Sexuelle Belästigung #MeToo: WDR und Fernsehspielchef Gebhard Henke einigen sich

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Unrühmliches Ende einer Karriere: Der ehemalige Tatort-Koordinator und WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke vor einem Plakat der Münsteraner Tatort-Ermittler. Foto: dpa/Oliver BergUnrühmliches Ende einer Karriere: Der ehemalige Tatort-Koordinator und WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke vor einem Plakat der Münsteraner Tatort-Ermittler. Foto: dpa/Oliver Berg

Osnabrück. Der WDR und sein wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung gekündigter Fernsehfilmchef Gebhard Henke haben sich kurz vor einem ersten Termin im Kölner Arbeitsgericht auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses geeinigt. Henke war auch langjähriger Tatort-Koordinator der ARD.

In einer Pressemitteilung des WDR hieß es am Montag: Der WDR und Prof. Gebhard Henke haben sich auf eine gütliche Beilegung des Arbeitsrechtsstreits geeinigt. Beide Seiten stellen fest: „Nachdem das Vertrauensverhältnis zwischen dem WDR und Prof. Henke nicht mehr herzustellen ist, haben die Parteien entschieden, die Zusammenarbeit zu beenden.“ Beide Seiten seien übereingekommen, über den weiteren Inhalt der Vereinbarung keine Auskünfte zu geben.

Henke wehrte sich

Ende April hatte der Sender seine Führungskraft zunächst einmal beurlaubt, nachdem von mehreren Seiten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Henke laut geworden waren. Dieser setzte sich öffentlich zur Wehr. Sein Anwalt sprach von einem „unsäglichen Verfahren, das wir nicht akzeptieren können“. Bis zum 10. Mai solle der Sender die Vorwürfe konkretisieren und Henke dazu Stellung nehmen lassen – oder seine Beurlaubung wieder rückgängig machen.  (Wie sich Henke wehrte)

Dies aber geschah nicht. Stattdessen wurden die Vorwürfe konkreter. Sechs Frauen, darunter Charlotte Roche und Nina Petri, berichteten im „Spiegel“, sie seien von Henke betatscht und begrapscht, an den Po oder an den Bauch gefasst worden. Dabei habe Henke angedeutet, sie zu fördern, und habe dafür offenbar körperliche Zuwendungen erwartet. Die anderen Frauen wollten anonym bleiben, sind dem „Spiegel“ zufolge aber namentlich bekannt.

"Vorwürfe glaubhaft"

Mitte Juni trennte sich der Sender dann mit sofortiger Wirkung von seinem Fernsehfilmchef. Grund seien „glaubhafte Vorwürfe sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs,“ hieß es. Es hätten „mehr als zehn Frauen dem WDR über sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten durch den bisherigen Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie berichtet, teils in Zusammenhang mit Machtmissbrauch“.

Der WDR habe die entsprechenden Schilderungen sorgfältig überprüft und den Beschuldigten angehört. Henke wies die Vorwürfe zurück, doch am Ende hielt der WDR die von den Frauen geschilderten Vorfälle für „schwerwiegend und glaubhaft“.

Unrühmliches Ende

Für den 63-jährigen Henke geht damit eine steile Fernsehkarriere unrühmlich zu Ende. 1998 wurde ihm vom WDR die Leitung der Programmgruppe Fernsehspiel übertragen, seit 2003 war er zugleich Leiter des Programmbereichs Film, Unterhaltung und Familie, seit 2009 des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie. Zudem war Henke langjähriger Tatort-Koordinator der ARD, quasi der Chef des liebsten TV-Formats der Deutschen.


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