„Wir machen Aufklärung“ Jubiläum: Christoph Süß moderiert seit 1998 das Magazin „quer“

Von Marie-Luise Braun

Gestaltet seine Moderationen häufig kabarettistisch: Christoph Süß.Gestaltet seine Moderationen häufig kabarettistisch: Christoph Süß.

Osnabrück. In jeder Sendung verwandelt er sich in fiktive Figuren. Aber auch ohne diese Masken nimmt Christoph Süß in der Sendung „quer“ des BR die Politik, die Gesellschaft und die Kultur aufs Korn. Dabei findet er nicht nur in Bayern sein Publikum, sondern auch in anderen Ländern der Republik.

Der Anruf von Christoph Süß kommt wenige Minuten vor dem vereinbarten Termin. „Passts grad?“, fragt Süß, sonst würde er noch nach Hause radeln, und dann wieder anrufen. Das würde dann aber etwa eine halbe Stunde dauern. Aber es passt und so sucht der Kabarettist für sich und sein Handy einen Platz im Schatten und beantwortet die Fragen mit Vogelgezwitscher im Hintergrund. Auf den Punkt gedacht, schnell, fein formuliert und vor allem: kurz.

So sind zumeist auch seine Beiträge in dem Magazins „Quer“ des Bayerischen Rundfunks, für das Christoph Süß seit der ersten Sendung am 26. Februar 1998 vor der Kamera steht. „Wir sind nicht für Veränderung zuständig“, sagt Süß auf die Frage, ob es nicht frustrierend sei, wiederholt Kritik zu den gleichen Themen zu formulieren. „Wir machen Aufklärung. Was die Gesellschaft daraus macht, ist ihre Sache“, fasst der Kabarettist, der 1967 in München-Sendling geboren wurde, seine Einstellung zusammen. Die stamme nicht von ihm selbst, aber von welchem Kabarettisten-Kollegen genau, sei ihm jetzt entfallen.

Sein Antrieb auf die Bühne zu gehen seien im zarten Alter von 15 oder 16 Jahren noch Eitelkeit und die schlichte Tatsache gewesen, dass er gern auf der Bühne gestanden habe. „Die Inhalte waren es damals weniger, die kamen erst später“, erzählt Süß, der zu seiner heutigen Motivation sagt: „Es ist halt ein Beruf geworden. Ein privilegierter natürlich und gut bezahlt. Aber eben ein Beruf.“ Und: „Es ist schon ein Irrsinn, dass andere das sehen wollen.“

Süß war vor 20 Jahren ausgewählt worden, die Moderation der Sendung zu übernehmen. Zuvor war er landauf-landab als Kabarettist aufgetreten. Das Magazin „quer“ ist die Fortsetzung von „Live aus dem Schlachthof“ (zuvor „Live aus dem Alabama“), einem erfolgreichen Jugend-Format des Bayerischen Rundfunks. Sie war für einige Moderatoren das Sprungbrett in eine erfolgreiche Karriere, zum Beispiel für Amelie Fried, Giovanni di Lorenzo, Sandra Maischberger, Günter Jauch und Werner Schmidtbauer.

Die Redaktion sei die selbe geblieben. Von Beginn an sei es stetig bergauf gegangen mit den Zuschauerzahlen, nur im vergangenen Jahr habe es einen kleinen Einbruch gegeben. Jetzt aber, nach dem ersten halben Jahr 2018, gehen die Zahlen wieder nach oben. Woran es lag? „Keine Ahnung. Wenn ich das wüsste, wäre ich Medienberater und würde sehr teuer dafür bezahlt werden.“

Die Sendung „quer“ setzt sich zusammen aus verschiedenen Beiträgen über aktuelle Themen aus Politik Gesellschaft, Kultur und Szene. Besonders sind die Moderationen von Christoph Süß, die er kabarettistisch gestaltet. Zudem gibt es Glossen und satirische Reportagen – aber auch die Beiträge sind oft mit Spitzen oder ironischen Bemerkungen und Kommentaren versehen. Er möge an der Sendung besonders: „Dass ich regelmäßig bezahlt werde und ich Dinge sagen darf, von denen ich wichtig finde, dass sie in die Öffentlichkeit kommen.“

Während der Redaktionskonferenzen sei er an der Auswahl der Themen beteiligt. Aber immer nur als ein Mitglied des Teams, erzählt Süß. Anders sei das bei der Entwicklung der Moderationen. Da sitzt er mit einem kleineren Team zusammen: „Ich sage so Sachen auf, man blödelt rum und dann entwickelt sich das.“ Seine Meinung sei dabei deutlich gewichtiger, als während der Redaktionskonferenzen. „Aber wir sagen auch immer: „Das Bessere ist der Feind des Guten“, fasst er die Entscheidungsprozesse für die Moderation der Sendung zusammen.

In einem früheren Interview hat Christoph Süß mal betont, dass es ihm bei seinen kabarettistischen Einlagen wichtig sei, ob ein Politiker seinen Kopf benutze – oder eben nicht. Anlass des Gesprächs war der zehnte Geburtstag von „quer“. Süß lacht: „Das liegt daran, dass ich damals noch ziemlich naiv gewesen bin.“ Und mit wem würde er gern mal sprechen? „Bei Politikern habe ich kein dringendes Bedürfnis. Aber er würde gern mal mit der Künstlerin Laurie Anderson sprechen: „Weil sie so klug ist“. Oder mit Tricky von der Band Massive Attack: „Weil er die klügste Poesie hat in seinen Stücken und sehr scharfsinnig ist.“ Oder aber mit der Sängerin Björk. Politiker würden ihn weniger reizen: „Das sind ganz normale Menschen. Der einzige Unterschied ist der, dass sie länger können. Sonst sind sie genau wie wir.“

quer. donnerstags, 20.15 Uhr, BR.


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