoderatorin der Sendung. Seit Mai 2011 ist es Barbara Hahlweg.

Maria von Welser, 1946 in München geboren, hat „Mona Lisa“ zehn Jahre lang geleitet. Im Jahr 2010 hat die Journalistin ihr „drittes Leben“ begonnen, wie sie den Ruhestand nennt. Und mit welchen Themen würde sie die Sendung am Samstag bestücken? Es ist eine Frage, die die sonst zurückhaltend wirkende Journalistin energisch antworten lässt. „Ich würde die Diskussion um die Quote thematisieren“, sagt sie und schimpft auf die „unsägliche Flexi-Quote“, die Bundesfamilienministerin Christina Schröder einführen möchte. Und: „Es ist doch unmöglich, dass die Kanzlerin in Brüssel die Quote stoppen möchte“, ergänzt von Welser dann mit Blick auf die Leitungspositionen in der deutschen Wirtschaft, die zu 90 Prozent von Männern besetzt seien.

Und auch das „unsägliche Betreuungsgeld“ würde sie thematisieren, setzt Maria von Welser nach. Weitere spannende Themen seien Alleinerziehende und auch Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden, die Rentendebatte, die drohende Frauenarmut im Alter. Die aktuelle Frauenpolitik gefalle ihr nicht, sagt von Welser, aber: „Im Bundesarbeitsministerium, da passiert viel Positives. Frau von der Leyen macht einen guten Job als Arbeitsministerin.“

Von Welser unterstützt die Aktion „Pro Quote“, mit der Journalistinnen – und wenige Journalisten – erzielen möchten, dass mindestens 30 Prozent aller Leitungsfunktionen in den Medien mit Frauen besetzt werden. Dabei sieht von Welser ihre Geschlechtsgenossinnen in der Pflicht, Chancen wahrzunehmen. Sie selbst habe in Führungspositionen erlebt, wie zurückhaltend Frauen auf Aufstiegsangebote reagieren: „Sie sagen, sie müssten sich das erst überlegen, mit ihrem Mann, mit ihren Kindern besprechen. Von Männern habe ich das noch nie gehört.“

Mehrfach ist die Sendung „Mona Lisa“ ausgezeichnet worden, beispielsweise für Beiträge über vergewaltigte Frauen im Iran, die Beschneidung von Mädchen in Afrika oder Beiträge über Umweltthemen. Und auch von Welser persönlich hat Auszeichnungen für ihre journalistische Arbeit erhalten. Preise lägen ihr eigentlich nicht so am Herzen, sagt die Journalistin. Als aber Roman Herzog ihr 1996 das Bundesverdienstkreuz für „ungeschminkte Berichterstattung“ überreichte, habe ihr das viel bedeutet.

Der damalige Bundespräsident hatte sie aufgefordert, es jedes Mal zu tragen, wenn sie sich sehen. Dem ist sie gern nachgekommen. Frauen, so meint von Welser, würden sich ohnehin zu wenig mit ihren Lorbeeren schmücken. Dabei sei das wichtig, um im Beruf Signale zu senden.

ML Mona Lisa, Jubiläumssendung, ZDF, Samstag, 20. April, 18 Uhr.


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