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Prinzen für Constanze und Lotte Sehenswert: Fünf neu verfilmte Grimms Märchen auf ARD und ZDF


Osnabrück. Fünf neu verfilmte Grimms Märchen bereichern wieder das Festtagsprogramm von ARD und ZDF. Doch in diesem Jahr könnte eine Personalentscheidung Eltern in Erklärungsnöte bringen: André Kaczmarczyk schlüpft am zweiten Weihnachtstag gleich zweimal in die Prinzenrolle. Erst heiratet er um 12.35 Uhr Constanze in „Die sechs Schwäne“ (ZDF) und danach um 16.40 Uhr Lotte in „Allerleirauh“ (ARD).

Als die junge Constanze (Sinja Dieks) aus einem Versteck heraus dem Kronprinzen bei der ersten Begegnung im Wald die Armbrust aus der Hand schießt und ihm so das Jagen vereitelt, drängt sich die erste Erinnerung an die unübertroffene tschechische Märchenverfilmung „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973) nach der Erzählung von Božena Nemcová auf. Nicht nur diese Szene, sondern auch die naturverbundene Atmosphäre, als das Paar später gemeinsam auf einem Schimmel durch die Landschaft reitet.

Unübertroffen ist der „Aschenbrödel“-Film auch, weil Hauptdarstellerin Libuse Safránková mit Pavel Trávnícek einen charismatisch ebenbürtigen Prinzen hatte. Sein Erbe könnte nun André Kaczmarczyk antreten – der diesjährige märchenhafte „Bigamist“ macht sich einfach konkurrenzlos gut an der Seite seiner starken Partnerinnen Sinja Dieks in „Die sechs Schwäne“ und Henriette Confurius „Allerleirauh“. Beide verleihen auf höchst unterschiedliche Weise ihrer Figur eine stolze, geheimnisvolle Aura. Kaczmarczyk gibt in beiden Rollen seinen Prinzen beziehungsweise jungen König vielschichtige charakterliche Züge. Das zauberhafte Schneeweißchen (Sonja Gerhardt) muss sich dagegen im Ersten mit dem farblosen Langweiler Prinz Jakob (Daniel Axt) herumschlagen.

Die Romanze der beiden überzeugend besetzten Paare mildern die schwermütigen Themen in „Die sechs Schwäne“ und „Allerleirauh“ immer wieder ab. Es geht um zwei grausame Familiengeheimnisse, um häusliche psychische Gewalt, die den Leidensweg zweier junger Frauen auslösen. Die Verbannung der sechs Söhne des Vaters und der Tod der Mutter im ersten Märchen; der versuchte Inzest des Königs, die Flucht seiner Tochter, die Demütigung im Schloss des jungen Königs im Zweiten.

Erinnerungen an Grimms Aschenputtel gibt es auch in „Allerleirauh“ – jedoch nur an ihre drei prachtvollen Ballkleider und ihr dreimaliges, geheimnisvolles Verschwinden, bis der König menschlich gereift ist, an seinen Umgangsformen gearbeitet hat und endlich erkennt, wer sie wirklich ist. Die Marienburg in der Nähe von Hannover bietet die passende Märchenschloss-Kulisse. „Allerleirauh“ gehört zur ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“, die seit ein paar Jahren sehenswerte Neuverfilmungen hervorbringt: traditionell zwar in einer mittelalterlichen Welt inszeniert, aber durch neue und neu interpretierte Figuren der zeitgenössischen Lebenswelt der Kinder angepasst.

Bekannte deutsche Schauspieler sind in bester Märchenspiellaune zu erleben: Anja Kling kann man die Freude über die Hexenrolle in „Hänsel und Gretel“ (ARD, 26. 12., 15.40 Uhr) noch vor der Kamera ansehen: Schräg und schrill agiert sie in ihrem Hexenhaus, in dem die magischen Kräfte der Inneneinrichtung an die Spezialeffekte aus „Harry-Potter“-Filmen erinnern. Detlev Buck gibt den dumm-dreisten Zwerg in „Schneeweißchen und Rosenrot“ (ARD, 25. 12., 16.40 Uhr), genauso ist es – zumindest für erwachsene Zuschauer – ein Vergnügen, den großartigen Edgar Selge als alten tollpatschigen, aber dennoch bösen Wolf in „Rotkäppchen“ (25. 12., 15.40 Uhr) zu erleben. Seine famose Partnerin gibt die kleine Amona Aßmann als gewitztes, selbstbewusstes Rotkäppchen. Ulrich Noethen in der Gestalt des verwitweten Königs Tobalt in Allerleirauh, der über seine Trauer dem Wahnsinn verfallen zu sein scheint, wirkt fast noch bedrohlicher als der Wolf.

Noch nicht genug von Märchen? Die tschechischen Produktionen „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ und die Serie „Die Märchenbraut“ sind als DVD-Paket erschienen.


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