Montagabend im ARD-Programm Krachend komisch: Eberhofer-Krimis in Kino und Fernsehen

Von Joachim Schmitz

Völlig verkatert und erinnerungsfrei: Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) und Hund Ludwig werden unsanft vom SEK geweckt. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd SchullerVöllig verkatert und erinnerungsfrei: Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) und Hund Ludwig werden unsanft vom SEK geweckt. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd Schuller

Osnabrück. Eberhofer ist wieder da. Während in bayerischen Kinos mit „Sauerkrautkoma“ die fünfte Verfilmung der niederbayerischen Kultkrimis anläuft, kommt das bundesweite TV-Publikum am Montagabend in den Genuss der vierten: „Grießnockerlaffäre“.

„Weißwurstäquator“ ist laut Wikipedia ist „die scherzhafte Bezeichnung für eine gedachte Kulturgrenze zwischen Altbayern und dem übrigen Deutschland.“ Dessen Lage orientiere sich dabei „grob am Verbreitungsgebiet der Münchner Weißwurst, die beispielhaft als Wahrzeichen bayrischer Esskultur dient“.

Man könnte den Weißwurstäquator aber auch ganz anders definieren: Südlich davon bekommt das Kino-Publikum immer die neuesten Verfilmungen von Rita Falks Eberhofer-Krimis zu sehen – so wie in dieser Woche, wenn am Donnerstag mit „Sauerkrautkoma“ der fünfte Film dieser mit bislang 2,5 Millionen Besuchern höchst erfolgreichen Reihe anläuft.  


Eine Szene mit Folgen: Kommissar Barschl (Francis Fulton-Smith, links) will nach einer Polizistenhochzeit Alkoholkontrollen durchführen und zieht sich damit den Zorn von Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) zu. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd Schuller


Nördlich dieser Grenze sind die Kultkrimis aus Niederbayern unverständlicherweise nur in ganz wenigen ausgesuchten und offenbar besonders stilsicheren Lichtspielhäusern zu sehen. Ansonsten hat das Publikum nur die Chance, den Fernseher einzuschalten und sich eine schon etwas betagtere Folge anzusehen: Das Erste zeigt an diesem Montag mit „Grießnockerlaffäre“ den vierten Eberhofer-Krimi, der wieder mal dem Münster-Tatort seinen Rang als lustigstes Krimi-Format im deutschen Fernsehen streitig macht.  


Heizungspfuscher Flötzinger (Daniel Christensen) muss sein Baby Amy-Gertrud sogar ins Wirtshaus mitnehmen. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd Schuller


Für Uneingeweihte: Franz Eberhofer ist ein Dorfpolizist im fiktiven niederbayerischen Niederkaltenkirchen, an dem sein Darsteller Sebastian Bezzel vor allem mag, „dass er sich nichts scheißt,“ wie er mal im Gespräch mit unserer Redaktion sagte. Zusammen mit seinem Spezi Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) löst er die skurrilsten Fälle. Wobei Eberhofers On-Off-Flamme Susi (Lisa Maria Potthoff), sein kiffender Vater (Eisi Gulp), die nur gelegentlich schwerhörige Oma (Enzi Fuchs) und sein Dienststellenleiter Moratschek (Sigi Zimmerschied) für so manchen Stolperstein gut sind.  (Hier gibt's ein ausführliches Interview mit Sebastian Bezzel)


Oma ist tot - jetzt wird Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) von seiner Susi (Lisa Maria Potthoff) mit Fleischpflanzerl verführt. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd Schuller


In „Grießnockerlaffäre“ wird’s nun doppelt eng für den Eberhofer: Für seine Susi waren ihre Oma und er immer die wichtigsten Menschen auf der Welt – nun aber ist die Oma tot und Susi kann sich ganz auf den Franz konzentrieren und ihre Hochzeitspläne forcieren.

Schlimmer aber noch: Nach einer feuchtfröhlichen Kollegenhochzeit zieht sich der verhasste „Arschl“ Barschl (Francis Fulton-Smith) den Zorn der übrigen Polizisten zu, als eine Alkoholkontrolle veranstaltet – bis ihn Eberhofer, mit dem er schon zuvor aneinandergeraten war, mit vorgehaltener Waffe bedroht und stoppt. Am nächsten Morgen wird Barschl tot aufgefunden – mit einem Messer im Rücken, in dessen Griff ein Name eingraviert ist: Franz Eberhofer.  


Wollen die Unschuld des Dorfsheriffs beweisen: Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, links) mitsamt Hund Ludwig und Rudi Birkenberger (Simon Schwarz, re.) legen sich auf die Lauer. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd Schuller


Wenig holt ein Sondereinsatzkommando Eberhofer aus dem Bett – und verfrachtet den völlig verkaterten und erinnerungsfreien Polizisten aufs Revier, wo ihm die spindeldürre und von allen Kollegen nur „Thin Lizzy“ genannte interne Ermittlerin (Nora Waldstätten) den Mordverdacht eröffnet. Und zusätzlich ein paar Einzelheiten aus Eberhofers Personalakte parat hält: Niedrige Frustrationsgrenze, mangelnde Teamfähigkeit, Störung der Impulskontrolle, narzistische Wut. Und als Höhepunkt: Beihilfe zur Entmannung eines Kinderschänders.  


Kommissarin Thin Lizzy (Nora Waldstätten) nimmt Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) in die Mangel. Das Beweisstück: sein Taschenmesser. Foto: ARD Degeto/BR/2017 Constantin Film/Bernd Schuller


„Grießnockerlaffäre“ ist über weite Strecken wieder krachend komisch, herrlich schwarzhumorig und so gut verständlich, dass man auch in Ostfriesland oder Vorpommern seinen Spaß daran haben kann, ohne einen Simultandolmetscher zu benötigen. Schon immer klasse, aber diesmal besonders gut inszeniert ist dabei der überdimensionale Kreisverkehr, in dem sich die irrsten Dinge abspielen. Ein Kreisel quasi auf dem Weg von der Neben- zur Hauptrolle.

Grießnockerlaffäre. Das Erste, Montag 6: August 2018, 20.15 Uhr.


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