Arte, Di, 27.8., 20.15 Uhr Schon gesehen: „Der wirkliche Amerikaner – Joe McCarthy“

Von Frank Jürgens

<em>Legendäre Kommunistenjäger:</em> US-Senator Joe McCarthy (links) und sein engster Mitarbeiter Roy Cohn. Foto: ZDFLegendäre Kommunistenjäger: US-Senator Joe McCarthy (links) und sein engster Mitarbeiter Roy Cohn. Foto: ZDF

Osnabrück. Lutz Hachmeister rückt in seiner Arte-Biografie über den US-Senator Joe McCarthy (Dienstag, 20.15 Uhr) nicht nur einige moderne Legenden gerade, sondern erteilt ganz nebenbei eine äußerst lebendige Geschichtsstunde.

Kommunisten, so weit das Auge reicht. Die USA – bis in den letzten Winkel unterwandert von der roten Gefahr. Sogar Militär und Geheimdienste erweisen sich als Brutstätten sozialistischer Umtriebe. Dieser Eindruck drängt sich auch heute noch auf, wenn man sich Dokumente zu Gemüte führt, die die bizarre Kommunistenjagd des US-Senators Joe McCarthys in den 1950er-Jahren belegen. Wobei es freilich auch heute noch Menschen gibt, die McCarthys Niedergang als Sieg eben jener Mächte deuten, vor denen der Populist die Welt retten wollte.

Die USA sind nicht erst seit heute eine zutiefst gespaltene Nation, wie Lutz Hachmeister in seiner äußerst gelungenen Dokumentation „Der wirkliche Amerikaner – Joe McCarthy“ belegt. Wer aber nun eine einseitige Abrechnung mit dem Hexenjäger der 1950er-Jahre erwartet, muss sich eines Besseren belehren lassen. Hachmeister räumt nicht nur allerlei moderne Mythen beiseite, die McCarthy zugeordnet werden. Sein biografisches Dokudrama erweist sich zugleich als gelungene Geschichtsstunde, die lebendig den Beginn des Kalten Krieges vermittelt. Nicht zuletzt dank zahlreicher Zeitzeugen von Henry Kissinger bis hin zu McCarthys einstigem Mitarbeiter James Juliana.


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