Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Zucker tut gut: Wie viel Eis verträgt ein Kind?

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Ein Waffeleis ist ja noch in Ordnung. Schöllers Bum Bum kriegt unser Elternkolumnist allerdings nicht runter. Illustration: Lilith BenedictEin Waffeleis ist ja noch in Ordnung. Schöllers Bum Bum kriegt unser Elternkolumnist allerdings nicht runter. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Darf man einem Kind so viel Eis zu essen geben, wie es sich wünscht? Eine Kapitulationsschrift.

In der letzten Woche hat unsere Elternkolumnistin Corinna Berghahn für die Einwilligungserklärung beim Wickeln votiert – und ihren Brieffreund dann gefragt: „Ab wie viel Eis ist bei euch Schluss – und wie viele gibt es dann doch noch?“ Dies ist die Antwort von Daniel Benedict:

Liebe Corinna,

zwei Schlaraffenland-Fantasien haben mich früher besonders beeindruckt, beides Werbefotos. Das eine zeigt ein Kind, das von der weißen Schokolade nicht kleinliche Stücke zwackt, sondern reinbeißt wie in ein nahrhaftes Butterbrot. Vom anderen Bild strahlt ein Mädchen, auf dessen Eiswaffel ein Turm von zwei Dutzend Kugeln steht. In seiner wahnwitzigen Überwindung der Physik war es vielleicht sogar das schönere Motiv. Mit einigem Stolz darf ich sagen: Noch nie haben meine Kinder ein Eis von diesem Kaliber gefordert, anders als ich damals. Grundsätzlich kann man meine Erziehung damit also als Erfolg verbuchen.

Da hört es leider schon auf. Ansonsten pressen die Kinder mir nämlich bei jeder Gelegenheit Eis ab. All meine Abwehrstrategien verpuffen. Ich habe zum Beispiel mal darauf hingewiesen, dass kein Mensch bei Frost ein Eis isst. Mit dem Wetterumschwung hat das Argument sich inzwischen gegen mich gerichtet. Was auch nicht geklappt hat: Mein Plan, mir das Wahlrecht an der Eistruhe vorzubehalten – um den Kindern immer nur ein winziges Mini Milk auszusuchen, das ich auch selbst mag. Dabei ist gerade das von zentraler Bedeutung. Normalerweise setze ich Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung und esse jede angekaute Matschepampe, die auf Kindertellern liegen bleibt. Mein Opfermut endet beim Bum-Bum-Eis. Die Schöller-Scheußlichkeit sieht aus wie ein Kaugummi und schmeckt auch so. Interessanterweise besteht der Stiel dann tatsächlich aus Kaugummi, das im Gegenzug womöglich nach Eis schmeckt. Wir werden es nie erfahren, denn meine Frau hat – hihihi – den Kindern aus reiner Unwissenheit eingeredet, dass man die blaue Plastikummantelung mitessen kann. Selbst diese Fehlinformation hat den kindlichen Appetit nicht gedrosselt. Nur meinen; ich werde das Teufelszeug nie runterkriegen. Schlimm genug, dass ich es ständig auf dem T-Shirt habe. Denn das kommt ja noch dazu: Erst halten die Kinder einem anklagend die Sudel-Finger zum Abwischen hin, dann klatscht das schlecht geleckte Stieleis auch noch auf den Teppich. Man fühlt sich nie gut, wenn man Kindern lebensgefährlichen Zucker gibt, aber mit Haribo erkauft man sich wenigstens Zeit für einen Kaffee. Eis ist Mehrarbeit.

In unserer Kita tobt übrigens ein Kulturkampf um den Nachtisch; die Hirsebällchen-Fraktion hat einen wasserdicht argumentierenden Wortführer. Mit jedem neuen Rundbrief macht er mir ekelhaftere Gewissensbisse. Bis letzte Woche. Da wurde er im Eiscafé erwischt. Sein Kind, berichten Augenzeugen, trug im Arm eine Eiswaffel vom Format einer Schultüte; und wie in der Werbung schwankte darüber ein endloser Kugelturm hin und her. Ha! Das entlastet! Bei Eis versagt sogar der Chef-Ideologe.

Herzliche Grüße

Dein Daniel

PS: Apropos Zucker – haben Deine Kinder schon ein Loch im Zahn?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.

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