Mittwochabend im Ersten Geniales filmisches Essay über Elvis Presley

Von Tom Heise

Mike Coykendall (links) and M. Ward (rechts) in Hollywood, Kalifornien, in Eugene Jarecki’s THE KING. Bild: NDR/David KuhnMike Coykendall (links) and M. Ward (rechts) in Hollywood, Kalifornien, in Eugene Jarecki’s THE KING. Bild: NDR/David Kuhn

Osnabrück. Das filmische Essay ist politische Bestandsaufnahme eines zerrissenen Landes und kulturelles Porträt zugleich.

Dieses musikalische Roadmovie von Eugene Jarecki ist ein wunderbar bebildertes und grandios montiertes Elvis-Essay. Jarecki cruist mit Presleys altem Rolls Royce durch die Staaten – auf den Spuren, die der King hinterlassen hat. Chronologisch zu Elvis Karriere fährt die Nobelkarosse zu markanten Punkten.

Immer wieder befinden sich auch Fahrgäste im Auto, die Geschichten über Elvis und die USA erzählen: Ethan Hawke, Emmylou Harris, Alec Baldwin oder Ashton Kutcher. Der Rolls Royce mutiert aber auch zur Bühne für kurze musikalische Kostproben seiner Insassen. Sichtlich ergriffen besteigt John Hiatt das Gefährt, den Tränen nahe. Nicht vor Rührung, sondern weil er meint, dieser Luxuswagen symbolisiere den Käfig, in dem der King gefangen war.

Das filmische Essay ist abwechslungsreich, unterhaltsam, informativ und zu keiner Sekunde langweilig. Jarecki montiert genial Archivmaterial mit Zeitzeugenaussagen oder Bildern aus dem aktuellen Amerika. So versucht er dem Mythos des amerikanischen Traums auf die Schliche zu kommen. Eine politische Bestandsaufnahme eines zerrissenen Landes und ein kulturelles Porträt zugleich. Auf diese Art und Weise hat sich dem Phänomen Elvis bislang wohl noch niemand genähert. Unverständlich bleibt da nur die Terminierung eine derartigen Perle auf einen Sendeplatz kurz vor Mitternacht.

The King - Elvis und der amerikanische Traum

1. August 2018, 23:30 Uhr, Das Erste

(Sechs von sechs Sternen)


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