Dramödie – Im Riesenrad des Coming-out „Love, Simon“ thematisiert Homosexualität in Highschool-Romanze

Von Reinhard Westendorf

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Osnabrück. „Love, Simon“ ist die schwungvolle Verfilmung des Jugend-Bestsellers „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“ (deutsche Ausgabe: „Nur drei Worte“) von Becky Albertalli über das schwierige Coming-out eines schwulen Teenagers.

Homosexuelle Beziehungen sind selbst im Mainstream-Kino mittlerweile quasi ganz normal. Mit welchen Absurditäten und Schwierigkeiten ein schwules Coming-out dennoch im Alltag verbunden sein kann, zeigt auf groteske Weise eine pfiffige Umkehr-Sequenz in der US-amerikanischen Highschool-Romanze „Love, Simon“. Darin offenbaren diverse Mitschüler und Mitschülerinnen der Titelfigur ihren verzweifelten Eltern, dass sie heterosexuell sind!

Derart originelle inszenatorische Kunstgriffe – zu denen auch noch eine beschwingte Musical-Einlage zählt – lockern die eigentlich dramatische Geschichte der Selbstfindung des schwulen 17-jährigen Oberschülers Simon (mit einnehmender Verunsicherung dargestellt von Nick Robinson) unterhaltsam auf.

Dass man sich zur Verwirklichung seiner Liebesträume manchmal öffentlich zum Affen machen muss, zeigen zwei zum Fremdschämen peinliche Szenarien mit gegensätzlichem Ausgang. Bei einem Schüler-Football-Spiel macht Simons Nervensäge-Mitschüler Martin seiner Möchtegern-Freundin vor großem Publikum einen unpassenden Antrag. Simon selbst nutzt beim emotional hochgepushten Finale bei zahllosen frustrierenden Fahrten in einem Riesenrad die allerletzte Chance, endlich die wahre Identität seines anonymen Online-Lovers zu erfahren. Von diesem unter dem Pseudonym „Blue“ sich im schulischen Netzwerk als schwul bekennenden Unbekannten fühlt sich Simon sofort stark angesprochen. Unter dem Alias „Jaques“ chattet Simon intensiv und offen mit „Blue“ über seine (noch) geheime homosexuelle Orientierung.

An dieser Stelle kann man den Drehbuchautoren Elizabeth Berger und Isaac Aptaker (nach dem Roman von Becky Albertalli) sowie Regisseur Greg Berlanti vorhalten, dass sie bei ihrem heranreifenden Teenager-Protagonisten sexuelle Begierde und die Illusion der großen Liebe fürs Leben gleichsetzen. Anderseits passiert ja in diesem Alter genau das und führt zu den geschilderten Nöten und naturgemäß oft irrationalen Verhaltensweisen.

Zu den Dummheiten jugendlichen Gefühlslebens darf dann auch Simons unaufrichtiges und verletzendes Verhalten gegenüber seinen ahnungslosen Freundinnen und Freunden in dieser Entwicklungsphase gezählt werden. Aber im warmherzigen Gesamtkonzept dieser flotten Coming-of-Age-Dramödie können alle betroffenen Charaktere diesen Makel ganz locker in Liebe zu Simon wegstecken. Dessen hochsympathische Eltern (Jennifer Garner und Josh Duhamel) haben sowieso für alles Verständnis. Und das Rätselraten um den wahren „Blue“ bleibt für die Zuschauer bis zur politisch überkorrekten Enttarnung ebenso spannend wie für Simon. In den USA waren selbst nicht an der Produktion mitwirkende Filmschaffende von „Love, Simon“ derart begeistert, dass sie in ihren Heimatstädten eigens Kinos anmieteten, damit ihr neuer Lieblingsfilm von möglichst vielen Menschen gesehen wird.

Love, Simon. USA 2018, R: Greg Berlanti. D: Nick Robinson, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg; 110 Minuten, ohne Altersbeschränkung;Cinema-Arthouse, Filmpassage.


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