Bloggerin will Vorbild sein Modeblogs: „Lu“ wünscht sich mehr „Plus Size“

Von Manuela Kanies

Mit sich zufrieden: Bloggerin Luciana Schmidt gibt in ihrem Blog „Lu zieht an“ „Plus-Size“-Tipps. Screenshot: NOZ/Luciana SchmidtMit sich zufrieden: Bloggerin Luciana Schmidt gibt in ihrem Blog „Lu zieht an“ „Plus-Size“-Tipps. Screenshot: NOZ/Luciana Schmidt

Osnabrück. Modeblogs mit Plus-Size-Tipps gibt es in Deutschland nicht so häufig. Luciana Schmidt hat einen davon. Auf luziehtan.de gibt sie Kosmetik-Tipps und berät in Kleiderfragen. Wir haben die 23-Jährige gefragt, warum es „Plus-Size“-Blogger in Deutschland schwer haben.

Wie sind Sie zum Bloggen gekommen?

Ich habe 2007 mit dem klassischen Tagebuch-Blog begonnen. Damals kam ich durch einen Freund darauf und hatte viel Spaß daran, über meinen Tag zu schreiben. Irgendwann entdeckte ich dann die ersten Themenblogs, darunter auch Modeblogs und aus einer kleinen „Das kann ich auch!“-Laune heraus entstand dann „Lu zieht an. ?“, mit der Idee, meine Outfits zu zeigen. Das ist ja mittlerweile doch noch etwas größer geworden ist, sprich, ich zeige auch meine Make-Ups, stelle Produkte vor, gebe Antworten auf Beauty- und Nicht-Beauty-Fragen und ab und zu gibt’s auch mal etwas, das ganz aus der Reihe tanzt, wie zum Beispiel Rezepte.

Wie viele Besucher hat Ihr Blog im Schnitt?

Im Monat habe ich etwa 40.000 Besucher, doch eine ganz schöne Menge, wenn man bedenkt, dass ganz am Anfang nur ein paar Freunde mitgelesen haben, die nicht mal wirklich Interesse an Mode und Co. hatten.

Wie viel Zeit nimmt das Bloggen bei Ihnen in Anspruch?

Für den Blog bin ich eigentlich 24/7 online, dank Smartphone, aber meine Freizeit soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. Ich nehme mir auf jeden Fall die Zeit, die ich für einen guten Blogpost brauche, das sind im Schnitt zwei bis vier Stunden reine „Blog-Zeit“, aber auch Mails und Kommentare wollen beantwortet werden, die Social-Media-Kanäle gepflegt, und ich bereite nebenbei schon die nächsten Blogposts vor. Effektiv ist es dann also doch etwas länger.

Wie kommen Sie an die Produkte und die Kleidung, die Sie vorstellen?

Was die Make-Up-Produkte angeht, so bekomme ich mittlerweile sehr viel zugeschickt. Es ist auch wirklich wichtig für mich, um den Blog stets aktuell halten zu können – so habe ich immer neue Infos für meine Leser, kann kommende Kollektionen und Produkte vorstellen und natürlich auch meine Make-Ups schminken. Natürlich kaufe ich aber auch selbst noch Kosmetik ein – es ist ein Hobby und am Ende macht es ja auch Spaß, wenn man sich selbst mal etwas gönnt. Die Kleidung, die ich trage, ist zum Großteil die, die bereits in meinem Kleiderschrank war – ich bin lustigerweise kein allzu großer Shopping-Fan und versuche, möglichst wenig Klamotten zu shoppen, dafür gerne Teile, die ich auf Dauer haben werde. Im „Plus-Size“-Bereich ist es mit Kleiderpaketen, die per Post kommen, etwas schwieriger als bei den „normalen“ Fashionbloggern, denen praktisch alles passt. Die Auswahl in Sachen „Plus Size“ ist nicht sonderlich groß und – seien wir ehrlich – auch nicht gerade die Stylishste. Ich arbeite aber mit zwei Firmen zusammen, die mir Kleidungsstücke zukommen lassen, teilweise auch nur Leihgaben, die ich für Outfitposts verwenden kann.

Wenn Sie Kleidung oder Kosmetik geschenkt bekommen: Hat das Einfluss auf Ihre Berichterstattung?

Geschenkte Sachen sind natürlich schön und man freut sich noch mehr darüber, wenn einem ein Wunsch erfüllt wurde (viele Produkte suche ich mir selbst aus, manches kommt unangekündigt bei mir an) – man möchte meinen, dass das die Berichterstattung positiv beeinflusst. Ich habe allerdings zu einer Zeit angefangen, als Blogs noch Blogs und keine Werbeplattformen waren. Hätte man mir damals gesagt, dass ich dank meinem Blog irgendwann Make-Up und Kleidung zugeschickt bekommen werde, hätte ich denjenigen ausgelacht! Für mich stand immer meine ehrliche Meinung an erster Stelle und das gilt auch für geschenkte Produkte – würde ich etwas, das schlecht ist, als gut anpreisen, hätte keiner was davon. Die Leser nicht, die sich anschließend über einen Fehlkauf ärgern würden und ich noch weniger, da ich an Glaubwürdigkeit verlieren würde. Ehrlichkeit und Authentizität sind die beiden wichtigsten Attribute eines Bloggers, gerade, wenn es auch um „Werbung“ geht. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann sage ich das auch!

Verdienen Sie mit Ihrem Blog Geld?

Mittlerweile verdiene ich mit dem Bloggen auch ein wenig Geld – für den kompletten Lebensunterhalt reicht es aber leider (noch?) nicht.

Sie sind eine „Plus-Size“-Bloggerin. Stört Sie diese Bezeichnung, weil es eigentlich egal sein sollte, welche Kleidergröße man (Frau) trägt?

Nein – ich bin gerne „Plus-Size“-Blogger. Tatsächlich bin ich sogar ein bisschen stolz darauf, denn es gibt nur relativ wenige „Plus-Size“-Bloggerinnen in Deutschland. Wir haben aber eigentlich die schönste Mission von allen, nämlich den Frauen da draußen „beizubringen“, dass sie schön sind, egal, welche Größe sie tragen, welche Figur sie haben oder was die Waage sagt. Ich mache das unheimlich gern und gebe gern meine Einstellung weiter!

Gibt es dank Aktionen wie von der Bloggerin Journelle#609060 oder dem Vorstoß der Brigitte, mit „normalen“ Models zu arbeiten, ein Umdenken in der Szene? Oder sind Models und Blogger/Innen jenseits von Größe 38 immer noch nicht angesehen?

Ich denke, dass wir bei „Plus Size“ doch mittlerweile auf einem guten Weg sind, auch wenn manche Aktionen am Ende nur eine Farce waren. „Plus Size“ wächst, so gibt es mittlerweile mehr Blogger, die über das Thema schreiben, die wunderschönen Models werden häufiger gebucht und werden bekannter, man liest öfter in Zeitschriften und Zeitungen und auch anderweitig passiert ein bisschen mehr – ich denke da zum Beispiel an die erste „Plus-Size“-Messe zur letzten Fashion Week in Berlin dieses Jahr!

Haben Sie als Bloggerin Einfluss auf die Modeszene?

Als Blogger hat man glaube ich immer einen kleinen Einfluss – nicht umsonst sind wir wohl auch heute Gäste auf Fashion Weeks und sollen die Kleidungen der „Große Größen“-Unternehmen tragen, um zu zeigen, dass das gut aussieht. Und ich bin sehr froh darüber, da ich denke, dass dieser Einfluss auf Dauer auch etwas bewegen wird. Mein Ziel wäre es ja sogar, dass es den Begriff „Plus Size“ irgendwann nicht mehr geben wird (auch wenn ich ihn nicht schlimm finde), da wir wirklich alle gleich sind.

Auf Ihrem Blog habe ich viele positive Kommentare zu Ihren Outfits gelesen, aber gibt es auch Neider oder bösartige Kommentare?

Tatsächlich gibt es viele Menschen, die weder mich noch das, was ich auf dem Blog mache, gut finden. Viele finden mich „eklig“, schlagen mir vor, damit aufzuhören, weil es einfach nicht gut aussehe und keiner so etwas sehen wolle. Sie nennen meinen Kleidungsstil unvorteilhaft, behaupten, ich würde zu kleine Kleidung tragen und wissen grundsätzlich besser über mich Bescheid als ich selbst – denn so wie ich aussehe, könne ich mich mit Sicherheit nicht gut fühlen, ich müsse was dagegen tun!

Wie gehen Sie damit um? Nehmen Sie das persönlich?

Es ist schade, dass die Menschen so denken. Natürlich sind die Medien nicht unschuldig, es wird einem was vorgelebt, das dicke Menschen automatisch als das Schlechteste vom Schlechten darstellt. Man kann denjenigen, die diesem Mist glauben, also eigentlich gar nicht böse sein. Ich nehme solche Kommentare also nicht persönlich. Ganz am Anfang habe ich das noch, aber es ist einfach müßig – irgendwer wird Dich immer scheiße finden und immer etwas gegen das haben, was Du tust. Ich orientiere mich lieber am positiven Feedback. Ich bekomme sehr viel Zuspruch auf vielen Wegen und weiß, dass ich vielen Leuten da draußen Mut mache, sie inspiriere, sich nicht für ihren Körper zu schämen und sich nicht zu verstecken – warum sollte ich also auf diejenigen hören, die eine so eingeschränkte Sichtweise haben?

Einige Blogger unterscheiden zwischen ihrem Blog-Ich und ihrem privaten Ich. Ihre Blogeinträge wirken aber sehr persönlich und authentisch. Wie viel Luciana Schmidt steckt in Ihrem Blog?

Mein Blog ist 100 Prozent Lu. Ich stehe hinter jedem Blogpost, schreibe über das, was mir gefällt und mir Freude bereitet. Natürlich ist es mittlerweile auch ein kleines Business geworden – aus dem Hobby wurde ein professioneller Blog, aber der Blog ist nach wie vor mein eigenes kleines Reich, das ich mit „mir“ fülle.

Wer ist Ihr Vorbild?

Ein Vorbild habe ich gar nicht. So eingebildet es auch klingen mag, aber ich versuche, selbst ein Vorbild zu sein. Es gibt zwar viele Menschen, die „dick ist okay“ sagen, aber im gleichen Moment für Diäten werben oder wenige Monate später selbst spindeldürr sind. Das fängt bei den „Plus-Size“-Models an und hört bei den großen Promis auf. Es macht mich traurig zu sehen, dass Leute von den Medien dazu getrieben werden, ihre eigene Meinung, die sie eigentlich felsenfest vertreten haben, zu ändern. Deshalb weiß ich gar nicht, wem ich noch wirklich glauben soll. Ich versuche also, selbst ein Vorbild zu sein, für andere und am Ende auch ein bisschen für mich – weil auch ich manchmal Tage habe, an denen ich mich auch mal ziemlich dick und hässlich finde. Aber solche Tage haben wir wohl alle mal, egal ob Größe 34, 44 oder 54.

Welche anderen Blogs lesen Sie?

Ich lese einige Blogs, viele Beautyblogs, weil ich mich schließlich selbst gerne damit beschäftige und auch gerne die Meinungen anderer lese, aber natürlich auch Fashionblogs – in verschiedenen Größen! Ich lasse mich gerne von den Fotos inspirieren. Die meisten Fashionblogs, die ich lese, sind im Ausland - einer meiner liebsten ist „Girl with Curves“ von Tanesha, eine wunderschöne Frau mit tollen Kurven.

Was stört Sie an anderen Modeblogs?

An anderen Blogs stört mich nichts – jeder kann, darf und soll bloggen, was er mag, und ich werde sicher keine Kritik daran üben, weil ich nicht in der Position bin, über andere, die ich nicht kenne, zu urteilen. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann aber mehr „Plus-Size“-Blogs, bisher kann man sie in Deutschland ja doch noch eher an einer Hand abzählen.

Da Sie neben Kleidungs- auch Schminktipps geben: Welchem Promi würden Sie gerne einmal ein Umstyling verpassen und was würden Sie ihm/ihr empfehlen?

Da fällt mir keiner direkt ein – ich würde viele gerne mal schminken, einfach, um mal zu sehen, wie sie dann „von mir gesehen“ aussehen würden. Das Einzige, was mir oft auffällt, ist, dass einige mit Waschbäraugen unterwegs sind – zu heller Concealer! Da muss noch dran gearbeitet werden.


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