TV-Programm am Dienstag Reihe „Supermächte“ startet mit Film über China

Von Harald Keller

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Will China an die Weltspitze führen: Präsident und Parteichef Xi Jinping. Foto: ZDF/Andy WongWill China an die Weltspitze führen: Präsident und Parteichef Xi Jinping. Foto: ZDF/Andy Wong

Osnabrück Die Staatschefs von China, Russland und den USA erscheinen regelmäßig in unseren Nachrichtensendungen. Eine dreiteilige ZDF-Reihe informiert über die politischen Anliegen dieser Länder vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Geschichte.

Der Programmbeitrag könnte kaum passender terminiert sein. Möglicherweise steht der Welt ein Handelskrieg bevor, ausgelöst durch US-Präsident Donald Trump, der den Warenaustausch durch Einfuhrzölle zugunsten der USA regulieren möchte. Betroffen ist auch China, selbst eine bedeutende wirtschaftliche Größe.

Um die außenpolitischen Positionen der drei Großmächte China, USA und Russland zu verstehen, braucht es einen Blick in deren Geschichte. Die dreiteilige Reihe „Supermächte“ des ZDF ist mit ihren Fragestellungen somit auf der Höhe der Zeit: Verlieren die USA ihre Führungsrolle? Gewinnt Russland die frühere Weltgeltung zurück? Ist China bald die Nummer eins?

Den Anfang macht ein Film über das Reich der Mitte. Der Bilderreigen zu Beginn weckt Erinnerungen an den Kalten Krieg. Staatspräsident Xi Jinping nimmt eine Truppenparade ab. Eine Geometrie der Macht, wie aus einem Computerspiel. Propagandabilder wie jene vom Parteitag der Kommunistischen Partei. Bizarr, wie Hostessen rückwärts schreitend synchron die Tassen auf den Pulten nachfüllen. Das Plenum erscheint als anonyme Masse, ausgenommen eine junge Frau, schon ihrer abweichenden Kleidung wegen ein Blickfang für die Kamera: Umgeben von einem Heer dunkler Anzüge, trägt sie eine hellblaue Uniform und eine blumengeschmückte, mit Applikationen verzierte Dienstmütze. Annette von der Heyde und Stefan Brauburger, die Autoren des Films, verraten leider nicht, um wen es sich bei dieser prominent hervorgehobenen Person handelt und wie ihre auffällige Kleidung gedeutet werden muss.

Noch vor Beginn der argumentativen Berichterstattung entsteht aus der Bildgestaltung ein Bedrohungsszenario. Hinter den Interviewpartnern sieht man ein militärisches Kommandozentrum mit zwei haushohen Bildschirmen, ausgefüllt von der Flagge und der Karte Chinas. Ist die titelgebende Frage „Angst vor China?“ also berechtigt? Professor Wang Yiwei von der Pekinger Renmin Universität kann auf die Frage, ob sich hinter den ehrgeizigen innenpolitischen und wirtschaftlichen Plänen Chinas „eine Kampfansage an den Westen“ verberge, nur lachen. Er erläutert: Das chinesische Bruttosozialprodukt soll den deutschen Werten angenähert werden. Denn noch immer leben viele Chinesen im Vergleich mit Westeuropäern in Armut.

Sachlich wird es mit dem nachfolgenden historischen Überblick, der die heutige Haltung Chinas verständlicher werden lässt, so wie den Umstand, dass ein 1,4 Milliarden Menschen umfassender Vielvölkerstaat von einer winzigen Führungsclique beherrscht werden kann. Die Autoren erinnern daran, dass China vor Jahrhunderten schon eine Weltmacht war, militärisch vielen anderen Staaten überlegen und kulturell und wissenschaftlich seiner Zeit voraus. Zeitweilig beherrschte die chinesische Flotte die Meere bis nach Afrika. Das Porzellan, das Schießpulver, der Buchdruck, der Kompass wurden hier erfunden. Bis dann die Europäer das Land kolonialisierten. Die Briten brachten Opium ins Land. Es ist keine Polemik, wenn Historiker von Drogenhandel ganz großen Stils sprechen. Noch heute gibt es in der Populärkultur das Klischeebild von der chinesisch geführten Opiumhöhle – die wahren Dealer waren britische Handelskompanien. Weitere Demütigungen des Drachenreiches folgten, Armut und Hunger. Das prägt die Selbstwahrnehmung bis heute.

Für die Illustration der historischen Ereignisse griffen die Autoren auf einen früheren Film aus der „Terra X“-Reihe zurück. Die aufwendig inszenierten Kostümszenen entstammen der Spieldokumentation „Das Tor des Drachen: Chinas langer Aufbruch“, 2008 aus Anlass der damaligen Olympischen Spiele in Peking ausgestrahlt.


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