10 ARD-Debütfilme ab Dienstag Die „Tatort“-Macher von Morgen: „FilmDebüt im Ersten“

Von Marcel Kawentel

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Dominic Raacke in "Therapie" , am Dienstag (05.06.18) um 00:35 Uhr im Ersten. Foto: BR/Jakob Creutzburg/Felix Charin/Volle Pulle FilmproduktionDominic Raacke in "Therapie" , am Dienstag (05.06.18) um 00:35 Uhr im Ersten. Foto: BR/Jakob Creutzburg/Felix Charin/Volle Pulle Filmproduktion

Osnabrück. Am Dienstag, den 29. Mai startet zum 18. Mal die Sendereihe „FilmDebüt im Ersten“ mit Nachwuchsproduktionen der ARD-Rundfunkanstalten. Den Auftakt macht um 22.45 Uhr „Herbert“ von Thomas Stuber, dessen Film „In den Gängen“ aktuell im Kino läuft.

Seit 2001 zeigt Das Erste die von den ARD-Sendern produzierten Debütfilme in einer gebündelten Reihe. Neben der größeren Aufmerksamkeit, die den Nachwuchsstücken so zuteil werden soll, ist das Ziel auch die Förderung von Koproduktionen zwischen den einzelnen Rundfunkanstalten. So arbeiteten für den Auftaktfilm „Herbert“ MDR, HR und Arte zusammen. Die Geschichte des Boxers Herbert Stamm (stark: Peter Kurth), der mit seinem einst zuverlässigen Körper sein ganzes Kapital Stück für Stück an die Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) verliert. Der ein wenig an Darren Aronofskys „The Wrestler“ erinnernde Film ist auch insofern typisch für die ARD-Debütreihe, als dass Autor und Regisseur Thomas Stuber mittlerweile kein Nachwuchsfilmer mehr ist. Oft haben die Filme schon eine beachtliche Reise durch Kinos und Festivals hinter sich, wenn sie im Ersten laufen. So auch Max Zähles Tragikomödie „Schrotten!“ (Dienstag, 12. Juni um 22.45 Uhr) mit Lukas Gregorowicz und Anna Bederke, die bereits 2016 im Kino lief. Seitdem hat Zähle bereits zwei Fernsehfilme für ARD-Reihen realisiert: „Nord bei Nordwest - Sandy“ und „Wolfsland - Der steinerne Gast“

Nachwuchsförderung aus Eigennutz

Ein gewisser Eigennutz sei es durchaus, aus dem die ARD-Sender die Nachwuchsförderung betreiben, heißt es beim HR, der sich auf die Fahne schreibt noch „in house“ zu produzieren, also die Filmherstellung nicht komplett an Produktionsfirmen auszulagern. „Talente aus der Nachwuchssparte, zu denen wir einen Kontakt aufbauen, haben so grundsätzlich auch die Chance, weiter für uns zu arbeiten und damit Filme für die Prime-Time zu drehen,“ so Jörg Himstedt, HR-Redakteur für Fernsehspiel und Spielfilm. Kontakte sind es auch, die in das Nachwuchsprogramm hineinführen. „Kenne ich ein/en Redakteur/in, mit dem/der ich ‚auf einer Wellenlänge‘ schwimme oder zu der/dem schon in der Vergangenheit Kontakt bestand?“ heißt es auf der ARD-Checkliste für die Bewerbung. Gelegenheit solche Kontakte zu knüpfen, das eigene Projekt vorzustellen oder für fertige Produktionen einen Preis und damit Aufmerksamkeit zu gewinnen, besteht jedes Jahr auf dem „Filmfestival Max-Ophüls-Preis“ in Saarbrücken. Doch dieser Weg ist nicht vorgezeichnet. Helena Hufnagel etwa, deren Film „Einmal bitte alles“ am Dienstag, den 5. Juni um 22.45 Uhr in der Debütreihe läuft, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München zunächst mit dem Schwerpunkt Fernsehjournalismus und Werbung. 2015 belegte sie den ersten Platz beim „Pro 7/Sat.1 Mainstreampreis“. „Einmal bitte alles“ erzählt die Geschichte der 27-jährigen Isi in der Quarterlife-Crisis und ist so etwas wie die Arthouse-Version von „Berlin, Berlin“.

Krisen und Kinderwunsch

Überhaupt fällt in diesem Jahr die inhaltliche Reife mehrerer ARD-Debüts auf: Auch der letzte von den zehn ARD-Debüts, „Dinky Sinky“ (27. Juni, 1.25 Uhr) von Mareille Klein ist eine Geschichte über die Schwierigkeiten einer Frau in der Selbstständigkeit der Erwachsenenwelt anzukommen. Der Titel setzt sich zusammen aus den englischen Kürzeln „Double Income No Kids Yet“ (Doppeltes Einkommen, noch keine Kinder) und „Single Income No Kids Yet“ und erzählt mit Witz und scharfer Beobachtungsgabe von der Fixierung der 36-jährigen Sportlehrerin Frida auf ihren Kinderwunsch. Die Auswahl der Debütfilme treffen die Redaktionen der einzelnen ARD-Sender selbst, je nachdem, ob die Projekte ins Senderprofil passen. Dabei suche man durchaus auch radikale Sicht- und Erzählweisen für den ersten oder zweiten Film eines Debütanten. Schmücken möchte man sich dann aber doch mit den Filmemachern, die anschließend im Rampenlicht stehen, wie Sönke Wortmann, Hans-Christian Schmid oder Christian Schwochow und Oliver Kienle („Bad Banks“).

Die Sendereihe "FilmDebüt im Ersten" läuft ab 29. Mai immer Dienstags um 22.45 Uhr. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN