„The Rain“ auf Netflix Endzeit-Teenies: Was taugt die Netflix-Serie „The Rain“?

Von Daniel Benedict


Berlin. Teenies in der Post-Apokalypse: In der neuen Netflix-Serie „The Rain“ gehört eine Handvoll Jugendlicher zu den letzten Überlebenden einer katastrophalen Seuche.

Mit „The Rain“ stellt Netflix am Freitag, 4. Mai 2018, eine neue Endzeit-Serie ins Netz. Nachdem eine Seuche Skandinavien beinahe vollständig entvölkert hat, kämpft eine Gruppe von Teenagern ums Überleben. Wie gut ist „The Rain“?


„The Rain“: Wovon handelt die Endzeit-Serie?

Eigentlich soll Simone gerade ein Referat halten, da stürmt ihr Vater in die Schule, packt das Mädchen ins Auto, fährt sie mitsamt der Familie in einem Bunker – und verschwindet mit dem Versprechen, bald wiederzukommen. In den Nachrichten ist von einem gefährlichen Erreger die Rede, den der Regen überträgt. Wie drastisch er wirkt, sehen Simone und ihr Bruder Rasmus, als ihre Mutter kontaminiert wird und tot zusammenbricht. Die Geschwister sind allein und sollen es lange bleiben: Erst nach sechs Jahren verlassen sie ihre Behausung, schließen sich einer Gruppe jugendlicher Überlebender an und schlagen sie gemeinsam durch die Post-Apokalypse.

„Wer wirst du sein, wenn der Regen kommt“: Der Werbe-Claim für Dänemarks erstes Netflix-Original setzt das Thema: In einer Kreuzung aus Endzeit-Drama und Coming-of-Age-Geschichte erzählt die acht Episoden lange Serie von einer Selbstfindung unter Extrembedingungen. Die Erwachsenen sind verschwunden, und ihre eigene Generation besteht zum großen Teil aus verdörrten Kinderleichen in leer stehenden Häusern. Ohne Vorbilder müssen die Helden sich selbst organisieren, für einander Verantwortung übernehmen und Regeln für eine Welt finden, in der zum Überleben auch das Töten gehört. (Wieso wir gucken: So funktioniert der Netflix-Algorithmus)

Neu auf Netflix: In der dänischen Endzeit-Serie „The Rain“ schlägt eine Gruppe Teenager sich durch die Reste der Zivilisation, die ein Virus vernichtet hat. Foto: Netflix, Per Arnesen

Wie passt „The Rain“ zu Netflix?

Zum kreativen Trio hinter „The Rain“ gehört auch Jannik Tai Mosholt, der schon an der Polit-Serie „Borgen“ (2010-13) mitgeschrieben hat. Nun liefert er das erste dänische „Netflix-Original“; und angesichts der der international erfolgreichen Genre-Produktion dieses Landes wundert man sich, dass Deutschland mit „Dark“ schneller war. Die Zeitreisen-Serie lief schon im letzten Jahr als erste deutsche Netflix-Serie. Der Streamingdienst beteuert zwar, seine Nutzerdaten nicht für die Konzeption neuer Ideen auszuwerten; eine Familienähnlichkeit zwischen den Format ist aber trotzdem nicht zu übersehen: „Dark“ schloss an den Trend zur 80er-Jahre-Mystery an, den Netflix mit „Stranger Things“ erfolgreich gesetzt hatte. In vielen Motiven von „The Rain“ klingt nun wiederum „Dark“ an – von den Teenies im Waldbunker bis hin zur Tschernobyl-Assoziation, die in der Angst vor dem tödlichen Regen mitschwingt. Selbst die ausgedehnten Flüge über die Baumwipfel, ein Markenzeichen des „Dark“-Regisseurs Baran bo Odar, werden aufgegriffen.

Überzeugend ist die neue Serie auch durch die schauspielerische Qualität: Alba August (die Tochter der Filmkünstler Bille und Pernilla August) reibt sich als Mädchen in der Rolle einer Ersatzmutter auf. Den Part des Anführers der Gruppe übernimmt Mikkel Boe Følsgaard; ein charismatischer Nachwuchsdarsteller, der mit seiner ersten Filmrolle den Berlinale-Bären gewonnen hatte. In „Die Königin und der Leibarzt“ (2012) spielte er einen unreifen König des 18. Jahrhunderts; nun ist er als Führungsfigur der Endzeit zu erleben. („The Alienist“ auf Netflix: Was taugt die Serienkiller-Serie mit Daniel Brühl?)

Teenage-Walking-Dead ohne Zombies

Den Stillstand des endzeitlichen Lebens kontert die handlungsgetriebene Serie mit hoher Ereignisdichte: Es gibt Angriffe marodierender Banden und verzweifelte Rettungsaktionen; Hinweise auf die Rolle des Vaters bei der Bekämpfung der Seuche, womöglich sogar beim Ausbruch, steigern die Spannung. Die zähen sechs Jahre im Bunker dagegen handelt schon die erste Episode im Zeitraffer ab; mit den Folgen einer so langen Isolation hält die Erzählung sich nicht auf. Äußerlich hat das Leben unter der Erde bei den Geschwistern keine Spuren hinterlassen. Auf eine schlichte Formel gebracht, ist „The Rain“ damit eine Art Teenage-Walking-Dead, wenn auch ohne Zombies: Stattdessen kokettieren die drei Episoden, die Netflix der Presse vorab gezeigt hat, mit Mystery-Elementen: Rasmus glaubt, seinen verschollenen Vater im Bunker gesehen zu haben. Aber wie ist das möglich?

„The Rain“: Ab dem 4. Mai 2018 auf Netflix.