Sommerhaus der Stars 2018 Uwe Abel: Der beste Trash-Kandidat von allen

Von Daniel Benedict

Sommerhaus der Stars 2018: Iris Abel und Uwe Abel vertiefen sich ins Gebet. Foto: MG RTL DSommerhaus der Stars 2018: Iris Abel und Uwe Abel vertiefen sich ins Gebet. Foto: MG RTL D

Berlin. Halbfinale beim "Sommerhaus der Stars": Uwe Abel erweist sich als Traumkandidat jedes Trash-TV-Produzenten.

„Wer hat den Proll eingeladen?“, bellt Felix am Ende der vorletzten „Sommerhaus“-Folge. Prollig ist in der Sendung, zu deren Spielen das Belecken von WC-Steinen zählt, natürlich alles und jeder. Kein Wort fällt diesmal öfter als „Arschloch“; und im Fall von Felix widerspricht da nicht mal seine Partnerin. Wer hier wen eingeladen hat, ist für die Zuschauer trotzdem genauso gleichgültig wie die Frage, wer zuerst rausfliegt. In jeder Konstellation bleibt das „Sommerhaus“ eine traurige Versammlung von Menschen, die fürs Dschungelcamp nicht interessant genug sind oder es schon hinter sich haben. Und trotzdem gelingt es RTL diesmal, die Nominierung zu einem Spannungsmoment zu machen, das die gesamte Folge trägt.  (Wer geht wann zu "Promi Big Brother 2018"? Alles zur neuen Staffel)

Die Meister des Gefühlsausbruchs müssen nachdenken

Zuerst glaubt man noch, dass die Kandidaten bei der Schlussabstimmung Frank Fussbroich und seine Frau rauschmeißen. Das Haus ist in zwei feindliche Lager zerfallen, und Frank gehört nach dem Abgang der Büchners zur unterlegenen Minderheit. Dann aber bringt eine Kette unvorhersehbarer Ereignisse alle Gewissheiten ins Wanken. Nach dem Sieg bei einem der Show-Spiele sind die Fussbroichs fürs Finale gesetzt. Außerdem verkündet RTL überraschend, diesmal zwei Paare heimzuschicken. Und plötzlich muss eine Horde wüster TV-Kandidaten, die ihr Geld sonst mit impulsiven Ausbrüchen verdienen, das mühselige Rechnen anfangen. (Hosen aus im "Sommerhaus": Wie die Büchners das Intimleben ihrer Tochter opfern)

Sommerhaus der Stars: eine Lehrstunde in Demokratie

Kein Mensch kann vorab begreifen, wer am Ende siegt. Zumal RTL seine Spielregeln von Folge zu Folge nach Bedarf variiert. Aber auch ohne die Arithmetik des Abwahlverfahrens zu begreifen, kann man die folgenden Verwicklungen wie eine Folge „House of Cards“ genießen: Die Kandidaten aus Österreich und der Schweiz treffen Geheimabsprachen. Eine Mitverschwörerin (Patricia Blanco) lässt sich dann aber beim Gewissen packen, knickt ein und läuft über. Und das Baueropfer (Julian) fleht unter Tränen um Menschlichkeit. Über all dem schönen Chaos schwebt die demokratietheoretische Frage: Hört man bei einer Wahl nur auf sein Herz? Oder passt man sein Votum strategisch den möglichen Konstellationen an?

Uwe Abel: der beste "Sommerhaus"-Kandidat von allen

Der unschlagbare Uwe Abel spielt in diesem Politdrama einen perfekten Jedermann – indem er jede mögliche Haltung mindestens einmal einnimmt. Erst bekennt er sich zur Strategie, grundsätzlich der Mehrheitsmeinung zu folgen. (Aus dem tragischen Irrtum heraus, sich so keine Feinde zu machen.) Als Opportunist beschimpft, mutiert er dann zum unerschütterlichen Überzeugungstäter. Uwe steht und kann nicht anders. Bis seine Frau kommt. Iris hatte sich inzwischen von Julian erklären lassen, dass die blinde Herzenswahl ihr eigenes Ende bedeutet. Uwe, der Mann, der nur noch seinem Gewissen folgt, will von diesem Winkelzug zunächst nichts wissen. Bis sich herausstellt: Er hatte ihn bloß nicht verstanden. Iris dagegen hatte sich vorher extra aufs Klo zurückgezogen, um alles durchzurechnen; als sie ihrem Mann die Sache erklärt, verwandelt Uwe sich noch einmal – nun in den kaltblütigen Strategen. Am Ende geht der Plan tatsächlich auf: Uwe und Iris sind weiter, Micaela und Felix sind raus, genauso wie Julian und Steffi. Uwe, nach dem Wechselbad der Gefühle rechtschaffen durchgeschüttelt, bricht kraftlos in Tränen aus. Ein wunderschönes Schlussbild. Fast ist man neugierig auf das Finale. (Fielding? Abel? Wer sind die Kandidaten aus dem "Sommerhaus der Stars"?)




Was ist das "Sommerhaus der Stars 2018"?

Vor zwei Jahren dehnte RTL die Grundversorgung mit TV-Trash auf das Sommerloch aus und schickte eine eigene Variante von "Promi Big Brother" auf Sendung: das "Sommerhaus der Stars". Alleinstellungsmerkmal ist der Partnerschaftsgedanke: Im Wohn-Container müssen die C-Promis es nicht nur mit ihren Kollegen, sondern auch mit dem eigenen Partner aushalten. Zum intimen Mehrwert des Konzepts gehören bisher erotische Bekenntnisse von Hubert Kah, ein Live-on-Tape-Schwangerschaftstest von Alexander Posths Ehefrau Angelina Huth, die Verlobung von Markus Mörl und Yvonne König sowie Nico Schwanzens Heiratsantrag an Saskia Atzerodt. Nicht alle Beziehungen haben die Ausstrahlung lange überdauert - was wahlweise für den Wirkungsgrad der Show oder gegen die Ernsthaftigkeit der Promi-Beziehungen spricht.

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