Heute Abend im ARD-Programm Tatort "Familien" aus Köln - Theo Lingen lässt grüßen

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Humor á la Theo Lingen: Beim letzten Stück Sahnetorte informiert Norbert Jütte (Roland Riebeling, l) die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, M) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) darüber, was er bisher herausgefunden hat. Foto: WDR/Thomas KostHumor á la Theo Lingen: Beim letzten Stück Sahnetorte informiert Norbert Jütte (Roland Riebeling, l) die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, M) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) darüber, was er bisher herausgefunden hat. Foto: WDR/Thomas Kost

Osnabrück. Der Tatort kommt heute Abend aus Köln und markiert nicht gerade eine Sternstunde der Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Vielmehr ist „Familien“ über weite Strecken arg dialoglastig und altbacken. Und der neue Assi Jütte (Roland Riebeling) gibt zunehmend einen verfressenen Spaßvogel mit lahmen Flügeln.

Wer sich darüber beklagt, dass im Tatort immer alles so duster ist, findet im neuen Fall der Kölner Ermittler Trost: Da kommen sogar die Besoffenen vom Junggesellenabschied im Hellen nach Hause. Ganz bis nach Hause schafft es der angehende Bräutigam Ivo Klein aber nicht: Kaum ist er aus dem Bus geschwankt, findet er in einem Mülleimer eine Reisetasche mit 500.000 Euro, nimmt sie mit und wird Sekunden später von einem Kleinwagen überfahren.   (So war der letzte Tatort aus Köln)


Ein Toter und eine Tasche voller Geld: Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 3.v.l) und Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, M) am Tatort. Foto: WDR/Thomas Kost


Ende einer Ehe, bevor sie begann. Das Geld, so finden Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk schnell anhand von Fingerabdrücken heraus, hatte der Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig) deponiert, um seine gekidnappte Enkelin freizukaufen.

Die Kommissare haben also doppelt zu tun – einen Mord aufzuklären und eine entführte junge Frau zu retten. Spannend macht das diesen Tatort allerdings nicht. Vielmehr ist die Mischung aus Krimi und Familiendrama von Christine Hartmann derart konventionell inszeniert (Buch: Christoph Wortberg), dass man das Gefühl nicht los wird, ein Werk aus den Sechzigern zu sehen, als 80 Prozent des Films aus Dialogen bestanden. Altbacken wäre das passende Etikett, aber hat der Tatort aus Köln nicht zuletzt deshalb nach wie vor so eine große Fangemeinde? 


ADoppelter Grund zur Übellaunigkeit: Freddy (Dietmar Bär, l) erzählt seinem Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r), dass er den Hochzeitstag vermasselt hat. Und er ärgert sich darüber, dass der Assi ihm nur ein "Erdbeerkörbchen", einen alten Golf Cabrio, besorgt hat. Foto: WDR/Thomas Kost


Sei’s drum - weil dieser Tatort ja „Familien“ heißt, ist auch der Nebenstrang ganz aufs Thema abgestimmt. In regelmäßigen Abständen buhlen schale Witzchen um den von Schenk vergessenen 30. Hochzeitstag um das Schmunzeln der Zuschauer – und nerven zunehmend. Denn diese Späßchen aus der Generation Theo Lingen sind mindestens so originell wie der ewig hungrige und ständig gute Hinweise liefernde Assi Jütte (Roland Riebeling). So etwas hat man schon tausendmal gesehen, aber es scheint sich einfach nicht zu verbrauchen. (Warum Patrick Abozen nicht mehr der Assi im Kölner Tatort ist)

Dass der Kölner Tatort durchaus das Zeug hat, sowohl ein weniger experimentierfreudiges Publikum zu bedienen als auch sehenswerte Krimikost anzubieten, hat er hinlänglich bewiesen. Dieser 73. Fall für Ballauf und Schenk gehört aber zweifellos zu den seltenen, aber doch regelmäßigen Ausschlägen nach unten. (So stark war der Kölner Jubiläums-Tatort "Bausünden")


Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann, M) feierte in einer Bar ihre Zulassung an einer US-Elite- Uni mit ihrem Freund Kasper Fröhlich (Anton von Lucke, l) und Paul Ritter (Johannes Franke, r). In derselben Nacht wirdsie entführt. Foto: WDR/Thomas Kost


Fall Nummer 74 „Die siebte Zypresse“ (Arbeitstitel) wurde bereits vor anderthalb Jahren gedreht – im Oktober 2016 - die Kölner Kommissare arbeiten immer besonders weit im Voraus. Zur Ausstrahlung kommt der Film vermutlich noch in diesem Jahr, nicht aber vor der Sommerpause.

Tatort: Familien. Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

Wertung: 3 von 6 Sternen


Junggesellen-Abschied: Ivo Klein (Christoph Bertram, 3.v.r.) hat mit seinen Kumpels die Nacht durchgefeiert und macht sich am frühen Morgen auf den Heimweg. Er wird nicht lebend zu Hause abkommen. Foto: WDR/Thomas Kost

 


Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) muss mit einem Kollegen eingreifen: Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, 2.v.r.), der Großvater der entführten Charlotte und Vater von Ines Ritter (Nicole Marischka, hinten) verliert die Kontrolle. Foto: WDR/Thomas Kost


Paul Ritter (Johannes Franke, M) war mit seiner Schwester unterwegs in der Nacht, in der sie verschwand. Vater Ludwig (Harald Schrott, l) beobachtet, wie Mutter Ines (Nicole Marischka, r) versucht, mit Paul zu sprechen – in der Schreinerei der Familie. Foto: WDR/Thomas Kost

   


Kasper Fröhlich (Anton von Lucke, vorne) und seine Mutter Sandra (Claudia Geisler-Bading, hinten) werden von den Kommissaren Freddy Schenk (Dietmar Bär, 2.v.r.) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) befragt: Was weiß Kasper über die Nacht, in der seine Freundin Charlotte verschwand? Foto: WDR/Thomas Kost

 


Die Ruhe selbst: Norbert Jütte (Roland Riebeling) erledigt die Hintergrundarbeit im Präsidium. Zeit für ein Tässchen Tee ist immer. Foto: WDR/Thomas Kost


Die Barkeeperin (Jaëla Carlina Probst, l) bestätigt den Kommissaren Freddy Schenk (Dietmar Bär, r) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, M), dass Charlotte Ritter in der Nacht ihres Verschwindens zu Gast war. Foto: WDR/Thomas Kost


Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, hinten) ist vermögend und hilft seiner Tochter Ines Ritter (Nicole Marischka, r). Sonst könnten sie und ihr Mann nicht die Lösegeldforderung erfüllen, die der Entführer ihrer Tochter gestellt hat. Foto: WDR/Thomas Kost


Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) auf dem Weg ins Büro – das Laptop des Toten haben sie für weitere Untersuchungen dabei. Foto: WDR/Thomas Kost



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