Keine Angst vorm Sommerloch Was das Fernsehprogramm abseits der WM zu bieten hat

Von Cornelia Wystrichowski

Das Bootcamp für die Unternehmensberater läuft völlig aus dem Ruder, als die Insassen plötzlich einer echten Entführung zum Opfer fallen. Der Film „Outside the Box“ läuft in der ZDF-Reihe „Shooting Stars“. Foto: ZDF/Arvid UhligDas Bootcamp für die Unternehmensberater läuft völlig aus dem Ruder, als die Insassen plötzlich einer echten Entführung zum Opfer fallen. Der Film „Outside the Box“ läuft in der ZDF-Reihe „Shooting Stars“. Foto: ZDF/Arvid Uhlig

München Mit dem Start der Fußball-WM beginnt im Fernsehen zwar die Saure-Gurken-Zeit, doch neben vielen Wiederholungen bietet das Programm auch neue Filme, Shows, Dokus und Comedy.

Will man die Pressesprecher deutscher Fernsehsender reizen, dann reicht eine einzige Frage: die nach dem Sommerloch. Beim Thema Saure-Gurken-Zeit werden die TV-Anbieter schnell sehr schmallippig, denn einerseits will keiner zugeben, dass das eigene Programm in der warmen Jahreszeit oft kalter Kaffee ist – andererseits können die Sender nicht verhehlen, dass sie mit den attraktivsten Formaten im Sommer geizen. Quizmaster wie Günther Jauch („Wer wird Millionär?“) und Polittalker wie Frank Plasberg („Hart aber fair“) machen Pause, neue Folgen vom „Tatort“ oder vom ZDF-Montagsfilm sind rar, viele Serien wie „The Big Bang Theory“, „Die Rosenheim Cops“ oder „In aller Freundschaft“ gibt es nur als Wiederholung. Dieses Jahr versteppt das Programm sogar besonders früh, nämlich mit dem heutigen Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Wie findet es das Publikum, dass viele seiner Lieblingssendungen in die Ferien gehen? „Nachfragen gab es. In der Regel zeigten die Zuschauerinnen und Zuschauer aber Verständnis dafür, dass wir in der zuschauerärmeren Zeit Wiederholungen zeigen, auch um mit Rundfunkbeiträgen sparsam und verantwortungsvoll umzugehen“, berichtet Burchard Röver von der ARD-Programmdirektion in München. „Es gab in den letzten Jahren keine Beschwerdewelle seitens der Zuschauer“, sagt Julia Kikillis, Pressesprecherin von Vox.

Der Grund dafür, dass das Programm zwischen Juni und August auf Sparflamme kocht, ist simpel: „Im Sommer wird rund 25 Prozent weniger ferngesehen als in den kühleren Monaten, viele Bundesbürger sind im Urlaub oder verbringen mehr Zeit im Freien statt vor dem Fernseher“, so ARD-Sprecher Röver. Wenn weniger Zuschauer vor den Bildschirmen sitzen, will man natürlich keine Programmperlen verplempern. „RTL wird seine etablierten Highlight-Formate daher weiterhin in den besonders reichweitenstarken Monaten zeigen“, sagt Anke Eickmeyer vom Kölner Privatsender – doch wie die Sprecher der anderen großen Anbieter betont auch sie, dass in der Urlaubssaison keineswegs ein Generalstreik im Programm ausbricht: „Wir investieren auch in dieser Zeit signifikant“, sagt Anke Eickmeyer, und Burchard Röver weist darauf hin, dass im Zeitraum Juni bis August 2017 der Anteil der Erstausstrahlungen zwischen 20 und 23 Uhr im Ersten immerhin bei stattlichen 73 Prozent lag. „Im Sommer ist traditionell die TV-Nutzung viel niedriger als im Winter, das verschiebt sich nur ein wenig, wenn große Sportevents anstehen“, meint Diana Schardt, Pressesprecherin von Sat1.

In gewisser Hinsicht hat die Saure-Gurken-Zeit sogar ihr Gutes, denn nun ist im sonst streng durchgetakteten Programmschema endlich mal Raum für Neues und Sperriges. Während etwa Oliver Welkes Nachrichtensatire „heute-show“ Ferien macht, testet das ZDF auf deren Sendeplatz am späten Freitagabend ab 13. Juli die Sketchcomedy „Danke Deutschland!“. Die ARD kann am 8. Juli Til Schweigers an der Zuschauerkasse gefloppten Kino-„Tatort“ zeigen, der 130 Minuten dauert und normalerweise mit dem Polittalk von Anne Will um 21.45 Uhr kollidieren würde – die Moderatorin macht aber bis August Urlaub. Außerdem ist Platz für Filmreihen mit „Shooting Stars“ im ZDF (ab 17. Juli), „Filmdebüt“ im Ersten oder „Kinosommer“ bei RTL, in denen viele Kinofilme als Free-TV-Premieren laufen. Außerdem wird es unter dem Titel „Exclusiv im Ersten“ im Juli und August in der ARD sechs neue gesellschaftskritische Reportagen geben.

Die Privatsender nutzen die Sommerwochen traditionell für Shows, die den Charme von Ballermann und XXL-Sangria-Eimern haben. So wird es neue Folgen von „Die Bachelorette“ und „Das Sommerhaus der Stars“ (beide im Juli bei RTL) geben, außerdem eine neue Runde „Promi Big Brother“ (im August bei Sat1). Vox setzt auf Sommerspecials von „Grill den Profi“, Pro Sieben hat eine neue Staffel der „Global Gladiators“ im Köcher, nennt aber noch keinen Sendetermin. Kulturinteressierte mögen sich bei diesen Aussichten mit Grausen abwenden, haben aber Alternativen: Den alljährlichen sommerlichen Themenschwerpunkt bei Arte etwa, der diesmal „Summer of Lovers“ heißt und sich ab 1. Juli um Sexsymbole von Marilyn Monroe bis George Clooney dreht.

Zum Trost für alle, die das Fernsehprogramm dennoch insgesamt etwas dürftig finden: Ungefähr ab Mitte August hat die Saure-Gurken-Zeit ein Ende. Bis dahin kann man zur Abwechslung ja mal wieder ins Kino gehen.