Blome nicht erwünscht Zoff beim Nachrichtenmagazin „Spiegel“

Von Joachim Schmitz


Hamburg. Beim „Spiegel“ ist Feuer unterm Dach: Der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner hat noch vor seinem Amtsantritt am 1. September so ziemlich die gesamte Redaktion gegen sich aufgebracht, indem er den bisherigen Vize-Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Nikolaus Blome, zu seinem Stellvertreter ernannte. Am Montag forderten die Ressortleiter des Nachrichtenmagazins ihren künftigen Chef geschlossen auf, diese Entscheidung rückgängig zu machen.

Wie der Branchendienst „Meedia“ und die Nachrichtenagentur epd übereinstimmend unter Berufung auf Teilnehmer der Redaktionskonferenz berichteten, verlas Stefan Willeke als einer der Leiter des Ressorts „Gesellschaft“ eine entsprechende Erklärung. Eine solche einstimmige Ablehnung eines künftigen Vizechefs durch die Ressortleiter habe es in der Geschichte des „Spiegels“ noch nie gegeben, hieß es.

Büchner, der zuletzt die Redaktion der Deutschen Presse-Agentur (dpa) leitete, sei allerdings hart geblieben, hieß es weiter. Er habe geantwortet, er nehme die Erklärung der Ressortleiter zur Kenntnis, lasse aber grundsätzlich über Personalentscheidungen nicht demokratisch abstimmen. Die Entscheidung habe für ihn keinen programmatischen Charakter.

Ebenso wie „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe soll Büchner gesagt haben, das Votum für Blome sei „nach den Grundregeln des Hauses“ getroffen worden. Schon zuvor hatte er den „Bild“-Mann als „einen der profiliertesten Journalisten Deutschlands“ bezeichnet.

„Spiegel“-Gesellschafter sind die Erben von Spiegel-Gründer Rudolf Augstein, die 24 Prozent am Verlag halten, der Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der 25,5 Prozent der Anteile besitzt, und die Mitarbeiter-KG, die 50,5 Prozent am Verlag hält. Für Mittwoch ist beim „Spiegel“ eine Informationsveranstaltung der Mitarbeiter-KG angesetzt. Ob die Gesellschafter ihre Zustimmung zu der Personalie Blome hätten geben müssen, ist strittig. Am Montag hieß es, auch die Mitarbeiter-KG lehne die Ernennung Blomes zum Vize-Chefredakteur ab.

Sollte Blome seinen Posten tatsächlich antreten, wäre es das erste Mal, dass ein Mitglied der „Bild“-Chefredaktion in gleicher Funktion zum „Spiegel“ wechselt. Bislang tritt er häufig als Vertreter des Springer-Boulevardblatts in Talkshows auf und bestreitet seit 2011 mit Jakob Augstein, dem Sohn des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein, den kontroversen Polittalk „Augstein und Blome“ im Fernsehsender Phoenix. Bekannt wurde er auch als Fürsprecher des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.

Die Neuausrichtung der Redaktionsspitze beim „Spiegel“ war notwendig geworden, nachdem im Frühjahr die Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron „wegen unterschiedlicher Auffassungen zur strategischen Ausrichtung“ abberufen worden waren. (Mit epd)