Himmelfahrt im NDR Fernsehen Ochsentour: Film über Comedy Stars

Von Tom Heise


In 90 Minuten versucht die Autorin Cornelia Quast, dem Phänomen Comedy auf die Schliche zu kommen. Ihr Film erzählt von den Anfängen, dem Comedy-Boom, von Auf- und Abstieg und ist gespickt mit einer Vielzahl von Ausschnitten aus Programmen prominenter Comedians.

„Alles muss superlässig und selbstverständlich wirken“, sagt der studierte Theaterwissenschaftler und Moderator Thomas Hermanns über Comedy, der auch der „Pate der deutschen Comedy“ genannt wird. Nach seiner Idee startete Anfang der 90er der „Quatsch Comedy Club“ in Hamburg. In Deutschland der Startschuss für ein Genre, das bis sich bis heute wachsender Beliebtheit erfreut und immer neue Spielarten generiert. „Komische Nächte“ füllen in den Städten Clubs und Kneipen, Comedy-Superstars wie Mario Barth ganze Stadien. Und auch in Radio und Fernsehen ist Comedy nach wie vor präsent. Das Volk will belustigt werden.

Für den Bielefelder Komiker, Entertainer und Zauberkünstler Ingo Oschmann, der im Jahr 2003 die erste Staffel der Sat.1-Casting-Show „Star Search“ gewann, sei die momentane Masse an Comedy-Künstlern kein Problem, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion verriet: „Es ist wie in der Musik. Es gibt keine gute oder schlechte Musik. Es gibt welche, die ich mag und welche, die ich nicht mag.“ Für Oschmann ist Comedy alles, was Leute lustig unterhalte. Stand-up sei eine sehr ehrliche Form des Rock´n´Rolls.

 

Was ist gute Comedy?

Doch was braucht es, um gute Comedy zu machen? Oschmann, der die „Köln Comedy Schule“ absolvierte, auf der er lernte, wie man Texte schreibt, auf Themen kommt oder improvisiert, ist davon überzeugt, dass es viel „sozialer Intelligenz“ brauche, um gute Programme zu schreiben. „Man hat ein breites Publikum: die einen mögen es feiner, die anderen etwas derber. Manche mögen es zwischen den Zeilen, andere wieder direkt. Ein Programm sollte auf verschiedenen Ebenen ansetzen – das kannst du nicht, wenn du doof bist.“ Oschmann schreibt seine Texte selbst.

Neben Thomas Hermanns kommen im Film Michael Mittermeier, Ilka Bessin, Ingo Appelt, Chris Tall, Gerburg Jahnke, Mario Barth und Till Hoheneder zu Wort. Letzterer feierte Erfolge im Duo „Til und Obel“. Dem großen Hype folgte nach der Trennung der Absturz. Als Solist konnte der Comedian  nicht mehr an die Erfolge anknüpfen. Heute verdient sich Hoheneder seine Brötchen als Texter für bekannte Kollegen wie Atze Schröder. Dies ist eine der Geschichten in der Dokumentation, die zumindest im Ansatz ans Eingemachte geht. Oft aber hakt Autorin Cornelia Quast gerade dann nicht nach, wenn es interessant werden würde.

Mittermeier in New York

Dafür erfährt der Zuschauer, dass sich Ilka Bessin beim „Quatsch Comedy Club“ eigentlich als Kellnerin bewarb, durch ein glückliches Missverständnis dann aber in kurzer Zeit als Cindy aus Marzahn im pinken Jogginganzug die Menschen in ganz Deutschland eroberte. Man sieht den ersten Auftritt Olli Dietrichs als „Dittsche“, Carolin Kebekus in einer Helene Fischer-Persiflage oder Michael Mittermeier, der seine Magisterarbeit über das Thema „Amerikanische Stand-up-Comedy“ anfertigte, bei einem Auftritt auf Englisch in New York. Der Film ist zudem mit zahlreichen Ausschnitte aus den Fernsehformaten „Zapped!“, „RTL Samstag Nacht“ und „Die Wochenshow“ gespickt, die erheblich zum Erfolg des Genres hierzulande beitrugen.

Für Gerburg Jahnke, Gastgeberin der Sendung „Ladies Night“, hat der Megastar der Szene Mario Barth ein eigenes Genre erfunden: „Mario Barth ist der einzige mir bekannte Künstler, der mit zwei Sätzen eine Viertelstunde füllen kann.“ Ingo Oschmann hingegen sieht den Kollegen, dem er attestiert, ein guter Handwerker zu sein, kritisch: „Mario Barth hat ein Publikum generiert, das wir alle nicht haben wollten. Der größte Fehler war, dass Mario Barth ins Stadion gegangen ist – da hat dann auch der Dümmste gemerkt, dass mit Comedy viel Geld zu verdienen ist. Das war der Startschuss, dass viele Managements geschaut haben: Wer sieht gut aus, wem schreiben wir jetzt ein paar Texte und dann schieben wir ihn vor die Kamera… Bei ein, zwei Leuten hat das auch funktioniert. Aber das wird sich nicht halten. Auf der Bühne zu stehen, auch im Fernsehen zu stehen, ist im Grunde ein Lehrberuf mit einem gewissen Handwerk, was man erlernen muss.“ Leute zwei Stunden zu unterhalten, ohne das es langweilig wird, sei eben Arbeit.

Erfolgsformel

Letztlich ist Comedy eben doch mehr als Gerburg Jahnkes Statement „Ficken sagen funktioniert sehr gut!“. Man brauche den unbedingten Willen, um langfristig als Komiker zu bestehen, meint Oschmann. Es gäbe einen signifikanten Unterschied zwischen „Ich möchte.“ und „Ich will!“. „Ich bin demütig und dankbar über jeden, der in mein Programm kommt. Der Beruf verlangt eine große Ernsthaftigkeit. Keine Zickigkeit. Es ist eine Lebenseinstellung. Man muss es wollen. Es geht auch nicht um die Kohle. Du musst auf die Bühne wollen, um den Leuten einen guten Abend zu bereiten.“

Das sieht auch Michael Mittermeier so. Erfolg sei durch Stadionauftritte in eine Schieflage geraten. „Da sitzen 50 Leute. Ich mache mein Programm und diese 50 Leute gehen raus und sagen „Boah, war das schön. Ich komme wieder zu dem!“. Das sei Erfolg. Und wie funktioniert jetzt Humor? „Wir bilden nur die Absurdität von da draußen ab. Wenn es bei uns vorkommt, muss es existent sein.“

Comedy-Stars – die Ochsentour zum Ruhm

Donnerstag 10. Mai 2018, 23.15 Uhr, NDR Fernsehen