Neues Magazin "Spurensuche" Wahre Verbrechen aus dem Osnabrücker Land und dem Emsland

Von Bastian Klenke, Ann-Christin Fischer, Hermann-Josef Mammes und Barbara Rama

Wahre Verbrechen aus dem Osnabrücker Land und dem Emsland: "Spurensuche" das neue Magazin von NOZ Medien. Foto: iStockWahre Verbrechen aus dem Osnabrücker Land und dem Emsland: "Spurensuche" das neue Magazin von NOZ Medien. Foto: iStock

Osnabrück. Mord und Totschlag: wir lesen davon jeden Tag in der Zeitung. Das neue Magazin von NOZ Medien "Spurensuche" erzählt von den Verbrechen, die genau hier, im Emsland, dem Osnabrücker Land und der Grafschaft Bentheim passiert sind. Hier finden Sie einen Vorgeschmack auf das Magazin.

Unschuldig


Von Hermann-Josef Mammes


„Wir sprechen Sie nicht aus Mangel an Beweisen frei, sondern wir sind fest davon überzeugt, dass Sie unschuldig sind.“ Mit diesem Satz des Vorsitzenden Richters Dr. Dietrich Janßen endete am 14. Dezember 2005 einer der spektakulärsten Wiederaufnahmeverfahren der deutschen Justizgeschichte vor dem Landgericht Oldenburg.


Spurensuche: Unschuldig im Gefängnis. Foto: Sven Cordes


Zehn Jahre vorher war das Landgericht Osnabrück noch von der Schuld des Papenburgers Bernhard M. felsenfest überzeugt gewesen. Damals sah es das Gericht als eindeutig erwiesen an, dass der Onkel seine 17- beziehungsweise 18-jährige Nichte in vier Fällen vergewaltigt hat. Trotz seiner Unschuldsbekundungen verurteilte das Landgericht Osnabrück den bis dahin nicht vorbestraften Emsländer am 29. Januar 1996 zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe. Als beisitzende Richterin gehörte damals auch die heutige Niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza der III. Großen Strafkammer an. Als Redakteur der Ems-Zeitung habe ich beide Prozesse verfolgt. 22 Jahre nach dem verheerenden Fehlurteil treffe ich mich mit dem damaligen Strafverteidiger des Angeklagten Dieter Gerken in dessen Kanzlei in Papenburg. Man merkt dem 70-jährigen Juristen im Gespräch noch heute seine Wut über diesen Justizskandal an. Dabei war Gerken damals bereits auf dem besten Weg, die Aussagen des angeblichen Opfers Stück für Stück zu widerlegen. Dass ihm das nicht gelang, ist leider auch einer spontanen Überreaktion des Angeklagten geschuldet. Gerken ist sich noch heute sicher: „Ich hätte ihn komplett da rausgeholt.“ Begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise. In den 1980er und 1990er Jahren wurde endlich mit einem Tabuthema gesellschaftlich gebrochen. Bis dahin wurde über sexuelle Gewalttaten in der eigenen Familie, oftmals gerade in ländlichen Gegenden, aus Schamgefühl der Mantel des Schweigens gebreitet. Als Journalist bei der Ems-Zeitung in Papenburg berichtete ich damals selbst mehrfach über die ersten Arbeitskreise gegen sexuelle Gewalt, die es sich auch im Emsland zur Aufgabe machten, die Verbrechen an Ehefrauen, aber auch Kindern anzuklagen. Diese Arbeitskreise bestanden oft auch aus Polizisten, Rechtsanwälten, Sozialarbeitern, Psychologen und Pädagogen, eben denjenigen, die auch beruflich mit den Opfern zu tun hatten. Sicherlich haben diese Arbeitskreise vielen Opfern geholfen, für Bernhard M. bildeten sie rund um Papenburg jedoch eine fatale Allianz. Strafverteidiger Dieter Gerken stimmt mir heute zu, dass es dem damaligen Zeitgeist geschuldet war, dass sich diese Verschwörungstheorie überhaupt durchsetzen konnte. Für Gerken steht fest: „Sie waren alle voreingenommen.“ So gab es im Fall des Bernhard M. mehrfach nachweislich enge Kontakte zwischen der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) in Aschendorf, der Rechtanwältin des angeblichen Opfers und der Kriminalpolizei Papenburg, die über die notwendigen Ermittlungen hinausgingen. Da wurden dann auch schon mal Taten im Nachhinein zeitlich revidiert, um die Alibis des angeblichen Täters zu durchkreuzen. Gerken sieht es aus heutiger Sicht so: „Das Jagdfieber war ausgebrochen. Den müssen wir zur Strecke bringen.“ Es passte einfach zu gut. Bernhard M. erfüllte einfach alle Klischees. Er war der alleinstehende Onkel, dem es ein Leichtes gewesen wäre, das Vertrauen seiner Nichte zu erschleichen und schamlos auszunutzen und sie anschließend mit Druckmitteln, aber auch Geschenken zum Schweigen über das Geschehene zu bringen.


Die ganze Geschichte finden Sie im Magazin. Hier geht´s direkt zum Shop.




Der nach dem Tod kommt


von Ann-Christin Fischer


Zuerst war es nur ein Sofa. Ein Mann war darauf gestorben. Gesehen hat ihn Henrik Meis nicht mehr. Wenn er am Tatort eintrifft, ist die Leiche nicht mehr da. Wenn er geht, sind alle Bakterien, Keime und Insekten verschwunden. Abgepackt in Säcken, die er in seinem Bulli zur Mülldeponie oder Verbrennungsanlage befördert. Der Meppener ist Inhaber einer Gebäudereinigungsfirma, dazu Schädlingsbekämpfer und Tatortreiniger.

Spurensuche: Er kommt wenn das Verbrechen vorbei ist, der Tatortreiniger. Foto: Sven Cordes

Dann kam die erste komplette Wohnung. Ein anderes Mal nur das Bad. Tatorte sind individuell, sein Vorgehen routiniert: „Man kann mit Bakterien arbeiten, aber wir benutzen Wasserstoffperoxid, um zum Beispiel Blut zu entfernen“, sagt Meis. Er weiß, wie er einen Tatort wieder komplett keimfrei und somit bewohnbar gestaltet, hat gelernt, dabei auf seine Gesundheit und die seiner Mitarbeiter zu achten. Nicht zuletzt versucht er, mit Empathie und Einfühlungsvermögen bei den Angehörigem die Würde zu wahren.

Zunächst desinfiziert er alles. Obwohl die Keime nicht im kompletten Raum verteilt sind, können Schaben, Würmer und Co. dazukommen. Meis weiß, dann kann es gefährlich werden: „Die Insekten verschleppen die Bakterien, darum desinfizieren wir alles und kümmern uns um jede Fuge. In Seminaren und Lehrgängen hat er gelernt, nicht jedes Mittel zu nehmen: „Bei Blut kommt es erst mal auf den Bodenbelag an, dann auf die Verschmutzung. Es kann zu Eiweißfehlern kommen.“ Flüssigkeiten und Fäkalien waren bei dem Toten, der auf dem Sofa gestorben war, bereits auf dem Boden gelandet. Diese entfernte er, reinigte den kompletten Raum professionell und wickelte die Sitzgelegenheit ein, um den Geruch einzudämmen.

Manchmal benutzt er auch Tigerbalsam, das packt er unter die Atemschutzmaske und das Tigerbalsam filtert den Geruch ein wenig. Nötig war das bei einem Tatort hier im Norden. Im ersten Moment sah er eine normal geschnittene, 60 Quadratmeter große aber, nicht aufgeräumte Wohnung. Der Boden war braun und wir haben direkt mit der Arbeit angefangen. Es platschte etwas Wasser auf den Boden und die Tatortreiniger merkten, dass der Boden nicht braun war. Blut, Eiter und vielleicht Exkremente hatten den Boden so verschmutzt, dass Meis und sein Team drei Tage lang immer wieder mit neuen Eimern Desinfektionsmittel anrücken mussten. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie dieser Mensch gelebt hat“, erinnert er sich und erzählt: „Irgendwann wussten wir, dass der Bewohner Diabetiker war und einen Diabetikerfuß hatte und mit dem blutenden Fuß ist er durch seine Wohnung gelaufen.“ Manchmal sei es hart: „Die Tage, an denen es nicht gut läuft, darf man nicht mit nach Hause nehmen.“ Dann entwickelt er eine Strategie. Der Selbstmord eines Bekannten stellte ihn vor eine schwierige Aufgabe. Nachdem er die Dusche und das Bad gereinigt hatte, stellte er sich immer wieder vor, wie der Mann lächelte, als er noch lebte. „Dann ging es irgendwann. Trotzdem hat mich das alles im Traum begleitet.“

Diese und viele weitere Geschichte finden Sie im Magazin. Hier geht´s direkt zum Shop.



Der Bratpfannenmord in Bramsche


Von Barbara Rama


Am Rande der Stadt wird die Leiche von Dieter K. gefunden. Er liegt, begraben unter einer weißen Pulverschicht, mit dem Gesicht zum Boden, die Hose etwas heruntergezogen, das T-Shirt nach oben verschoben in einem leeren, kahlen Zimmer. Der Tote muss schon ein paar Tage so in seiner Wohnung gelegen haben, als ihn die Sonderkommission der Kripo am 2. Juni findet. Einen Meter neben dem Kopf des Toten steht ein leerer Feuerlöscher.


Spurensuche: Was ist in diesem Haus passiert? Foto: Barbara Rama


Es sind die letzten Tage im Mai 2002. Für die Jahreszeit ist es ungewöhnlich warm. Viele zieht es hinaus auf´s Land. In den Cafés und Gaststätten rund um Bramsche herrscht in diesen Tagen eine fröhliche, ausgelassene Stimmung. Hier, im beschaulichen, 31 000 Seelen zählenden Städtchen zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald, ist die Welt noch in Ordnung. Wenige Stunden später kippt die Stimmung jäh: Ein brutales Verbrechen schockiert die Menschen, versetzt die Gegend in Angst und Schrecken. K. hauste fernab vom Schuss und sehr beengt in einer Wohnung auf dem Gelände einer Putenfarm. Kriminalhauptkommissarin Anita Kamp erinnert sich noch gut an die Bude in dem kleinen Holzhaus, angebaut an einen Hühnerstall. „Wir haben durch ein schmales Fenster in das Zimmer gesehen und das Malheur gleich erkannt“, erzählt sie im Gespräch, das 16 Jahre nach der Tat bei ihr zu Hause stattfindet. Die Kriminalhauptkommissarin, mittlerweile im Ruhestand, leitet damals die Ermittlungen in dem Fall, der in der ganzen Gegend für blankes Entsetzen sorgt. Jeder redet nur noch von dem gräulichen „Bratpfannenmord“. „Uns war sofort klar, dass wir hier sehr akribisch vorgehen müssen — und schnell!“, sagt Anita Kamp. Der Fall stellt sie und ihr Ermittlungsteam vor erhebliche Probleme und Fragen. Allein dass der Tote und der Tatort mit Feuerlöschschaum übersprüht wurden, macht die Spurensicherung nicht leichter. Wie kam der Täter überhaupt darauf, das zu tun? Recherchen von Journalisten, die die Polizei kontaktiert, ergeben, dass tatsächlich nur vier Wochen vor dem Mord im April 2002 eine Zernsehsendung auf „Pro Sieben“ lief, in der davon berichtet wurde, wie durch Feuerlöschpulver Spuren beseitigt werden können. Hat der Täter selbst die Sendung gesehen? Letztlich schwebt auch noch die alles entscheidende Frage nach dem Motiv der Tat über allem: Warum musste Dieter K. sterben?


Die ganze Geschichte finden Sie im Magazin. Hier geht´s direkt zum Shop.



Spurensuche: Wahre Verbrechen aus dem Osnabrücker Land und dem Emsland. Foto: NOZ Medien



Sprurensuche: Wahre Verbrechen aus dem Osnabrücker Land und dem Emsland

Das neue Magazin von NOZ Medien beleuchtet wahre Verbrechen aus dem Osnabrücker Land und dem Emsland. Das Heft ist für 6,50 Euro erhältlich in allen Geschäftsstellen, fast überall dort, wo es Zeitschriften gibt und im Online-Shop unter www.lieblingswelt.de/spurensuche.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN