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Heute Abend im ARD-Programm Erschütternder Film über arabische Großfamilien in Deutschland

Von Joachim Schmitz

Wir sind das Gesetz. Großfamilie Omeirat und Rapper in der Dortmunder Nordstadt. Foto: rbb/ARD-KontrasteWir sind das Gesetz. Großfamilie Omeirat und Rapper in der Dortmunder Nordstadt. Foto: rbb/ARD-Kontraste

Osnabrück. Eine erschütternde „Kontraste“-Reportage zeigt heute Abend (Donnerstag, 2. August) im Ersten, wie tief kriminelle arabische Großfamilien unsere Gesellschaft unterwandert und Parallelwelten errichtet haben, in denen deutsche Gesetze und Gesetzeshüter nichts mehr gelten.

Es ist noch keine zwei Wochen her, da beherrschte ein spektakulärer Erfolg der Polizei die Schlagzeilen: In Berlin wurden 77 Immobilien im Wert von rund zehn Millionen Euro aus dem Besitz einer libanesischen Großfamilie beschlagnahmt, deren Mitglieder in unzählige Straftaten verwickelt seien sollen. Doch kann man tatsächlich von einem Erfolg sprechen? Oder ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Auch dieser Frage geht heute Abend im Ersten der „Kontraste“-Beitrag „Wie arabische Großfamilien in Deutschland herrschen“ nach, ohne dass er nach den aktuellen Ereignissen mit heißer Nadel gestrickt worden wäre. Vielmehr liegen der Reportage monatelange Recherchen zugrunde.

Der Film könnte auch in Essen, Dortmund, Hannover oder Bremen beginnen – die ersten Bilder aber stammen aus Berlin-Neukölln. Die Gegend um die Sonnenallee gilt als Clan-Land, das ein halbes Dutzend arabische Großfamilien unter sich aufgeteilt haben: Eine kriminell strukturierte Parallelwelt mitten in der deutschen Hauptstadt. Eine Parallelwelt, in der deutschen Polizisten nur noch mit nackter Respektlosigkeit und Gewalt begegnet wird.  


Polizisten werden von Mitgliedern der Clans längst nicht mehr als Ordnungshüter wahrgenommen. Foto: rbb/ARD-Kontraste


Die Geschäftsleute, vor allem Ladenbesitzer zahlen Schutzgeld. Und wer sich nicht an die Clan-Regeln hält, muss damit rechnen, von einer kleinen Armee überfallen zu werden. Wenn Khalid Miri, Mitglied des berühmt-berüchtigten Miri-Clans, das Filmteam in sein Auto steigen lässt und – unter einigen Vorbedingungen – aus seinem Leben erzählt, stellen sich dem Zuschauer so einige Fragen: Ist der Mann lebensmüde? Oder hat er einen Auftrag? Oder ist er etwa so etwas wie ein Pressesprecher seines Clans?

„Wenn man in der Sonnenallee aufgewachsen ist, lernst Du richtig gut Arabisch,“ erfahren wir von ihm. Dass Gewalt überall vorkommt, räumt er offen ein: Aber das ist bei uns das letzte Mittel.“ Unausgesprochen klingt mit, wer darüber entscheidet, wann und gegen wen Gewalt ausgeübt werden darf: Der Clan.

Im Deutschland-Trikot sagt Khalid Miri in die Kamera: „Wir wollen auch den Reichtum haben, den andere Menschen haben. Warum soll jemand anderes diesen Reichtum haben?“ Und wenn man mit ihm und seinen Familienmitgliedern respektlos umgehe, werde das Konsequenzen haben. Ernsthafte Konsequenzen. Es ist erschreckend, wie sich da jemand außerhalb aller Rechtsordnung stellt und aufführt, als seien er und seinesgleichen das Gesetz. Die Rechtsprechung im Clan-Land besorgen eh nicht deutsche Gerichte, sondern arabische oder türkische Friedensrichter.  


Der Pate: Walid O., Mitglied einer arabischen Großfamilie, bei seinem arabischen Lieblingsfriseur. Foto: rbb/ARD-Kontraste


Mit Einnahmen aus Sozialhilfe, Schutzgelderpressung, Drogenhandel und noch schwereren Delikten wird nicht nur der eigene Wohlstand finanziert, sondern auch noch der der Angehörigen in der einstigen Heimat. Die errichten von dem Geld dann Hotels, Tankstellen oder kaufen sich „nur“ einen neuen Fernseher, den sich andere im Ort nicht leisten können.

Arabische Fußballer, die im Ruhrgebiet ihre Siege herbeiprügeln, Rapper, die in ihren Songs die Gewalt verherrlichen und sich von Clans „beschützen“ lassen, ein Koks-Taxi, das in Berlin frei Haus in alle Stadtteile liefert. Selten hat eine Reportage im deutschen Fernseher so viele ungestrafte Straftäter in so kurzer Zeit vor der Kamera versammelt. Dass die sich mittlerweile so sicher fühlen, dass sie die Fernsehjournalisten nicht mehr als Bedrohung empfinden, sondern eher wie Groupies behandeln, erschüttert zusätzlich.

Dieser Film ist ein Dokument, wie Integration misslingen kann. Denn die meisten Clan-Mitglieder kamen in den Achtzigern als Flüchtlinge aus Palästina oder dem Libanon, wurden ins Land geholt – und dann sich selbst überlassen. Deshalb ist er auch ein Argument dafür, dass Integration ganz anders laufen muss, viel Mühe und einen langen Atem erfordert. Aber auch Entschlossenheit. Denn schon jetzt werden Flüchtlinge von heute als Handlanger der Clans angeworben.

Kontraste: Wie arabische Großfamilien in Deutschland herrschen. Das Erste, Donnerstag, 2. August 2018, 21.45 Uhr.


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