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Oliver Petszokat soll moderieren Nach Erfolg von „Bares für Rares“: Auch ARD will Trödelshow

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Eine Goldene Kamera bekam Horst Lichter in der Kategorie "Publikumswahl: Bestes Dokutainment-Format" für sich und sein Team der Sendung "Bares für Rares" (ZDF). So etwas weckt Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Foto: dpa/Christian CharisiusEine Goldene Kamera bekam Horst Lichter in der Kategorie "Publikumswahl: Bestes Dokutainment-Format" für sich und sein Team der Sendung "Bares für Rares" (ZDF). So etwas weckt Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Foto: dpa/Christian Charisius

Osnabrück. Horst Lichter und seine Sendung „Bares für Rares“ haben mit altem Krempel den Fernsehnachmittag neu sortiert. Jetzt will offenbar auch die ARD vom Trödeltrend profitieren und plant eine eigene Trödelshow im Ersten.

Ihren Anfang im deutschen Fernsehen nahmen die Trödel-Shows beim Privatsender RTL 2, doch längst haben sie auch die öffentlich-rechtlichen Programme erreicht. Im Zweiten grüßt täglich um drei der Trödel-Horst – und wenn nun das Erste dieses Erfolgsformat des Zweiten aufbrüht, um damit direkt im Anschluss an die ZDF-Sendung auf Quotenjagd zu gehen, ist ein neuer Gipfel der Einfallslosigkeit erreicht.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: „Bares für Rares“ ist längst das erfolgreichste Tagesformat im deutschen Fernsehen. Wenn Horst Lichter Menschen dabei hilft, ihre alten Schätzchen mit schönen Geschichten anzupreisen und zu verhökern, sind mehr Menschen dabei, als andere TV-Stationen zur besten Sendezeit vor den Fernseher locken. Letzten Donnerstag schalteten beispielsweise 2,83 Millionen Menschen ein und bescherten dem ZDF mit 24,2 Prozent den höchsten Marktanteil aller Sendungen an diesem Tag. Zum Vergleich: Die 20 Uhr-„Tagesschau“ im Ersten hatte nicht mal eine halbe Million Zuschauer mehr und einen Marktanteil von nur 14,6 Prozent - ohne Berücksichtigung der dritten Programme, insgesamt waren es 33,4 Prozent.  


Der Sänger und Schauspieler Oliver Petszokat verriet bei Facebook, dass er die neue ARD-Sendung wohl moderieren wird. Foto: dpa/Oliver Berg


So etwas weckt natürlich Begehrlichkeiten. Und wenn man keine eigenen Ideen hat, macht man da weiter, wo die anderen aufhören: Wenn nach Lichters Sendung um 16 Uhr der Abspann läuft, will das Erste einem Bericht des Branchendienstes DWDL zufolge das Publikum im kommenden Jahr zum Umschalten verleiten, indem es ab 16.10 Uhr weiteren Trödel unter den Hammer bringt.

Öffentlich gemacht hatte es vor ein paar Tagen der Moderator Oliver Petszokat (Oli P) mit einem Facebook –Post: „Jetzt kann ich es endlich bekannt geben, bald moderiere ich für das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine neue Sendung, in der es um das Thema Restaurierungen und Upcycling geht,“ schrieb er. „Im Rahmen dieser Sendung werden wir alte Schätze oder auch wertlosen Plunder restaurieren, umdesignen oder upcyclen.“

Laut DWDL ist das Format eine Eigenentwicklung von Bettina Böttingers Kölner Produktionsfirma encanto für den WDR, der den ersten Pilot für Ende August in Auftrag gegeben habe. ARD-Programmdirektor Volker Herres suche nach einem wertigeren Ersatz für die bis zur Unzählbarkeit ausgestrahlten Dokusoaps aus den Zoos der Republik, hieß es.  


Alten Krempel vom Dachboden und aus dem Keller kann man bald auch bei der ARD loswerden. Foto: imago/Emmanuele Contini


Ob man solche Trittbrettfahrerei als Wertigkeit bewerten kann, sei mal dahingestellt. Neu ist an diesem Zuwachs für die öffentlich-rechtliche Resterampe vor allem eins: Die ARD öffnet ihren Flohmarkt zum ersten Mal im Hauptprogramm, nachdem es in den Dritten schon etliche Versuche gab und gibt: „Lieb und teuer“ im NDR, „Trödel-King“ (von encanto profuziert) im WDR, „Kunst und Krempel“ im BR, „Kitsch oder Kunst?“ im HR oder „echt antik?!“ im SWR.

Beim WDR gibt man sich noch zugeknöpft: „Wir arbeiten mit Oliver Petszokat zusammen an einer Show, die sich noch in der Entwicklungsphase befindet und frühestens im nächsten Jahr realisiert wird,“ erklärte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Für mehr Informationen sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh.

Oliver Petszokat hingegen schürt via Facebook die Vorfreude all derjenigen, die die Hoffnung hegen, auf dem Dachboden oder im Keller noch ein Schätzchen vergraben zu haben, das sich zu Geld machen lässt: „Wir suchen Verkäufer alter Schätze oder auch Krempel, von dem ihr gar nicht ahnt, was man noch daraus machen kann. Was habt ihr im Keller oder auf dem Dachboden, welche Schätze wollt ihr loswerden?“ Die Kontaktdaten eines encanto-Mitarbeiters, an den man sich wenden könne, lieferte er gleich mit.

Die Umgestaltung des Nachmittagsprogramms im Ersten nimmt übrigens schon nach den Sommerferien Gestalt an. Ab 5. September gibt es immer montags bis Freitag um 16.10 Uhr „Stadt, Land, Haus – So wohnt Deutschland“. Nach Angaben des federführenden rbb wird Mareile Höppner das Publikum durch ungewöhnliche Traumimmobilien führen. Wie das wohl ankommt, wenn die „Tagesschau“ davor gerade die Wohnungsnot in Deutschland thematisiert hat?


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