Schattenseiten der schönen Jahreszeit WDR-Dokumentation wirft kritischen Blick auf Individual- und Massentourismus

Von Harald Keller

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Der Erfolg des Online-Zimmervermittlers Airbnb hat auch negative Folgen für den Wohnungsmarkt. Foto: dpaDer Erfolg des Online-Zimmervermittlers Airbnb hat auch negative Folgen für den Wohnungsmarkt. Foto: dpa

Osnabrück. Für eine sechsteilige Reihe haben Reporter des WDR beliebte Reiseziele der Deutschen besucht. Und nachgeforscht, wie sich der Tourismus eigentlich auf die dortigen Verhältnisse auswirkt.

Man könnte dem WDR Spielverderberei unterstellen: Mitten in der Ferienzeit wirft er in gleich sechs Filmen einen kritischen Blick auf den Individual- und Massentourismus. Den Auftakt macht eine Reportage über den Online-Zimmervermittler Airbnb. Das US-amerikanische Unternehmen hat eine Idee ins digitale Zeitalter verbracht, die aus analogen Zeiten stammt. Und in Deutschland erfunden wurde: die Mitwohnzentrale.

Ursprünglich verband sich damit ein sozialer Gedanke: vorübergehend leer stehender Wohnraum sollte über eine Börse vermittelt und untervermietet werden. Befristet, versteht sich, nur für kurze Zeit. Airbnb hat aus dem Prinzip ein internationales und großes Geschäft gemacht. Seit 2014 hat sich die Zahl der Inserate auf den Airbnb-Webseiten auf 4,5 Millionen vervierfacht. Auf den ersten Blick nicht verwerflich: Wer selbst auf Reisen ist oder ein Zimmer aus anderen Gründen nicht nutzt, kann es über die Börse eine Zeitlang untervermieten. Die Höchstdauer regeln in Deutschland die kommunalen Wohnungsämter.


Die WDR-Reporter Dirk Bitzer und Fabian Nast haben sich das Geschäftsmodell und dessen Folgen einmal genauer angesehen. Nicht nur am WDR-Standort Köln. Sie waren in Hamburg, Berlin, München unterwegs, ihre Recherchen führten sie auch nach Florenz und nach Orlando in Florida.

Dort ist eine luxuriöse, von Wachleuten abgeschirmte Wohnanlage entstanden, die von vornherein zur Vermietung durch Airbnb vorgesehen war. Das Unternehmen fungiert als Partner des Projekts. Und profitiert von den vielen kurzfristigen Vermietungen.

Desgleichen in den anderen genannten Städten. Mit negativen Folgen für den Wohnungsmarkt, die Infrastruktur gewachsener Viertel, das soziale Klima. Aber Vorsicht: Bei dauerhafter Zweckentfremdung drohen teils hohe Bußgelder.

 „Schnäppchen“ sorgen für Belastungen

Dieser Film belegt, wie die anderen der Reihe, einmal mehr, dass vermeintliche „Schnäppchen“, sei es auf dem Reisemarkt oder im Handel, immer an anderer Stelle für Belastungen sorgen. Billigflüge und billige Unterkünfte haben auf den Kanarischen Inseln für einen touristischen Boom gesorgt. Nicht aber für Wohlstand, wie der Beitrag „Die Kanaren – Inseln der Arbeitslosen“ vermittelt. Hotelangestellte arbeiten für Löhne auf Niedrigniveau, tragen gesundheitliche Schäden davon, sehen sich Willkürmaßnahmen ausgesetzt. Gleichzeitig treibt der Tourismus die Gebäu-de- und Mietpreise nach oben. Die Obdachlosenrate steigt.

Gibt es also nur nachteiliges Reisen? Manchmal hilft schon ein klein wenig Eigeninitiative. Und bringt sogar Vorteile. Die Zuschauer erfahren beispielsweise, dass Ausflüge per Taxi mitunter billiger sind als die organisierten Fahrten der Kreuzfahrtveranstalter. Von diesem Schnäppchen profitieren dann beide Seiten.


Airbnb von Verbraucherschutzbehörden abgemahnt

Zur Hauptreisesaison haben europäische Verbraucherschutzbehörden Airbnb abgemahnt. Der Zimmervermittler verstoße mit teils unklaren Preisangaben und unzulässigen Geschäftsbedingungen gegen EU-Recht, monierte die EU-Kommission. Werde dies bis Ende August nicht korrigiert, könnten die EU-Länder einschreiten. 

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