US-Einwanderungspolitik Debatte über Symbolbild: Mädchen wurde nicht von Mutter getrennt

Von dpa und Lorena Dreusicke

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Denis Varela, der Vater des kleinen Mädchens Yanela, das auf dem Cover des "Time Magazine" abgebildet ist, zeigt ein Foto von ihm mit seiner Tochter. Varela sagt, dass er von seiner Ehefrau und Tochter seit drei Wochen nichts gehört hat und dass seine Frau, ihre Tochter ohne sein Wissen in die USA gebracht hat. Foto: dpa/Fernando Antonio/APDenis Varela, der Vater des kleinen Mädchens Yanela, das auf dem Cover des "Time Magazine" abgebildet ist, zeigt ein Foto von ihm mit seiner Tochter. Varela sagt, dass er von seiner Ehefrau und Tochter seit drei Wochen nichts gehört hat und dass seine Frau, ihre Tochter ohne sein Wissen in die USA gebracht hat. Foto: dpa/Fernando Antonio/AP

Washington . Ein Foto eines weinenden Mädchens, das zum Symbolbild der umstrittenen Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump wurde, hat eine Diskussion über Medienethik und journalistische Sorgfalt ausgelöst.

Das Bild des Fotografen John Moore zeigt die kleine Yanela an der US-Grenze zu Mexiko. Sie weint, während ihre Mutter gerade von einer Grenzschutzbeamtin abgetastet wird.

Im Zuge der viel kritisierten Praxis der Regierung, Kinder an der südlichen Grenze von ihren Familien zu trennen, wurde das Foto in den vergangenen Tagen etliche Male aufgegriffen. Das "Time"-Magazin nutzte es für eine Montage auf dem Titelblatt. Sie zeigt, wie die Kleine Trump gegenüber steht, daneben die Aufschrift "Welcome to America" ("Willkommen in Amerika").


Wie sich aber herausstellte, wurde das Mädchen gar nicht von seiner Mutter getrennt. Das sagte der Vater, der in Honduras geblieben ist, dem Sender Univision und anderen Medien. Nach seinen Worten werden Mutter und Tochter in einem Familienzentrum in Texas festgehalten. Ein Sprecher der Grenzschutzbehörde CBP erklärte ebenfalls, dass Mutter und Kind nicht getrennt worden seien.

Anlass für Medienschelte

Das Weiße Haus warf der Opposition und den Medien daraufhin vor, das Foto instrumentalisiert zu haben, um Trump in ein schlechtes Licht zu rücken. Sprecherin Sarah Sanders erklärte, es sei "schändlich", dass die Demokraten und Medien das Bild benutzt hätten, um ihre Agenda voranzutreiben.

Der Sender Fox News, der Trump wohlgesonnen ist, sprach von dem "jüngsten Fehltritt" von Medien und Journalisten in der Berichterstattung über die Einwanderungspolitik.

Trumps sogenannte Null-Toleranz-Politik hatte in den USA und weltweit Entsetzen ausgelöst. In den vergangenen Wochen trennten die US-Behörden Kinder illegal eingewanderter Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent von ihren Familien.

Trump ermöglichte es am Mittwoch per Präsidentenerlass vorläufig, dass Kinder und Eltern gemeinsam inhaftiert werden können und beendete die umstrittene Praxis damit zunächst. Dies ist jedoch eine befristete Regelung, sie muss gesetzlich untermauert werden.

Geschichte hinter dem Bild

Was sagt der Urheber des Bildes? Der Fotograf, Pulitzer-Preisträger John Moore, teilte auf Instagram Fotos von seiner Nacht unterwegs mit den Grenzbeamten in Texas. Das weltweite Echo auf seine Fotos empfinde Moore als überwältigend, schreibt er. Die Bilder berührten auch ihn als Vater. 

Zu seinem berühmtesten Bild aus der Nacht des 12. Juni schreibt Moore, die Mutter sei mit ihrem Kind etwa ein Monat unterwegs gewesen, um in die USA zu gelangen. Er dokumentierte die Szene, in der die Honduranerin ihre Tochter für eine Sicherheitskontrolle abgesetzt hat. Selbst diese kurze Trennung von ihrer Mutter brachte das Mädchen bitterlich zum Weinen. Anschließend seien beide in Gewahrsam genommen wurden, so Moore. Dort würden sie noch heute festgehalten, bis ihr Antrag auf Asyl bearbeitet wird.

Public response to the photographs of this scared little girl from Honduras has been overwhelming for me to see. I thought I would share the images that led to the key moment that touched many of you, as it did me. A Honduran asylum seeker, age 2, cries as she and her mother are taken into custody by federal agents near the US-Mexico border. The mother said they had been traveling for a month to reach the United States. They had just crossed the Rio Grande from Mexico and were then transported to a US Customs and Border Protection processing center. The Trump administration’s “zero tolerance” policy for undocumented immigrants calls for the frequent separation of parents and children while their cases for political asylum are adjudicated, a process that can take months - or years. This is a series of photographs I took while on a ride-along with the Border Patrol in Texas’ Río Grande Valley last week. #gettyimages #undocumented #gettyimagesnews

Ein Beitrag geteilt von John Moore (@jbmoorephoto) am Jun 19, 2018 um 7:29 PDT


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