Montag im ARD-Programm Toll gemacht: Doku-Drama über den 30-jährigen Krieg in der ARD

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Der Söldner Pater Hagendorf kämpfte im Dreißigjährigen Krieg auf vielen Seiten. Seine Lebenserinnerungen wurden 1988 gefunden. Foto: BR/MetafilmDer Söldner Pater Hagendorf kämpfte im Dreißigjährigen Krieg auf vielen Seiten. Seine Lebenserinnerungen wurden 1988 gefunden. Foto: BR/Metafilm

Osnabrück. Bei Doku-Dramen kann man nie ganz sicher sein: Manchmal ist es so viel Doku, dass es langweilig wird, manchmal ist es nur Drama und die Historie bleibt auf der Strecke. Doch dieses Doku-Drama ist ausgesprochen gelungen: "Glauben, leben, sterben" über den dreißigjährigen Krieg und den Westfälischen Frieden.

Gelungen ist hier wirklich vieles. Zum einen das Historische: Wer vom dreißigjährigen Krieg nicht viel mehr weiß, als dass er lang und grausam war, wird heute Abend einiges erfahren. Der Film ist chronologisch angelegt vom Prager Fenstersturz 1618 bis zum Westfälischen Frieden 1648. Die einzelnen Feldzüge und Kontrahenten werden so übersichtlich nachvollziehbar, die vielen Experten, die zwischendurch auftreten verwirren nicht, sondern klären. Absolut empfehlenswert für alle Schüler und geschichtlich Interessierten.

Gelungen ist aber auch die dramatische Ebene. Und das liegt an zwei Kunstgriffen. Zum einen haben die fünf Personen, die in den Spielszenen im Mittelpunkt stehen, wirklich gelebt. Und nicht nur das: Durch ihre überlieferten Tagebücher und Erinnerungen sind vier der fünf Personen wirklich greifbar, es sind spürbar Menschen aus Fleisch und Blut.


Der Jesuitenprediger Jeremias Drexel begleitete im Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Schlachten. Foto: BR/Metafilm


Der Jesuit Jeremias Drexel, Hofprediger von Maximilian von Bayern, hat vor allem die Schlachten der ersten zehn Jahre miterlebt und darüber geschrieben. Ebenso wie der Bankier Hans de Witte, der die erste Hälfte des Kriegs finanziert hat und dann über seine eigene Gier stolperte. Die Eichstätter Augustinernonne Klara Staiger und ihre Mitschwestern litten besonders in der zweiten Hälfte des Kriegs – sie schrieb ausführliche Tagebücher mit Kriegserlebnissen, aber auch mit Backrezepten und Alltagssorgen. 

Ebenfalls eine reale Person ist der Söldner Peter Hagendorf. Als man 1988 ganz zufällig seine Lebenserinnerungen in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin fand, galt das als historische Sensation. Einzig die oberösterreichische Bäuerin Martha Künzinger hinterließ keine schriftlichen Aufzeichnungen. Von ihr ist nur überliefert, dass sie 1678 starb und in ihrem Garten beerdigt wurde – als Evangelische war sie auf dem katholischen Kirchhof nicht willkommen.


Auch die evangelische Bäuerin Martha Künzinger litt im Dreißigjährigen Krieg Foto: BR/Metafilm


Der zweite Kunstgriff: Den fünf Hauptpersonen werden in der Spielszenen aus dem Off immer wieder Fragen gestellt. Sehr persönliche Fragen: Was der Söldner für sich erhofft, wovon er träumt? Ob der Bankier für Geld alles tun würde? Ob der Prediger die brutalen Übergriffe der Soldateska vor Gott für gerechtfertigt hält? Wie die Nonne angesichts der Leiden noch an einen guten Gott glauben kann? Ob die Bäuerin wirklich oder nur der Form halber katholisch geworden ist? Durch die Fragen und die Antworten kommt man den Menschen des 30-jährigen Krieges wirklich nahe. Sie wirken echt, glaubwürdig und trotz aller Fehler weder dumm noch bösartig. Menschen ihrer Zeit eben.

Damals in Europa - heute im Nahen Osten

Und schließlich ist in dem Film noch etwas sehr gelungen: die Bezüge zur Gegenwart. Immer wieder wird in Interviews mit Experten gefragt, wie vergleichbar der damalige Krieg mit heutigen Kriegen besonders im Nahen Osten ist. Ob ein „Wallenstein“ vergleichbar ist mit afghanischen Warlords und Kriegsgewinnlern. Ob katholisch und evangelisch so war wie sunnitisch und schiitisch heute. Ob Syrien heute so verwüstet ist wie Europa 1648. Und natürlich ob der Westfälische Friede ein Modell sein kann für Frieden im Nahen Osten. Die Antworten auf diese Fragen sind nie pauschal und immer erhellend. Wenn sie auch nicht viel Hoffnung machen auf baldige Lösungen. In Europa hat es auch 30 Jahre gebraucht.

Glauben, Leben, Sterben: Menschen im Dreißigjährigen Krieg

Montag, 25. Juni 2018 um 22.30 Uhr im Ersten


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