TV-Konsum bleibt stabil Schauen Jugendliche zu zu viel fern?

Von Marcel Kawentel

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Noch sitzen Kinder häufig vor dem Fernseher. Zunehmend verfolgen sie das TV-Programm aber an mobilen Endgeräten wie dem Smartphone. Foto: imago/blickwinkel

Small Child the Television  Copyright xblickwinkel McPHOTOx ErwinxWodickaxNoch sitzen Kinder häufig vor dem Fernseher. Zunehmend verfolgen sie das TV-Programm aber an mobilen Endgeräten wie dem Smartphone. Foto: imago/blickwinkel Small Child the Television Copyright xblickwinkel McPHOTOx ErwinxWodickax

Osnabrück. Oft genug wurde in der jüngeren Vergangenheit postuliert, das lineare Fernsehen sterbe aus, oder zumindest seine Zuschauerschaft. Nein, sagte die Privatbranche dazu letzte Woche. Vor allem Kinder sogenannter bildungsferner Eltern landen immer noch mit zuverlässiger Häufigkeit vor den Bildschirmen, sagt das Institut der deutschen Wirtschaft.

Nachdem kürzlich das ARD/ZDF-Netzwerk für junge Zuschauer „Funk“ mit dem YouTube-Wissenschaftsformat „maiLab“ einen Grimme Online Award gewann stellt sich einmal mehr die Frage, ob es für das sogenannte lineare Fernsehen nun nicht längst vorbei ist mit der jungen Zielgruppe, nach der alle TV-Macher ihr Programm auszurichten versuchen, als handele es sich dabei um einen Jungbrunnen, der das Fernsehen selbst wieder zu altem Glanz verhelfen kann. 

Seven One Media, der Vermarktungsarm des Konglomerats aus Prosieben und Sat1, verkündete vergangene Woche, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer in der werberelevanten Zielgruppe laut eigener Erhebungen im Vergleich von 2014 zu 2018 sogar um eine Minute gestiegen sei: von 103 auf 104 Minuten. Vermutlich war es kein Zufall, dass diese ermutigenden Forschungsergebnisse zwei Tage vor dem Beginn der „Screen Force Days“, der Privat-TV-Messe in Köln, veröffentlicht wurden. Es kann nicht schaden die eigene Relevanz noch einmal zu beschwören, bevor man den Werbekunden für die kommende Saison das Programm schmackhaft macht. 

Alter Konsum, neue Geräte

Allerdings: die jungen Zuschauer weichen zunehmend auf mobile Endgeräte aus, etwa das Smartphone, das für die Generation Z der nach dem Jahr 2000 Geborenen zum ständigen Begleiter geworden ist. „Always on“ heiße bei ihnen die Parole, weshalb man den Zuschauern dahin folgen müsse, wo sie sich aufhalten. Gemeint ist damit, das lineare Fernsehen muss auf den Geräten empfangbar sein, die das junge Publikum nutzt. Durch den Wegfall des Free TV im Standard DVB-T gebe es weniger Fernsehgeräte, auch damit sei die Verlagerung auf alternative Empfangswege zu erklären, berichtete der Branchendienst Horizont. Das Institut der deutschen Wirtschaft konstatierte derweil eine weitere augenfällige Entwicklung im Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen: Kinder aus bildungsfernen Familien verbringen viel Zeit vor Bildschirmen - zu viel, glaubt Familienpolitik-Experte Wido Geis vom IW in Köln mit Blick auf Daten des 2016 erhobenen Nationalen Bildungspanels: „Zu viel Mediennutzung im jungen Alter kann sich aber für die Entwicklung ungünstig auswirken", so Geis. Sein Institut warnt vor krankhaftem Übergewicht, Augenbeschwerden, Schlafstörungen und aggressiverem Sozialverhalten.

Bildung schützt vor Fernsehen 

Der Zusammenhang ist für Geis klar: „Erwachsene aus bildungsfernen Haushalten konsumieren mehr TV. Eltern aus bildungsnahen Haushalten besitzen deutlich mehr Bücher und lesen mehr." Der IW-Auswertung zufolge verbringen fast drei von fünf Viertklässlern mit einer Mutter ohne berufsqualifizierenden Bildungsabschluss, also zum Beispiel lediglich mit Hauptschulabschluss, mehr als zwei Stunden am Tag vor Bildschirmen. Im Vergleich schauten nur knapp drei von zehn Viertklässlern von Müttern mit Hochschulabschluss mehr als zwei Stunden Fernsehen. Bereits häufiger attestierten Studien den Eltern eine entscheidende Vorbildrolle bei der Mediennutzung. Die Schlussfolgerung des IW lautet, die Schüler sollten in der Schule digitale Kompetenzen erlernen. Andernfalls drohten besonders Kinder aus bildungsfernen Haushalten, abgehängt zu werden und später am Arbeitsmarkt weniger Chancen zu haben. Während das privatwirtschaftliche Fernsehen also daran arbeitet junge Menschen vor den Bildschirmen zu halten, warnt das Institut der deutschen Wirtschaft davor die Kinder vor den Bildschirmen zu parken. Der Schwarze Peter landet einmal mehr bei den Erziehungsberechtigten. (mit dpa)


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