Film-Doku heute Abend im NDR NDR-„Nordstory“ über Filmfreaks im Norden

Von Marcel Kawentel

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Ben Becker berät sich mit Regisseur Michael Söth am Set von "Deichbullen". Foto: NDR/Joker Pictures GmbHBen Becker berät sich mit Regisseur Michael Söth am Set von "Deichbullen". Foto: NDR/Joker Pictures GmbH

Osnabrück. Mit Ausnahme von Hamburg ist Norddeutschland nicht gerade als Filmland bekannt. Dass hier dennoch allerlei Filmverrückte ihr ‚Unwesen‘ treiben, zeigt die Doku „Großes Kino zwischen den Meeren“ aus der NDR-Reihe „Die Nordstory“ am 29. Juni um 20.15 Uhr.

„Wir machen das ja nicht, weil es leicht ist.“ So bringt der Vorführer des größten Filmclubs Deutschlands seine Arbeit auf den Punkt. Er projiziert großes Kino auf eine noch größere Freiluftleinwand, die durch Norddeutschland reist und auch schon mal auf einem Ponton schwimmend aufgebaut werden muss. Die Initiative ist eines von drei Beispielen für Filmleidenschaft, die in der Doku „Großes Kino zwischen den Meeren“ aus der NDR-Reihe „Die Nordstory“ porträtiert werden. Neben einer Location-Scouterin, die für ein Roadmovie nach einem charmanten Campingplatz und einer Kiesgrube sucht, die sich für eine Actionszene eignet, steht vor allem der Independent-Filmer Michael Söth im Mittelpunkt des Films. Söth hat nach eigener Aussage als freier Kameramann gearbeitet und auch sonst alles gemacht, was es beim Film zu tun gibt. Bisher produzierte, schrieb, inszenierte und schnitt er zwei Langfilme: „Deichking“ und „Bauernfrühstück“ - „Beide keine Kassenschlager, aber echte Söths,“ wie der als Filmverrückter bekannte Regisseur erklärt. 

Independent-Serie auf Netflix

Mit seiner Webserie „Deichbullen“ ist ihm nun endlich ein echter Clou gelungen: die erste Staffel der eigenwilligen Krimi-Comedy ist bei Netflix zu sehen. Bereits 2015 begann Söth - wie es seine Art ist - auf eigene Faust zu drehen. Zunächst stieg Studio Hamburg als Produktionsfirma in das Projekt ein, doch kein Sender wollte sich beteiligen. Umso kurioser, dass der NDR, in dessen Sendegebiet „Deichbullen“ spielt, jetzt, da sich der Erfolg eingestellt hat, darüber berichtet. So einfach und improvisiert die Produktionsbedingungen auch waren - die Darsteller mussten zum Teil in einem Container hausen - es gelang Söth immerhin mit Ben Becker einen echten Star an Bord zu holen. Der hatte, wie er in der Doku verrät, einfach keine Lust mehr auf das fernsehübliche „Polizeizeugs“. Becker reiht sich damit ein in die Liste von prominenten Mitwirkenden, die Söth bereits in früheren Projekten zur Teilnahme bewegen konnte, wie etwa die Hip-Hopper Fettes Brot, das Hamburger Original Lotto King Karl, den Ärzte-Schlagzeuger Bela B. und - für „Deichbullen“ schon zum zweiten Mal - Eva Habermann.

Norddeutsch-skurril: "Deichbullen" 

So wie es Zugezogenen gehen mag, die versuchen mit den Norddeutschen warm zu werden, so dürfte es auch dem Zuschauer mit „Deichbullen“ gehen. Die Serie beginnt knorrig, leicht skurril, aber zunächst ereignisarm. Genau das ist das Hauptproblem der beiden Hamburger Polizisten, die ins schleswig-holsteinische Kaff Kollmar strafversetzt werden. Während Kiez-Veteran Klaus Kante (René Chambalu) alles „Scheiße“ findet, hat sich Hartmut Paulsen (Reverend Christian Dabeler) vorgenommen, in Kollmar das Grundgesetz zu verteidigen und „aufzuräumen“. Was genau es in dem verschlafenen Örtchen aufzuräumen gibt, wird das Publikum erst in Folge zwei erfahren. Michael Söth, der die Idee gemeinsam mit dem Schauspieler Christian Dabeler entwickelte, ist es gewohnt seine Projekte gegen alle Widerstände durchzusetzen. Dabei muss er - wie viele Regisseure - nebenbei seinen Lebensunterhalt mit Werbe- Industrie- und Imagefilmen verdienen. Doch er will seine Filme eben so haben, dass sie „zufrieden machen“, ohne dass ihm jemand hineinquatscht. Dass ein risikofreudiger deutscher Filmemacher mit diesem Anspruch bei Netflix und nicht im deutschen Fernsehen landet, kann man als Erfolg werten, sollte aber auch ein Ausrufezeichen in Richtung der TV-Macher sein. Oder wie es der Betreiber des Freiluftkinos in der „Nordstory“ sagt: „Neunzig Prozent der Menschen hätten schon aufgegeben. Das ist doch schön.“


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