Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Mit Kindern fernsehen: So macht man es richtig!

Von Daniel Benedict

„Löwenzahn“: Peter Lustigs ZDF-Serie ist eins der besten alten Fernsehprogramme, das man mit Kindern gucken kann. „Neues aus Uhlenbusch“ ist ein weiterer Kracher. Illustration: Lilith Benedict„Löwenzahn“: Peter Lustigs ZDF-Serie ist eins der besten alten Fernsehprogramme, das man mit Kindern gucken kann. „Neues aus Uhlenbusch“ ist ein weiterer Kracher. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. War Kinderfernsehen früher besser? Unser Elternkolumnist, der viel mit seinen Söhnen flimmert, legt sich fest.

In der vergangenen Woche hat Corinna Berghahn erklärt, wieso ihre Kinder mit einer Dose Knoblauch-Pfeffer ins Bett gehen, und ihren Kollegen gefragt: „War Kinderfernsehen früher besser?“ Dies ist die Antwort von Daniel Benedict:

Liebe Corinna,

einer meiner größten journalistischen Ausfälle war ein Set-Besuch bei „Löwenzahn“. Wie jedes gesunde Kind der 80er Jahre habe ich die ZDF-Serie geliebt. Die Vorstellung, Peter Lustigs Bauwagen selbst zu betreten, überschwemmte mein Hirn mit so wohligen Erinnerungen, dass ich eine Selbstverständlichkeit vergessen hatte: Kameras und Cateringwagen beschädigen den Zauber mythischer Orte erheblich. Ganz ohne Vorbehalt war ich sowieso nicht angereist. Peter Lustig lebte damals noch, war aber schon von Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs abgelöst worden. Und um deine Frage an diesem Beispiel mal ganz deutlich zu beantworten: Ja, früher war das Fernsehen besser.

Die neuen „Löwenzahn“-Folgen sind schneller geschnitten, alles ist bunt und irgendwie auch cool. Das muss so, hat mir die Producerin erklärt; bei den alten Folgen schalten Kinder ab. Damals war ich noch kinderlos, aber als mein Sohn auf der Welt war, habe ich ihm, kaum aus dem Kreißsaal, zum Test sofort eine sehr gute Peter-Lustig-Folge gezeigt. Resultat: Heute sehen beide Kinder das Originalformat sehr gern. Ha!

Momentan gucken wir sogar ein noch viel langsamer erzähltes Meisterwerk: „Neues aus Uhlenbusch“. Das ist eine umwerfende Vorschulkinder-Serie, die in genau dem Zeitraum norddeutsche Dorfgeschichten erzählt hat, als ich selbst in einem Kaff bei Hamburg ein Kindergarten-Kind war. Sobald die DVD läuft, ist alles wieder da: die eng anliegenden Ringelpullis, die Topffrisuren und das nach Zigarettenrauch schmeckende Fruchtgummi aus dem Tante-Emma-Laden. Wir arbeiten uns systematisch durch die Komplett-Edition, und immer erfüllt andachtsvolle Staunen erfüllt unser Wohnzimmer. Ganz sicher spüren die Kinder meine innere Bewegung.

Man kann als Familie nichts Besseres machen, als altes Fernsehen zu gucken. Bei „Uhlenbusch“ sehen meine Kinder, wie ich selbst in ihrem Alter gelebt habe. Bei „Löwenzahn“ hat die Sache zumindest für uns noch einen weiteren Twist: Peter Lustigs Bärstadt ist eine wunderbar überschaubare Vorgartenwelt. Gedreht wurde trotzdem in Berlin, wo wir heute wohnen. Die Dinos im Naturkundemuseum, die Doppeldeckerbusse, das Planetarium: Wenn Peter unterwegs ist, besucht er die 80er-Jahre-Version von Orten, zu denen wir heute selbst unsere Ausflüge machen. In jedem einzelnen Bild überlagert sich meine Kindheit mit der meiner Söhne. Alles verschmilzt. Und das trifft genau mein Grundgefühl vom Elternsein: Alles, was im Leben nacheinander kommt, fühlt man plötzlich gleichzeitig. Für ein paar schöne Jahre ist alles auf einmal da. Was natürlich nicht ausschließt, dass meine Kinder die aktuellen „Löwenzahn“-Folgen noch besser finden würden. Sie dürfen im Fernsehen viel gucken – das aber nicht!

Herzliche Grüße!

Dein Daniel

PS: Wie lösen Deine Kinder Eigentumskonflikte?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, zweifache Mutter, hat ihrer großen Tochter schon den Adventskalender geplündert und die kleine ohne schlechtes Gewissen nach drei Monaten abgestillt. Daniel Benedict intrigiert bei den Großeltern, damit seine alten Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie auf www.noz.de/elternkolumne einander das Herz aus.