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„Abhängig vom Smartphone“ Frau mit Aussicht: Caroline Peters über Kindheit, Karriere und Internet

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Wiesbaden. Das Fernsehpublikum hat sie spätestens mit dem Eifel-Krimi „Mord mit Aussicht“ ins Herz geschlossen, am berühmten Wiener Burgtheater aber ist Caroline Peters schon viel länger ein Star. Kommenden Mittwoch hat die in Köln aufgewachsene und in Wien und Berlin lebende Arzttochter einen ganz starken Auftritt im ARD-Thriller „Im Netz“. In einem Wiesbadener Hotel unterhalten wir uns über Kindheit, Karriere und die Gefahren des Internets:

Frau Peters, warum sind Sie eigentlich nicht Ärztin geworden – Ihr Vater war ja auch einer?

Das reicht in unserer Familie sogar bis ins 17. Jahrhundert zurück: Ärzte, Apotheker, Krankenschwestern, medizinisch-technische Assistentinnen und physikalisch-technische Assistentinnen. In meiner Generation war es meine zwei Jahre ältere Schwester, die sich in diese Tradition eingereiht hatte, der Posten war schon besetzt. Und ich kann kein Blut sehen.

Ihr Vater war Direktor der Nervenklinik in Köln.

Ja, und er hat uns immer Weihnachten zur Visite mitgenommen. Über Weihnachten bleiben nur die ganz harten Fälle in der Nervenklinik – wer da übrig bleibt, weiß, dass er wirklich ein Problem hat. Und bei denen stellte er dann seine ganze Familie ans Bett, um frohe Weihnachten zu wünschen. Für die Patienten war es schön, wenn der Chefarzt die Visite so persönlich machte und seine Kinder mitbrachte. Aber für mich war es ein Albtraum, damals dachte ich: Du wirst niemals in einem Krankenhaus arbeiten. Zum Glück hat es auch nie jemand von mir erwartet.

Das war also schon früh geklärt.

Nicht nur das. Ich habe auch mit vier oder fünf Jahren aus unerfindlichen Gründen schon gesagt, dass ich niemals studieren muss. Alle haben drüber gelacht, meine Eltern haben es in die Familienchronik eingetragen, und noch bevor ich eingeschult wurde, war es abgemachte Sache: Die studiert eh nicht. Heute könnte man auch sagen: Wie schade eigentlich, dass ich das nie als Option hatte.

Also hatte sich der Erwartungsdruck in Sachen Medizinstudium auch früh erledigt?

Meine Eltern haben keines ihrer Kinder zu irgendwas gedrängt. Klar war lediglich: Alle machen Abitur. Das gibt’s nicht, dass hier irgendjemand kein Abitur macht, auch wenn ich es zwischendurch mal versucht habe. Aber damit hatte ich keine Chance, da fuhr der Zug drüber, das wurde nicht mal angedacht.

Wenn der Vater Chef einer Nervenklinik ist, kommen dann mittags die Marotten der Patienten auf den Esstisch?

Ja, wenn auch nicht sehr oft und nicht sehr viel, schließlich gibt es ja eine ärztliche Schweigepflicht. Aber es gab auch Fälle, die durchaus ins Familienleben eingegriffen haben – wenn Patienten zu uns nach Hause kamen oder meinen Vater verfolgten. Als ich ein ganz kleines Kind war und wir noch in Mainz wohnten, wurde ein Urlaubsvertreter meines Vaters von einem Patienten erschossen – das hätte eigentlich unseren Vater erwischt. Solche Geschichten blieben uns natürlich nicht verborgen.

Welchen Einfluss hatte der Beruf Ihrer Mutter auf Sie?

Großen, und zwar auf uns alle. Meine Mutter war Slawistin, Germanistin und vor allem ein extremer Bücher-Freak. Sie war quasi unsere Hausintellektuelle und hat in ungeheurem Tempo und enormer Anzahl Bücher verschlungen. Das hat sowohl meinen Vater als auch meine Geschwister und mich sehr beeinflusst. Sie hat uns eingepflanzt, dass man unbedingt lesen muss. Und sie hat uns vermittelt, dass Kultur begeisternd ist und man gar nicht so streng in U- und E-Kultur unterscheiden muss.

Sie sind also heute auch ein Bücherwurm?

In Phasen. Ich kann überhaupt nicht lesen, wenn ich probe oder drehe, da kann ich mich nicht noch auf eine andere Geschichte konzentrieren. Aber es ist schon so, dass ich immer wieder mal denke: Oh, jetzt habe ich schon zwei Wochen nix gelesen, das geht aber nicht. Ich bin auch immer neugierig, achte darauf, welche Bücher bei anderen Leuten rumliegen, und schnappe gern in Gesprächen Lese-Tipps auf.

Im Theater waren Sie zum ersten Mal mit acht Jahren – Kindertheater, vermute ich mal.

Gar nicht – wie gesagt: Da waren meine Eltern echt unbefangen. Die haben uns zum Festival „Theater der Welt“ in Köln mitgenommen, wir haben die Dreigroschenoper als Produktion aus Moskau in russischer Sprache gesehen. Damit wir wissen, worum es geht, hatten meine Eltern uns das Stück vorher zu Hause mit verteilten Rollen vorgelesen. Und ich fand es einfach nur sensationell, dass die im Theater Russisch geredet haben, ich aber trotzdem alles verstehe. Mit acht wusste ich natürlich nicht, dass die Dreigroschenoper ein Klassiker ist, sondern dachte, ich könnte als Einzige entschlüsseln, was da auf der Bühne passiert. Ich war sagenhaft stolz und kann mich bis heute an diese Aufführung erinnern.

War das schon eine Initialzündung für Sie?

Auf jeden Fall. Ich wusste zwar noch nicht genau, was ich will, aber ich spürte, dass ich dahin will. Auch im Zirkus fand ich es immer am spannendsten, durch den Auftrittsvorhang zu schielen und zu sehen, was dahinter ist. Allerdings fand ich es überheblich zu sagen: Ich will Schauspielerin werden – da hat es schon bis zum Abitur gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe.

Heute werden junge Menschen mit dem Berufsziel Schauspielerei oft vor der „brotlosen Kunst“ gewarnt.

Meine Eltern waren da ganz sorglos und unbefangen, die haben so etwas nicht ein einziges Mal gesagt. Heute denke ich manchmal: Hättet ihr mir nicht mal sagen können, dass man damit eigentlich kein Geld verdienen kann? Die Philosophie meines Vaters war eben, dass man das machen muss, was einen am stärksten interessiert – nur da entwickele man Ehrgeiz und besorge sich, was man wirklich haben will.

Hallt die Kindheit in Köln noch in Ihnen nach, oder haben Sie mit der Stadt abgeschlossen?

Beides. Ich habe es in der Vergangenheit abgeschlossen, aber durch private Umstände und das viele Drehen bin ich jetzt wieder sehr viel in Köln. Das ist merkwürdig, nachdem ich die Stadt vor über 20 Jahren verlassen hatte. Die Kölner sind ja eigenartig: Die Stadt kann so marode und korrupt sein, wie sie will, die Gebäude brechen zusammen, die U-Bahn funktioniert nie im Leben, man hat das Gefühl, die Stadt sei ein einziges Neapel – aber der Kölner ist von tiefstem Lokalpatriotismus ergriffen.

Und Sie?

Ich weiß, dass ich das mal geteilt habe, aber es ist mir sehr fremd geworden. Mit 18 war ich noch Lokalpatriotin, habe Karneval gefeiert, hatte den Dom an der Wand hängen und Schneekugeln mit Kölner Motiven gesammelt. Aber dann habe ich das komplett abgelegt – und jetzt kommt Köln wieder zurück. Das ist schon merkwürdig, zumal ich das so ähnlich ja auch in „Mord mit Aussicht“ spiele. Köln ist heute ein häufiger Aufenthaltsort, aber mein Hauptwohnsitz ist Wien.

Wer in Wien seit neun Jahren fest am Burgtheater spielt, ist ein echter Theaterstar. Können Sie dennoch unerkannt essen und einkaufen gehen?

In Wien werden die Schauspieler des Burgtheaters schon mal erkannt und auch angesprochen, aber das ist in Hamburg am Schauspielhaus auch nicht anders.

Gehören Sie in Wien schon dazu, oder sind Sie noch die Deutsche?

Das bin ich und werde ich wohl auch immer bleiben. Wenn man die Staatsbürgerschaft beantragt und einen österreichischen Pass kriegt, würden sie es langsam akzeptieren, aber letztlich bleibt man immer der oder die Deutsche.

Theater ist körperlich ja viel anstrengender als Film...

Das finde ich nicht. Die Dreharbeiten zu „Im Netz“ zum Beispiel fand ich körperlich extrem anstrengend. Wir haben eine Verfolgungsjagd gedreht, in der ich vor drei durchtrainierten Profi-Stuntmen weglaufen musste. Im Film sind das vielleicht 15 oder 20 Sekunden, aber dafür haben wir bei brütender Hitze sieben Stunden gedreht. Auch wenn man 12 bis 14 Stunden am Set rumlungert, die ganze Zeit abspannt, um punktgenau angespannt zu sein, ist das ein großer physischer Aufwand. Im Theater ist man zwei Stunden auf Adrenalin, dann ist das Stück vorbei. Das ist vielleicht ein stärkeres physisches Erlebnis, aber ich finde es weniger anstrengend.

Absolvieren Sie dafür ein spezielles Fitness-Programm?

Ich versuche schon regelmäßig Sport zu treiben, mache Pilates, gehe schwimmen und in die Sauna. Wenn ich nicht gerade zu faul bin…

Was bedeutet Ihnen als Theaterfrau eigentlich das Fernsehen – einen Ausflug?

Bislang war es immer ein exotischer Ausflug in eine ganz andere Welt, aber es verschiebt sich gerade ein bisschen. Dadurch, dass wir jetzt noch eine dritte Staffel mit 13 weiteren Folgen von „Mord mit Aussicht“ drehen, mache ich zum ersten Mal nur ein Theaterstück in der ganzen Saison. Aber auch dieser Film „Im Netz“ war eine tolle Aufgabe, und es kommen mittlerweile ganz andere Angebote. Kann also sein, dass sich das Kräfteverhältnis ändert.

In „Im Netz“ spielen Sie eine Unternehmensberaterin, die übers Internet quasi ihrer Identität beraubt wird und deshalb unter Terrorismusverdacht gerät. Haben Sie selbst schon solche Erfahrungen gemacht?

Ja, wenn auch nicht so schlimm. Wenn ich am Computer in meinen Posteingang gehe, steht oben auf der Seite immer „Soundso viel fehlgeschlagene Log-in-Versuche“. Und es gab eine Zeit, da hatte ich jeden Tag 15, 20 oder auch 25 solcher fehlgeschlagener Versuche. Da hat also ganz offensichtlich jemand versucht, mein Passwort rauszukriegen. Und wer weiß – vielleicht hat er es ja auch rausgekriegt, denn wo viele fehlgeschlagene Versuche sind, kann ja auch einer gelungen sein, ohne dass ich es gemerkt habe.

Was haben Sie getan?

Täglich das Passwort geändert, bis es irgendwann aufhörte. Mir war es unheimlich und extrem unangenehm, dass mich da offenbar jemand ausspionieren wollte. Zumal es ja jemand aus meiner Nähe gewesen sein muss, der zumindest meinen Account kannte, in dem mein Name gar nicht vorkommt. Und welchen Anlass sollte dieser jemand haben, da reinzugehen? Es war widerlich.

Im Film ist es noch viel widerlicher und unheimlicher.

Ja, es war ein wahnsinnig spannendes Drehbuch mit einer tollen Hauptfigur, die ich gerne spielen wollte.

„Im Netz“ ist ein echter Frauenfilm: Regie, Drehbuch, Produktion, Redaktion, Hauptrolle – alles in Händen von Frauen.

Purer Zufall. Und wenn alles in Händen von Männern wäre, würde wahrscheinlich niemand sagen, es sei ein Männerfilm. Warum werden da immer noch Unterschiede gemacht? Wir Frauen machen doch auch nur unsere Arbeit.

Die Frauenquote brauchen wir nicht beim Fernsehen?.

Da stimme ich Ihnen zu, auch wenn es nur mein persönlicher Eindruck ist. Am Theater begegnet man in den entscheidenden Positionen zu 95 Prozent Männern. Wenn ich dagegen drehe, fällt wirklich auf, dass in allen Produktionsfirmen und Redaktionen enorm viele Frauen an entscheidenden Stellen sitzen.

Auch Fernsehkrimis werden von weiblichen Ermittlern geflutet – brauchen wir da bald eine Männerquote?

Wieso das denn? Wenn jetzt vermehrt Frauen auftauchen, gibt es eben mehr Teams mit einem Mann und einer Frau statt mit zwei Männern. Ich wüsste nicht, warum man deshalb die Männer schützen sollte. Reine Frauenteams sind ja immer noch ganz selten.

Noch mal zu „Im Netz“: Wie digital ist eigentlich das Leben der Caroline Peters? Das komplette Programm mit Facebook, iPad, Smartphone, Internetbanking und so weiter?

Das mache ich fast alles nicht. Ich habe zwar ein Pad, aber das benutze ich hauptsächlich als Zeitungskiosk, Bibliothek, Reisebüro und Buchladen. Als ich das Pad gekauft habe, fand ich den ganzen anderen Kram, den es anbietet, genau einen Tag lang super – aber ich hab’s einfach nicht so mit diesen ganzen Apps. Ich muss nicht irgendwelche Sternenflüge nachstellen, diese ganzen technologischen Spielereien lösen bei mir keinen Kick aus.

Wie sieht’s mit Facebook aus?

Gar nicht. Ich habe mal damit angefangen, weil ich immer erst mal alles mitmache und denke, das müsste ich auch machen. Aber gerade bei Facebook gibt’s viel zu viel, was ich gar nicht wissen will. Über die Leute, die ich im Leben kenne, will ich wirklich nicht wissen, was ich bei Facebook lesen kann. Ich muss nicht ununterbrochen alle Informationen über alles und jeden aufnehmen, sondern möchte lieber sortieren, welche Informationen ich wirklich haben will.

Facebook ist also abgehakt?

Ja, auch weil ich es sprachlich überhaupt nicht schön finde. Wenn negative Sachen geschrieben werden, ist der Tonfall oft extrem enthemmt. Was die Leute da reinschreiben, würden sie einander im Leben nicht ins Gesicht sagen. Bei dieser negativen Entladung zeigen manche Menschen eine verzerrte Fratze von sich, die von Niedertracht, Neid und Hass völlig zerfressen ist. Umgekehrt im Positiven: Da ist dann gleich alles wahnsinnig, geil, super, toll – das finde ich genauso enthemmt und merkwürdig.

Gestehen Sie mir bitte eine digitale Schwäche.

Ich bin sehr abhängig vom Smartphone, damit mache ich andauernd rum. Mit Mails und SMS bin ich permanent beschäftigt. Es macht mich nervös, wenn ich mal 40 Minuten nicht draufgeguckt habe. Im Urlaub oder am Wochenende muss ich es mir richtig vornehmen, dass ich es nicht anfasse.

Caroline Peters

wird 1971 in Rheinland-Pfalz geboren, sie hat eine Schwester und drei Halbbrüder. Die Tochter einer Slawistin und des langjährigen Direktors der Kölner Nervenklinik wächst in Köln auf, macht in der Domstadt ihr Abitur und lässt sich von 1991 bis 1995 an der Hochschule für Musik und Theater in Saarbrücken zur Schauspielerin ausbilden.

Ihr erstes Theaterengagement bekommt sie in Berlin und tritt schnell als Gast an großen Bühnen in Hamburg, Berlin, Zürich und Wien auf. An einem der renommiertesten Theater Europas, der Burg in Wien, ist sie seit mittlerweile neun Jahren festes Ensemblemitglied und hat sich dort zu einem Bühnenstar entwickelt.

Zwar ist die Schauspielerin seit Jahren auch in Kino und Fernsehen zu sehen, ihr Schwerpunkt verlagert sich aber erst in letzter Zeit in diese Richtung. In den Blickpunkt des breiten Publikums gerät sie durch eine tragende Rolle im ARD-Zweiteiler „Contergan“. Als aus Köln in die Eifel versetzte Kommissarin Sophie Haas in der ARD-Krimireihe „Mord mit Aussicht“ (unten) avanciert sie unverhofft zum Publikumsliebling mit erstklassigen Einschaltquoten. Am Mittwoch ist die 41-Jährige in dem packenden Thriller „Im Netz“ (ARD, 20.15 Uhr) zu sehen – in der Rolle der Unternehmensberaterin Juliane Schubert (oben), die nach einem Identitätsdiebstahl im Internet unter Terrorverdacht gerät.

Caroline Peters ist ledig, lebt überwiegend in Wien und hat einen Freund in Köln.


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