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Sängerin will 2015 zur ISS Sarah Brightman: Habe schon als Kind vom Raumflug geträumt


Hamburg. Gastfreundlich und gut gelaunt schenkt Klassikpop-Diva Sarah Brightman in ihrer Suite im Hamburger Park Hyatt Hotel dem Gast erst einmal ein Mineralwasser ein, bevor das exklusive Gespräch beginnt. Am kleinen Tisch mit zwei Sesseln nimmt die 52-Jährige allerdings nicht Platz. Sie möchte im Zimmer umhergehen, bittet die Britin. Umso offenherziger erzählt die Sängerin dann von ihrem geplanten Weltraumflug, von ihrer Kindheit und ihrer Musik.

Frau Brightman, ist Ihr neues Album „Dreamchaser“, das nächste Woche erscheint, bereits die Begleitmusik für Ihren 2015 geplanten Flug zur Internationalen Raumstation ISS?

Ja. Es war eine schöne Erfahrung, dieses Album zu machen, denn es ist inspiriert von der Idee, in den Weltraum zu reisen. Aber selbst wenn ich diese Reise am Ende nicht machen könnte, wäre das Konzeptalbum eine Bereicherung für mein Leben. Es ist wundervoll zu sehen, wie sich alle Punkte zwischen Kunst und Kosmos in dem Projekt zusammenfügen.

Das müssen Sie uns erklären.

Das Universum bestimmt unser Dasein und ist ein Masterplan, der unsere Seele und Leidenschaft berührt. Man bekommt ein anderes Verständnis für das Wesentliche, alle Alltagsprobleme erscheinen dagegen so winzig und unbedeutend. Diese Einsicht hat dem ganzen Projekt viel Licht und Heiterkeit beschert. Es ist das beste Album, das ich je gemacht habe.

Hat Sie die Beschäftigung mit dem Raumflug verändert?

Ich fühle mich gelöster, freier und glücklicher. Das erste Mal, dass solche Gedanken und Gefühle mich beschäftigten und meine Fantasie beflügelten, liegt zurück in meiner Kindheit, als ich im Fernsehen die Apollo-Flüge und die erste Mondlandung sah. Das hat meine Seele früh beeinflusst.

Inwiefern?

Ich habe damals schon davon geträumt, einmal ins All zu fliegen. Aber dieser Wunsch war natürlich jahrzehntelang völlig unrealistisch, weil nur professionelle Astronauten dazu bestimmt waren. Als ich dann das erste Mal davon hörte, dass Weltraumtouristen zur ISS reisen können, kam diese Sehnsucht in mir wieder zum Vorschein.

Zwei Jahre lang müssen Sie sich auf Ihren Spacetrip vorbereiten. Werden die Tests sehr anstrengend sein?

Sicher, das habe ich ja schon bei den Eignungstests erfahren. Aber es wird auch eine sehr konzentrierte, bewusste Zeit des Lebens sein, vor allem, wenn ich ein halbes Jahr im russischen Trainingszentrum, dem sogenannten Sternenstädtchen, bei Moskau verbringe. Ich glaube, es hat auch etwas mit meiner Genetik zu tun, dass ich zu solch einem Weltraumflug fähig bin. Als ich im Sommer 2012 zum ersten Mal das russische Trainingszentrum besuchte, wurde ich von Kopf bis Fuß durchgecheckt.

Wie fiel das Urteil aus?

Meine medizinischen Werte sind sehr gut, ich habe ja auch nie geraucht und getrunken, mich immer gesund ernährt und fit gehalten. Und ich habe den festen Willen, alle Tests durchzustehen. Ohne diese Gewissheit würde ich das ganze Programm gar nicht starten, und man hätte mich auch nicht gelassen. Außerdem habe ich eine gewisse Erfahrung, was das Fliegen angeht. Mein Vater war ein Geschäftsmann und ließ mich schon in den Achtzigerjahren einen Flugschein machen. Ich kann mich in die Situation eines Piloten hineinversetzen.

Kennen Sie das Gefühl von Schwerelosigkeit?

Noch nicht im Sinne des Schwebens. Aber ich kann es mir vorstellen. Und ich kenne die Belastung, die bei Beschleunigung auf den Körper einwirkt. In Russland musste ich in die Zentrifuge und wurde mit achtfacher Schwerkraft durchgeschleudert. Aber auch diese anstrengende Prüfung habe ich gut ausgehalten. Mein Puls war ganz normal. Die Prüfungskommission gab mir danach grünes Licht. Im nächsten Jahr stehen dann das harte Fitnesstraining, die praktischen Kurse und Notfallübungen an.

Wie lange dauert der Trip?

Zehn Tage, davon verbringe ich wahrscheinlich drei auf der ISS, wenn alles nach Plan läuft.

Wie verständigen Sie sich mit den Russen?

Es gibt eine Dolmetscherin, aber ich habe als Teenagerin in der Schule ein bisschen Russisch gelernt. Das kann ich jetzt wieder auffrischen.

Wollen Sie da oben auch ein Experiment durchführen?

Ich bin eine Sängerin. Da ist es naheliegend, wenn ich auch im All singe. Jeder hat dort oben seine Aufgaben, ich wähle ein musikalisches Experiment und werde versuchen, mit einem Kinderchor auf der Erde zu singen. Problematisch dürfte allerdings die technische Realisierung werden, wenn das Signal von der ISS zeitversetzt auf der Erde ankommt. Aber das ist sekundär. Wichtig ist mir, auf diese Weise die junge Generation zu inspirieren, sich für die Wissenschaft, für die Erde und den Weltraum zu engagieren. Das Schwierigste wird sein, unter Tausenden von Chören einen für diese tolle Aufgabe auszuwählen.

Sie sind UNESCO-Botschafterin für Frieden. Was wird Ihre Botschaft von da oben sein?

Das habe ich mir noch nicht genau überlegt.

Wollen Sie so etwas Bedeutungsvolles wie Neil Armstrong auf dem Mond sagen?

(lacht) Nein, diesen Anspruch habe ich nicht. Die Zeiten haben sich geändert. Aber ich möchte auf jeden Fall eine Botschaft mit allen Menschen teilen. Und die wird sicherlich mit Frieden und Toleranz zu tun haben.

Was zahlen Sie für Ihr Ticket?

Das ist absolut vertraulich. (Anm. d. Red.: rund 40 Millionen Euro)

Wie halten Sie sich fit?

Ich mache täglich meine Pilates-Übungen, wo immer ich mich aufhalte. Außerdem bin ich seit meinem dritten Lebensjahr eine Ballerina, habe mein ganzes Leben lang getanzt. Ich passe einfach auf mich und meinen Körper auf, das hat auch mit Leidenschaft für den Beruf zu tun. Und man darf nicht vergessen: Das Glück hat es immer gut mit mir gemeint, ich bin erstaunt über das faszinierende Leben, das ich führen durfte. Aber das alles zählt nichts, sondern das Wesentliche ist, überhaupt zu atmen: Das wurde mir schlagartig klar, als mein Vater Anfang der Neunzigerjahre durch Ersticken starb.

Glauben Sie, dass wir nicht allein im Weltall sind?

Was für eine Frage! Es wäre ziemlich arrogant zu denken, wir seien in dem riesigen Universum die einzigen intelligenten Wesen. Dass es eines Tages zum Kontakt mit Außerirdischen kommen wird, ist allerdings sehr unwahrscheinlich.

Sind Sie ein religiöser Mensch?

Ich komme aus einer katholischen Familie, aber Religion im Sinne von Kirche ist mir nicht so wichtig wie eine spirituelle Einstellung. Es geht um die Kraft der Liebe, auf die ich mich fokussiere. Der ewige Gelehrtenstreit Gott versus Wissenschaft hat für mich nie einen Sinn ergeben.

Ihr Duett „Time to say goodbye“ mit Andrea Bocelli ist nicht nur einer der erfolgreichsten Songs, sondern auch einer der meistgespielten auf Beerdigungen. Berührt Sie das?

Auf jeden Fall. Ich fühle mich sehr geehrt, dass dieses Lied in so einem extrem intimen Moment für eine Familie und eine Trauergemeinde gespielt wird. Es zeigt doch, dass diese Musik die Herzen und Gefühle erreicht und einen gewissen Trost in schwerer Stunde spenden kann. Das ist eine hohe Auszeichnung für den Song und die Interpreten.

Können Sie das Lied noch hören, oder schalten Sie ab?

Nein. Ich liebe dieses Lied und habe es stets in meinem Repertoire.

Auf dem Album „Symphony“ sangen Sie ein Duett mit Kiss-Sänger Paul Stanley. Wird es nun eine ähnliche Überraschung geben?

Nein. Das neue Album ist ganz anders, nicht so gothic und dunkel wie „Symphony“. Wir haben viel mit Chören und elektronischen Sounds gearbeitet, um die Lieder möglichst hell, erhaben und positiv klingen zu lassen. Wir haben Songs von Elbow, Mike Oldfield und „Venus and Mars“ von Paul McCartney dafür ausgesucht.

Hätte David Bowies Hit „Space Oddity“ nicht auch gepasst?

Ein wunderbarer Song. Aber mit einem tragischen Ausgang. Major Tom verliert ja bekanntlich den Kontakt zur Kontrollstation auf der Erde und schwebt danach einsam durchs All. (lacht)

Wie gelingt es Ihnen, auf dem Teppich zu bleiben?

Gute Frage. Ich weiß, dass ich mich in einer etwas irrealen Welt bewege, die weit entfernt ist vom Leben normaler Leute. Ständig auf Reisen, Jetlags, Konzerte, Einladungen, Studios, Promotion, Interviews, Events, Hotels. Wenn es mir zu viel wird, denke ich gerne an meine Kindheit zurück und wie alles angefangen hat.

Wie sah diese Kindheit aus?

Ich habe nur schöne Erinnerungen daran. Ich bin wohlbehütet aufgewachsen, zusammen mit zwei Brüdern und drei Schwestern in Berkhamsted in der Nähe von London. Mein Vater war ein gut verdienender Unternehmer, meine Mutter Hausfrau. Es fehlte uns an nichts, unsere Eltern förderten all unsere Talente. Meine Kindheit war sehr unmittelbar.

Sechs Kinder hört sich nach viel Spaß und Trubel an ...

Ja, aber ich war die Älteste. Das bedeutete, dass ich auf die anderen aufpassen musste und immer die unbeliebte Rolle des Chefs erhielt. Das führte natürlich auch zu Streit, aber ich habe dadurch gelernt, Dinge zu organisieren.

Im Videoclip zum Song „Shall be done“ erscheinen Sie Kindern als Fee, ebenso auf manchen CD-Covers. Ein Image, mit dem Sie gern spielen?

In diesem Clip war ich ein Baumgeist (lacht). Aber es ist richtig, ich verwende oft Fantasythemen und -figuren in Bild und Texten. Das erinnert mich an das unbeschwerte Lesen in meiner Kindheit, als man noch viel Zeit hatte, die „Chroniken von Narnia“ und „Herr der Ringe“ zu lesen. All diese Schriftsteller wie Lewis, Tolkien, später Pullman und Rowling haben uns auf eine grandiose Reise ins Land der Fantasie mitgenommen und uns inspiriert. Auch Religion hat ja in gewisser Weise mit Fantasie zu tun.

Sarah Brightman

wird am 14. August 1960 in Berkhamsted, 40 Kilometer von London entfernt, als ältestes von sechs Kindern geboren. Bereits als Dreijährige beginnt sie mit dem Ballettunterricht, sie erhält außerdem Klavier- und Gesangsunterricht. Im Alter von 17 Jahren singt und tanzt sie bei der Gruppe „Hot Gossip“, die einen Charterfolg mit „I Lost My Heart to a Starship Trooper“ feiert. Mit 18 Jahren heiratet Brightman das erste Mal, ihr zweiter Ehemann ist der Komponist Andrew Lloyd Webber, den sie als Sängerin eines seiner Musicals kennenlernt. Das Paar wird 1984 getraut und sechs Jahre später wieder geschieden. Brightman macht sich nicht nur einen Namen als gefeierte Musical-Darstellerin, sondern vielmehr als erfolgreiche Künstlerin in der Crossover-Sparte zwischen Klassik und Pop. 1996 singt die Engländerin zusammen mit Andrea Bocelli dessen Welthit „Time to Say Goodbye“. Ihre Alben verkaufen sich in den Folgejahren weltweit, auf „Symphony“ ist sie in einem Duett mit Kiss-Sänger Paul Stanley zu hören. Brightman tritt immer wieder auf großen Events wie der Olympia-Eröffnung 2008 in Peking auf. Sie erhält viele Preise und wird 2012 „Künstlerin für den Frieden“ für die UNESCO. Im selben Jahr kündigt sie an, 2015 als Touristin zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen.


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