Arte-Serie Bap-Sänger Niedecken auf der Suche nach „Bob Dylans Amerika“

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Osnabrück. Was ist aus den USA geworden, die Bob Dylan in rund fünf Jahrzehnten besungen hat? Bap-Sänger Wolfgang Niedecken reist in der fünfteiligen Arte-Dokumentation „Bob Dylans Amerika“ auf den Spuren des Songwriters durch die USA von heute.

Niedecken ist großer Dylan-Fan, daraus macht der Musiker keinen Hehl. „Ohne Songs wie ‚Gates Of Eden‘, ‚Chimes Of Freedom‘, ‚It’s Alright Ma‘, vor allem aber ‚Desolation Row‘ und die ganzen Talking-Blues-Nummern hätte es unser erstes Album gar nicht gegeben“, sagt der Sänger der Kölner Band Bap im Gespräch mit unserer Redaktion. „Als ich noch alleine mit Gitarre und Mundharmonika durch die Kneipen getingelt bin, habe ich mich sehr an Dylan orientiert.“

Dylan sei der Grund gewesen, warum er Sänger und Songwriter wurde. Mit 15 Jahren spielte Niedecken Bass in einer Schülerband, deren Sänger plante aufzuhören. „Er spielte mir ‚Like A Rolling Stone‘ vor – ich war beeindruckt“, sagt Niedecken. „Dylan ist mein Polarstern, aber das ist nicht mein Bild. Dasselbe hat Dylan selbst über Johnny Cash gesagt.“

Sämtliche Songs noch einmal durchgegangen

Im New Yorker Greenwich Village trat Dylan, 1961 aus Minnesota kommend, das erste Mal vor New Yorker Publikum. Hier startet auch Niedeckens Spurensuche nach „Dylans Amerika“, die ihn über Washington, Woodstock, Dylans Geburtsort Duluth und New Orleans bis nach Kalifornien führt. In Gesprächen mit Künstlern, Journalisten, Aktivisten und natürlich Musikern, stellt Niedecken die USA zum Zeitpunkt des jeweiligen Schaffens Dylans der heutigen USA gegenüber. „Ich habe mich intensiv auf die Reise vorbereitet, habe noch einmal die wichtigsten Biografien und Bücher gelesen, bin sämtliche Songs noch einmal durchgegangen. Ich habe mich zwei Wochen nach Kreta verzogen und mich ausschließlich mit Dylan auseinandergesetzt“, sagt Niedecken.

Das merkt der Zuschauer der Dokumentation an. Seine Leidenschaft macht den Kölner zu einem passenden Reiseführer, der sich gleichwohl angenehm im Hintergrund aufhält. Niedecken moderiert und kommentiert, ohne sich und seine intensive Beziehung zum Musiker und Literaturnobelpreisträger zu sehr in den Mittelpunkt zu setzen. Der wahre Protagonist bleibt immer Dylan. Auch wenn Niedecken selber die Gitarre in die Hand nimmt, um mit Größen wie Dave Stewart, David Mansfield oder Happy Traum einen Song zu spielen, geht es am Ende um die Musik.

Durch die USA reiste Wolfgang Niedecken auf der Suche nach „Bob Dylans Amerika“. Foto: Arte/Kobalt/Alexander Seidenstücker

Die USA haben sich über die Jahre verändert: Das New York der Künstler und Kreativen, in dem Dylan groß wurde, findet Niedecken nur noch teilweise vor. San Francisco, einstige Hippie-Hochburg und Hauptstadt für Aktivisten verjagt mit explodierten Mieten zahlreiche Menschen aus der Stadt. Und auch die amerikanische Protestkultur, die in den 1960er-Jahren Höhepunkte erreichte, ist heute eine andere. Und manch ein Bewohner von Duluth hätte sich gewünscht, dass Dylan im Nachhinein mehr für seine ehemalige Heimatstadt getan hätte.

„Dylan wollte einfach seine Ruhe haben“

Dennoch ist Dylans Einfluss auf die Menschen an allen Stationen der Reise unverkennbar, wie etwa Niedeckens Besuche in Woodstock und New Orleans verdeutlichen. Haben all die Begegnungen mit Weggefährten und Bewunderern Dylans das Bild seines Vorbildes verändert? In Woodstock trifft der Kölner auf den Folksänger Happy Traum. Der habe ihm viel über Dylans Zeit in Woodstock erzählen können und ihm bestätigt, was er bereits geahnt habe. „Dylan wollte nach den anstrengenden Touren zu den vorherigen zwei Alben einfach seine Ruhe haben. Hier wurde er zum Family-Man“, sagt Niedecken. „Ich höre die ‚Basement Tapes‘, die er mit ‚The Band‘ im Big Pink aufgenommen hat und spüre, wie entspannt das war. Es gibt auch Leute, die sagen sein Motorradunfall sei der Grund für den Rückzug gewesen, aber der war nur vorgeschoben.“

„Bob Dylans Amerika“ zeigt kurze Momentaufnahmen aus dem Leben Dylans und dem Amerika, dass den Musiker zu einem der einflussreichsten Songwriter und Texter der Welt gemacht hat. Für Musikinteressierte, die nicht bis ins Detail mit Dylans Autobiografie vertraut sind, wird die Arte-Serie so besonders sehenswert.


„Bob Dylans Amerika“ auf Arte

Teil 1: New York

Montag, 18. Juni 2018 um 17.10 Uhr

Teil 2: Woodstock

Dienstag, 19. Juni 2018 um 17.10 Uhr

Teil 3: Minnesota

Mittwoch, 20. Juni 2018 um 17.20 Uhr

Teil 4: New Orleans

Donnerstag, 21. Juni 2018 um 17.20 Uhr

Teil 5: Kalifornien

Freitag, 22. Juni 2018 um 17.20 Uhr

Online vom 19. Juni bis 19. Juli auf arte.tv

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