Am Donnerstag um 20.15 Uhr im TV So ist der Zweiteiler „Private Banking“ auf Arte

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Compliance-Officerin Stephanie Pfenninger (Anna Schinz, l.) weiht die neue Geschäftsführerin Caroline (Stephanie Japp) in die finsteren Geheimnisse des Private Bankings ein.Compliance-Officerin Stephanie Pfenninger (Anna Schinz, l.) weiht die neue Geschäftsführerin Caroline (Stephanie Japp) in die finsteren Geheimnisse des Private Bankings ein.

Osnabrück. Im hervorragenden TV-Zweiteiler „Private Banking“ auf Arte geht es um Lug und Trug für das Überleben einer Schweizer Privatbank nach der Aufhebung des Bankgeheimnisses. Dabei spielt „Storytelling“ in der Welt der Hochfinanz eine entscheidende Rolle.

Wieso ist die Schweiz eigentlich so ein unverschämt reiches Land? Früher, so heißt es an einer Stelle des herausragenden Zweiteilers „Private Banking“, sei das Land schließlich dermaßen arm gewesen, dass die Dörfler ihre Bäume im Wald mit Buchstaben markiert haben, die man heute noch sehen könne. Habe sich ein Dorfbewohner an einem falschen Baum bedient, dann bedeutete das Krieg.

Doch irgendwann seien hunderttausende besonders mutige Alpenbewohner in die Neue Welt aufgebrochen, wo sie allesamt zu außergewöhnlichem Reichtum gekommen seien. Mit diesem Reichtum seien sie schließlich heimgekehrt und haben die Schweiz zu jenem wohlhabenden Land gemacht, das es heute ist. Nur die Nachkommen jener mutlosen Bewohner, die nicht ausgewandert seien, lebten auch heute noch in bitterer Armut.

Bankkunden und andere Dumme

Vordergründig eine schöne Geschichte, die auch noch schlüssig klingt. Und darauf komme es an. Beim „Storytelling“, wie es nicht nur im Bankendeutsch heißt, gehe es schließlich vor allen Dingen darum, Bankkunden und andere Dumme zu ködern, weiß Marco Antonelli (Marc Benjamin). Niemand beherrscht das „Storytelling“ besser als er. Mit Stories versucht der Emporkömmling einer Schweizer Privatbank auch Caroline (Stephanie Japp), die uneheliche und betriebsfremde Tochter des im Koma liegenden Chefs und Firmenpatriarchen Leopold Weyer (Christian Kohlund), für seine Zwecke zu gewinnen. Caroline, so hat es der alte Leopold verfügt, soll nämlich ab sofort die schwierig gewordenen Geschäfte im Hause leiten.


Jedes Geschäft braucht eine gute Geschichte. Noch ist der Präsident der schweizerischen Bankiersvereinigung, Leopold Weyer (Christian Kohlund), wohlauf. Dann erleidet er plötzlich einen Herzinfarkt.


Schwierig deswegen, weil durch die Aufhebung des Bankgeheimnisses all die schönen Schwarzgelder der Kunden weißgewaschen werden müssen. Dazu braucht es freilich sehr viele sehr gute Geschichten. Und eine Fachkraft wie Marco, der darüber hinaus auch weiß, wie sich zwecks Steuerhinterziehung Urkunden fälschen und Hauptwohnsitze in Gegenden verlagern lassen, in denen man „kein Wasser trinken“ könne.

Vom Familiendrama zum Wirtschaftskrimi

„Im Private Banking geht es nur um die gute Story“, lautet der Schlüsselsatz in dem mit hintersinnigem Witz und hintergründigem Wissen inszenierten Drama von Regisseurin Bettina Oberli, die gemeinsam mit Thomas Ritter und David Sandreuter auch das sorgfältige Drehbuch verfasst hat. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt der Geschichte um eine Schweizer Privatbank geschickt vom Familiendrama um die uneheliche Tochter des Patriarchen zum internationalen Wirtschaftskrimi.

Japp, die für die Darstellung ihrer Rolle in „Private Banking“ bereits den Schweizer Fernsehfilmpreis 2018 entgegennehmen durfte, gelingt es mit subtilen darstellerischen Mitteln, die Wandlung von der betriebsfremden, werteorientierten Quereinsteigerin zur knallharten Bankerin zu verkörpern. Aber letztendlich lebt der Zweiteiler von der gesamten darstellerischen Ensembleleistung.

Insbesondere die ebenfalls mit dem Schweizer Fernsehfilmpreis ausgezeichnete Anna Schinz glänzt in ihrer tragenden Nebenrolle als Compliance-Officerin Stephanie Pfenninger, die äußerst gesetzestreu darauf achtet, dass keine Regeln übertreten werden. Ein rotes Tuch insbesondere für junge, aufstrebende Herren wie den „Storyteller“ Marco. Eine große Hilfe hingegen für Caroline, die als Suchttherapeutin mit eigener Drogenvergangenheit ein großes Herz hat und Ungerechtigkeiten bekämpft, wo immer sie sie erkennt.

Ob Caroline in ihrem neuen Job ihren Wertvorstellungen treu bleibt oder ob sie sich korrumpieren lässt – sehen Sie selbst. Es lohnt sich! Das „Storytelling“ stimmt.

„Private Banking“ (1-2/2). Arte, Donnerstag, 28. Juni, 20.15 Uhr. Online vom 28. Juni bis 28. Juli.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN