Schöner Weinen mit TV Grey's Anatomy & Co: Diese Serien bringen Sie garantiert zum Heulen

Von Manuela Kanies, Corinna Berghahn und Kim Gerecht

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Die guten alten Zeiten: "Grey's Anatomy" zum Start der ersten Staffel 2005. Von den Hauptdarstellern sind mittlerweile einige ausgestiegen. Foto: imago/Cinema Publishers Collection/Frank OckenfelsDie guten alten Zeiten: "Grey's Anatomy" zum Start der ersten Staffel 2005. Von den Hauptdarstellern sind mittlerweile einige ausgestiegen. Foto: imago/Cinema Publishers Collection/Frank Ockenfels

Osnabrück. Taschentücher raus und los geht es: Wer gerne Tränen vor dem TV-Bildschirm verdrückt, dem kann geholfen werden: Hier eine Auswahl unserer Redaktion der besten Serien, die zum Heulen sind – im positiven Sinne natürlich! Aber Vorsicht: Spoiler-Alarm!

Mitleiden und bangen: „Grey’s Anatomy“

„Grey’s Anatomy“ ist nicht noch eine Arztserie, es ist seit 14 Staffeln DIE Arztserie. Wer sich noch an „Emergency Room“ erinnert und damit verbundene Karrieren wie George Clooney oder Julianna Margulies („The Good Wife“), kommt um „Grey’s“ natürlich nicht herum. Aber auch Einsteiger sind willkommen, denn das Drama um Meredith Grey, deren Freunde und neue Kollegen wiederholt sich quasi jede Staffel. Dennoch sind die Folgen nicht weniger tränenreich.

Es geht zwar um neue Forschungsmethoden, spannende Operationen (und es ist manchmal recht blutig), aber die Serie dreht sich vor allem um die Beziehungen der Ärzte des „Grey Sloan Memorial Hospital“. Im Mittelpunkt stehen Chirurgin Meredith Grey, deren große Liebe zu Chefarzt Derek Shepherd und Greys Beziehung zu ihrer dementen und dominanten Mutter. Dazu gibt es allerlei Dramen um Freunde wie Alex Karev und Christina Yang. Manchmal geht es zu wie in einer richtigen Soap: Es tauchen Halbgeschwister auf und es wird sehr viel gestorben.

Warum das so traurig ist, obwohl „Grey’s“ zu Übertreibungen wie einem Flugzeugabsturz mit den meisten Hauptdarstellern neigt? Weil die Wandlungen der Charaktere glaubhaft sind (Schöpferin Shonda Rhimes schreibt meisterhafte Cliffhanger) und es herausragende Folgen gibt wie das Finale von Staffel 6, in dem ein Amokläufer im Krankenhaus zahlreiche Menschen tötet. Außerdem manipuliert die Serie die Zuschauer geschickt mit passender Musik, allen voran „Chasing Cars“ von Snow Patrol. Auf die Spitze treibt das die Musical-Folge „Der Song hinter dem Song“. Wer da nicht heulen muss, hat ein Herz aus Stein.


Auch nach 14 Staffeln noch Freunde: Meredith Grey (Ellen Pompeo, l.) und Alex Karev (Justin Chambers, r.). Foto: obs/ProSieben/Eric McCandless


Angeberwissen: „Grey’s Anatomy“ ist eine der langlebigsten US-Serien aller Zeiten mit 14 Staffeln, weitere sollen folgen. Hauptdarstellerin Ellen Pompeo ist aber erst jetzt eine der bestbezahltesten US-Serienschauspielerinnen: Seit 2017 bekommt sie 575.000 Dollar pro Folge, das sind im Jahr mehr als 20 Millionen Dollar. Während sie durch „Grey’s“ eine Größe in Hollywood ist, hatten es andere Darstellerinnen schwerer: Von Katherine Heigl (sie spielte in den ersten Staffeln Freundin Izzie Stevens) hört und sieht man nach ihrem Ausstieg kaum noch was. Einstiges Zugpferd Patrick Dempsey alias Derek Shepherd taucht nur noch in L’Oreal-Werbung auf, andere Darsteller landeten in erfolglosen Ablegerserien. Erfolgreich ist nach „Grey’s“ kaum jemand, außer Nebendarsteller Jeffrey Dean Morgan. Er spielte Izzies herzkranken Verlobten Denny Duquette von 2006 bis 2009 und hat danach große Rollen in Filmen wie „P. S. Ich liebe Dich“ und Serien wie „The Walking Dead“ ergattert.




317 Folgen in 14 Staffeln, auf ProSieben lief bis zur Sommerpause die erste Hälfte von Staffel 14, ab Mittwoch, 18. Juli 2018 geht es weiter, alle 13 Staffeln sind auf Amazon Prime verfügbar 

Da weinen sogar Männer: "This is us - Das ist Leben" 

Schon die erste Folge erschlägt einen mit ihrer emotionalen Wucht: Ein Paar erwartet Drillinge – und die Geburt endet in einem Desaster. Wer damit klarkommt, sollte wissen: Es wird nicht weniger traurig. Und schön. Denn Folge für Folge und Zeitsprung für Zeitsprung entwickelt sich eine berührende Familiengeschichte um drei gleichaltrige Geschwister, die unterschiedlich wie Tag und Nacht sind. Die übergewichtige Kate kämpft gegen Pfunde und Schuldgefühle. Der eher simpel gestrickte Kevin will als Schauspieler groß rauskommen und ihr dunkelhäutiger Bruder Randall muss sich gegen Alltagsrassismus wehren. Ihre Eltern waren in der Vergangenheit ein glückliches Paar. Aber wo ist der Vater in der Jetzt-Zeit abgeblieben? Und wieso kann Kate den Super-Bowl nur allein gucken?


Taschentücher raus: In "This Is Us" wird es in jeder Folge um Jack (Milo Ventimiglia) und Rebecca (Mandy Moore) traurig. Foto: Maarten de Boer/ProSieben/NBCUniversal Media/obs


Ja, „This is us“ bringt in jeder Folge viele Zuschauer – männliche wie weibliche - in den USA zum Heulen und ist längst zum popkulturellen Phänomen geworden. In Deutschland hingegen floppte die Serie bei ihrer Erstausstrahlung auf ProSieben. Vielleicht, weil die deutsche Synchronisation das Geschehen noch gefühlsduseliger wirken lässt, als es im englischen Original sowieso schon ist. Trotzdem sollte jeder einschalten, denn wenn es eine Serie gibt, die pro Folge gleichzeitig das Gefühl zwischen zu Tode betrübt und himmelhochjauchzend bei Frauen UND Männern erweckt, dann ist es diese.




Angeberwissen: Der Vater wird dargestellt von Milo Ventimiglia, dem Bad Boy Jess aus den „Gilmore Girls". Als Mutter wurde Popsängerin Mandy Moore gecastet - und die überzeugt auf vollster Linie als kämpferisches Muttertier.

18 Episoden in Staffel 1, Staffel 2 wird zurzeit in den USA ausgestrahlt, Staffel 1 ist auf Amazon Prime verfügbar

Nichts für allzu zarte Seelen: "Call the Midwife - Ruf des Lebens"

"Call the Midwife - Ruf des Lebens" ist nichts für Anfänger, denn es gilt: Pro Folge wird gleich zweimal geweint. Einmal vor Freude, Rührung oder Liebe, das zweite Mal vor Wut, Trauer oder Entsetzen. Während einem in der einen Sekunde das Mutterherz vor Glück aus der Brust springen möchte und man in Gedanken schon das Arbeitszimmer babyblau streicht, bricht im nächsten Moment die Welt zusammen.

"Call the Midwife" zeigt das Leben einiger junger Hebammen im London der 1950er/1960er-Jahre. Im verarmten Stadtteil East End haben die Geburtshelferinnen in der Nachkriegszeit alle Hände voll zu tun. Zwischen Tradition und medizinischem Fortschritt kämpfen sie gegen Vorurteile und für Frauenrechte.

Wem übel wird beim Anblick verschiedenster Körperflüssigkeiten, für den ist die Serie eindeutig nichts. Denn sie ist sehr nah an der Realität: Das Drehbuch basiert auf den Memoiren der Krankenschwester Jennifer Worth und behandelt Themen wie häusliche Gewalt, Totgeburt, Abtreibung oder den Contergan-Skandal. Doch oft genug steht nicht die Verzweiflung im Vordergrund, sondern die natürlichste Sache der Welt: die Geburt. Und zwar ohne Komplikationen, Ärzte, Kaiserschnitte oder Krankenhäuser. Heißes Wasser, ein sauberes Handtuch, läuft.




Angeberwissen: Charlotte Ritchi (spielt Hebamme Barbara) ist die Tochter von Schauspielerin Kate Burton. "Grey’s-Anatomy"-Fans besser bekannt als Dr. Ellis Grey, Mutter von Meredith Grey.

42 Episoden in fünf Staffeln, weitere Staffeln sollen folgen, zu sehen auf Netflix

Umstyling mit Heul-Garantie: "Queer-Eye"

Die Prämisse dieser Vorher-Nachher-Show klingt flach: Fünf homosexuelle Männer stylen einen männlichen Schrat um. Am Ende hat dieser eine vorzeigbare Wohnung, kleidet sich besser, hat einen Haarschnitt, hat meist sogar Aussicht auf ein Date und weiß, dass das kulinarische Leben nicht nur aus Take-Aways bestehen muss. US-amerikanische Selbstoptimierung mag man da denken – bis man sich die Serie anschaut und mit dem Bingen gar nicht mehr aufhören kann. Denn die fünf Styler, „Fab Five“ genannt, sind großartig gecastet. Ebenso die nerdigen Männer mit ihrem hinter lauten Witzen und Zauseligkeiten versteckten emotionalen Gepäck.


Heulen bei einer Umstyling-Serie? Das geht mit "Queer Eye" und Jonathan Van Ness, Kamaro Brown, Bobby Berk, Tan France und Antoni Porowski ziemlich gut. Foto: imago/ZUMA Press/Birdie Thompson/AdMedia West Hollywood


Einsamkeit, toxische Männlichkeit, Rassismus, Ausgrenzung: Jede Folge dreht sich um eines dieser Themen unserer Zeit, ohne die Zuschauer mit dem Holzhammer zu erschlagen. Ja, „Queer-Eye“ ist kitschig. Aber das in Perfektion. In Zeiten von Hass und Verrohung ist es die Sendung, die man braucht, um sich den Glauben an das Gute in den Menschen zu erhalten. Kein Wunder, dass der Untertitel der zweiten Staffel dann auch lautet „more than a makeover“. Much more, in der Tat!




Angeberwissen: Queer Eye ist das Reboot der gleichnamigen Show aus den frühen 2000ern, die in den USA zur Akzeptanz von Homosexualität im Fernsehen beigetragen hat. Es gab sogar ein deutsches Remake: „Schwul macht cool“ auf RTL2. Letzteres eroberte jedoch nie die Herzen der Zuschauer - und ist heute nicht mal auf Youtube zu finden.

16 Folgen in zwei Staffeln, zu sehen auf Netflix


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