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„Pakt mit dem Panda“ Gericht lässt den WWF abblitzen: Autor Huismann im Recht

Zufrieden: Filmautor Wilfried Huismann. Foto: dpaDieses Buch sollte es nicht geben: Wilfried Huismanns „Schwarzbuch WWF“Zufrieden: Filmautor Wilfried Huismann. Foto: dpaDieses Buch sollte es nicht geben: Wilfried Huismanns „Schwarzbuch WWF“

Köln/Berlin. Per einstweilige Verfügung wollte der World Wide Fund for Nature (WWF) im Frühjahr dieses Jahres dafür sorgen, dass in der Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“ von Wilfried Huismann verschiedene Inhalte verändert werden. „Abgewiesen“ lautet jetzt das Urteil des Landgerichts Köln in dem Verfahren gegen den WDR.

„Wir sind total zufrieden mit dem Urteil. Das Gericht ist unserer Argumentation gefolgt, dass keine Dringlichkeit gegeben war“, sagt Tibet Sinha, der zuständige Redaktionsleiter des WDR auf Anfrage unserer Zeitung, der das 19-seitige Urteil des Kölner Landgerichts vorliegt.

Darin heißt es zum Verhalten des WWF, dass er die zwischenzeitlich geführten außergerichtlichen Verhandlungen nicht mit der „gebotenen Zielgerichtetheit“ verfolgt habe. „Es ging offenkundig alleine darum, die Angelegenheit zu verzögern in der Hoffnung, dass sie sich von allein erledigen würde.“

Ein Rückblick: Am 22. Juni 2011 hatte die ARD den 45-minütigen Film „Der Pakt mit dem Panda“ erstmals gezeigt. In ihm legt der Journalist Wilfried Huismann anhand einiger Beispiele dar, wie der Verband mit dem Panda-Logo mit Unternehmen verknüpft ist – nämlich auf unheilige Art. Denn statt mit ihnen um die bestmögliche Lösung für Natur, Tiere und Menschen zu verhandeln, kooperiere der WWF mit diesen Umweltsündern. Auf diese Weise trage der Verband dazu bei, dass die Unternehmen ihre Geschäfte unter einem vermeintlich grünen Label weiter betreiben können. So habe sich der WWF beispielsweise auf die Seite von Monsanto geschlagen. Das ist ein US-Konzern, das transgene Maissorten und Breitbandherbizide produziert. Letztere schädigen nicht nur die Umwelt, sondern auch das menschliche Erbgut.

Nach der Ausstrahlung des Films durch die ARD sandte der WWF Anfang Juli vergangenen Jahres eine Abmahnung an den WDR, der jedoch die Abgabe einer Unterlassungserklärung ablehnte. Es folgte ein Briefwechsel, in dem der Naturschutzverband zunächst anfragte, ob eine außergerichtliche Lösung gefunden werden könne.

Der WDR nahm den Film zunächst freiwillig aus seiner Mediathek und machte Vorschläge für alternative Formulierungen in Huismanns Dokumentation. Auf diese jedoch reagierte der WWF nach einigen Schreiben zunächst nicht, dann verlangte er weitere umfassende Änderungen, die der WDR jedoch ablehnte.

„Betrachtet man diesen Verlauf, so war es die Antragstellerin (der WWF, d. Redaktion), die sich nicht konstruktiv eingebracht hat in die Vergleichsgespräche“, heißt es im Urteil aus Köln.

„Dieses Urteil bezieht sich nur auf das Verfahren, nicht auf die Inhalte des Films“, betont Tibet Sinha. Und auch Jörn Ehlers weist darauf hin. Wie der Verband mit dem Urteil umgehen werde, konnte der Leiter der WWF-Pressestelle eine Woche nach dem Richterspruch noch nicht sagen. „Wir gucken uns das jetzt genau an und beraten uns juristisch“, sagt er auf Nachfrage. Das könne dauern: „Die Geschäftsleitung ist derzeit im Urlaub.“ So werde erst in den kommenden zwei Wochen darüber entschieden, ob ein weiteres Verfahren eingeleitet wird.

Auch auf seiner Homepage weist der WWF nicht auf das Urteil hin. Hier heißt es nach wie vor, dass das Kölner Landgericht in drei einstweiligen Verfügungen entschieden habe, dass „WDR und SWR zahlreiche falsche Tatsachenbehauptungen nicht weiter verbreiten dürfen.“ Zwei dieser einstweiligen Verfügungen beziehen sich allerdings auf eine 30-minütige Kurzfassung des Films von Huismann, die im März 2012 ausgestrahlt worden war – ein anderer Fall, der in einem anderen Verfahren geklärt wird.

Derzeit sei keine weitere Ausstrahlung der Dokumentation geplant, sagt Tibet Sinha. Wilfried Huismann, der Autor von „Der Pakt mit dem Panda“, ist nach eigenen Angaben seit acht Monaten intensiv damit beschäftigt, auf die juristischen Schritte zu reagieren: „Ich sammele Beweise und versuche, eidesstattliche Erklärungen von Zeugen zu bekommen.“ Vor Gericht wird er von einem Anwalt des WDR vertreten: „Der Sender steht hinter mir.“ Und auch als Autor habe ihm das Verfahren nicht geschadet. „Es wird geschätzt, dass so ein Thema angegangen wird.“

Zum Bericht von der Huismann-Lesung in Osnabrück geht es hier.


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