Freitagabend im Fernsehen Mozart des Rock: Prince-Doku und –Konzert auf Arte

Von Tom Heise

US-Sänger Prince, aufgenommen am 8. Oktober 2010 bei einem Auftritt in Antwerpen.
ARTE, © Dirk Waem/BELGA/dpa-BildfunkUS-Sänger Prince, aufgenommen am 8. Oktober 2010 bei einem Auftritt in Antwerpen. ARTE, © Dirk Waem/BELGA/dpa-Bildfunk

Osnabrück. Mit einer sehenswerten Doku und einem mitreißenden Konzertfilm würdigt Arte am Freitag den Ausnahmekünstler Prince.

Vor einem Monat wäre Prince Roger Nelson 60 Jahre alt geworden. Doch einer der genialsten Musiker der letzten Jahrzehnte verstarb im Juni 2016 an einer Überdosis Schmerzmittel. Arte würdigt jetzt den Ausnahmekünstler Prince mit einer sehenswerten Dokumentation und einem mitreißenden Konzertmitschnitt.

Einen berührenden Moment in der Dokumentation von Oliver Schwabe liefert Schlagzeugerin und Sängerin Sheila E., langjährige Lebensgefährtin und Kollegin von Prince. Sie berichtet, wie sich Prince während einer Live-Show mitten im Gitarrensolo von „Purple Rain“ zu den Drums drehte und ihr einen Heiratsantrag machte. Diese Geschichten und Anekdoten von Freunden und Mitstreitern von Prince machen den Film sehenswert und bringen uns auch den Menschen hinter dem begnadeten Musiker näher.

Schwabe zeichnet die musikalische Karriere des in Minneapolis (Minnesota) geborenen Mannes nach, der trotz kleiner Körpergröße zu einem der Größten im Musikgeschäft wurde. Erzählungen seines Jugendfreundes André Cymone, in dessen Familie Prince mehrere Jahre wohnte, gewähren Einblicke in die Anfänge. In einem Fernsehinterview erklärt Prince, dass er als Autodidakt seinen Vater am Klavier übertreffen wollte, nachdem dieser die Familie verlassen hatte. Vorher durfte er nicht an das Instrument. Aus ersten Gehversuchen in der Musikwelt entwickelte sich ein Weltstar mit markanter Falsettstimme und einer Vorliebe für mehrdeutige Texte. Ein brillanter Komponist und Gitarrist, der gerne mit Geschlechterrollen spielte und ein feines Gespür zur (Selbst-) Inszenierung hatte.

Purple Rain

Den Durchbruch schaffte der Multiinstrumentalist, Sänger und begnadete Songschreiber 1984 mit dem Album „Purple Rain“, welches 24 Wochen ununterbrochen Platz eins der amerikanischen Albumcharts belegte. Der Musikfilm zum Album (eine „perfekte Show mit Mut zum Edelkitsch“ mit Prince in der Hauptrolle) gewann einen Oscar für die beste Filmmusik (für spätere Ausflüge ins Filmgenre hingegen gab es auch die „Goldene Himbeere“). Dieser Erfolg verschaffte Prince finanzielle Unabhängigkeit und die Möglichkeit, seinen Studiokomplex „Paisley Park“ zu schaffen. Dort konnte der Workaholiker (34 Alben in fast 40 Jahren) seine musikalischen Leidenschaften ausleben: diesen unwiderstehlichen Mix aus RnB, Funk, Jazz, Pop und einer Prise Punk. Er habe immer und überall Musik geschrieben und gleichzeitig in zwei Studios aufgenommen, erzählt Sheila E.

Jan Delay bringt im Film die Freiheit, die Prince mit dem kommerziellen Durchbruch erreichte, auf den Punkt: Prince habe natürlich Bock auf Erfolg gehabt. Aber als der dagewesen sei, sei ihm der Mainstream egal gewesen. „Hauptsache krasse Mucke machen!“ Und die machte Prince. Mit jedem Album erfand sich Prince neu. Neue Musik, neue Outfits. Der Meister wusste sein Image bewusst zu pflegen. Oft gab es auch eine neue Band. Denn nach Prince Auffassung bedeuteten neue Leute neue Energie. Und das kreierte einen neuen Sound.

Das unaussprechliche Symbol

Seine Bandmusiker wussten immer, dass sie nur temporär Mitglied der Gruppe sein würden. Alle aber bezeugen aber große Dankbarkeit für diese Zeit. Ihre Aussagen lassen erahnen, wie weit über ihnen dieser Künstler schwebte. „Wie ein Fabelwesen“, meint Bassistin Nik West. Seinem Keyboarder Morris Hayes erklärte Prince, man müsse in der siebten Dimension denken. Hayes meinte, er sei vom Lande und lebe in zwei, maximal drei Dimensionen. Prince solle sich bitte auch für normale Menschen wie ihn erklären. Worauf Prince humorvoll erwidert haben soll: „Wo ist Michael Jackson, wenn man ihn mal braucht?!“

Wie wichtig Prince seine musikalische Unabhängigkeit war, machte seine Namensänderung 1993 in ein „unaussprechliches Symbol“ deutlich. Da er sich von seiner Plattenfirma Warner in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt sah, war dies für ihn der konsequente Schritt, auch wenn er als „The Artist Formerly Known As Prince“ nicht den kommerziellen Erfolg hatte. Aber er konnte so außerhalb seines Major-Vertrages aufnehmen und veröffentlichen. Und schaffte es als „Symbol“ in die „Muppets Show“.

Hüftschäden durch High Heels

In Schwabes Hommage entstehe ein atemberaubender, fiebriger und pulsierender Mix aus Bildern und Musik, ergänzt um einen Interviewchor aus Erinnerungen von Zeitzeugen und Fans, der Prince als einzigartige Popikone feiert, heißt es bei Arte. Dem kann man zustimmen. Prince war einer der wandlungsfähigsten und dynamischsten Künstler der letzten Jahrzehnte, der die Musikwelt nachhaltig geprägt hat. Konzertausschnitte und Videoclips in der Dokumentation belegen dies nachdrücklich.

Wie grandios Musik und Shows von Prince waren, beweist auch der Konzertfilm „Sign O' The Times“, den Arte im Anschluss an die Dokumentation sendet. Hier ist Prince in ständiger Bewegung und zeigt sich als schillernder, charismatischer Meister der Show. Hier kann man als Zuschauer aber auch erahnen, was zum tragischen Ende des Superstars geführt hat: das jahrzehntelange, exzessive Tanzen und Springen in High Heels auf der Bühne führte zu massiven Hüftschäden. Mit Medikamenten versuchte Prince seine Schmerzen zu lindern. Vergeblich.

Der Prince-Abend auf Arte ist nicht nur eingefleischten Fans des Popstars zu empfehlen. Musikalisch Interessierte werden hier erfahren, wer und wie maßgeblich die Musik der 1980er- und 1990er Jahre geprägt hat: ein „Sexy Mother F*****“ aus Minneapolis.

  • Prince - Sexy Mother F***** (Freitag 20. Juli 2018, 22.30 Uhr, Arte)
  • Prince: Sign O' The Times (Freitag 20. Juli 2018, 23.25 Uhr, Arte)


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