Interview zum ZDF-Film „Wir lieben das Leben“ mit Günther Maria Halmer

Von Marcel Kawentel

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Im Zimmer des Seniorenheims steht Emil (Claude Heinrich, M.) zwischen Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) und Max Schellinger (Günther Maria Halmer, r.) und ist sehr irritiert, dass sich Vater und Tochter so streiten. Foto: Julia von VietinghoffIm Zimmer des Seniorenheims steht Emil (Claude Heinrich, M.) zwischen Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) und Max Schellinger (Günther Maria Halmer, r.) und ist sehr irritiert, dass sich Vater und Tochter so streiten. Foto: Julia von Vietinghoff

Osnabrück. Im ZDF-Film „Wir lieben das Leben“ spielt Günther Maria Halmer an der Seite von Petra Schmidt-Schaller einen pensionierten Oberst, der sich ehrenamtlich engagiert. Mit unserer Redaktion sprach Halmer über sein eigenes soziales Engagement und die Angstfreiheit im Alter.

Nicht umsonst spielt der Titel „Wir lieben das Leben“ auf Vicky Leandros' Schlager „Ich liebe das Leben“ an - die zehnte Klasse einer Gesamtschule muss sich im Musikunterricht an dem Lied abarbeiten und hat die ihre liebe Mühe damit. So geht es auch der Kunstlehrerin Maria (Petra Schmidt-Schaller), die zu dieser chaotischen Klasse kommt, wie die Jungfrau zum Kinde. Und dann ist da noch der unaufgearbeitete Zwist mit ihrem Vater Max, einem pensionierten Oberst, gespielt von Günther Maria Halmer  der sich nicht ins Seniorenheim abschieben lassen will. „Ich kenne die Produzentin Gabriela Sperl, die hochklassige Filme macht, kein Tralala! Sie hatte mir die Rolle schon vor Längerem angeboten,“ erzählt Halmer im Gespräch mit unserer Redaktion und fügt lachend hinzu: „Da ich ja nicht mehr der Jüngste bin, liegt es nah, mir die Rolle eines älteren Herrn anzubieten.“ Auch wenn gefühlt die Präsenz von Figuren jenseits der 60 im Fernsehfilm zunimmt, sieht Günther Maria Halmer die Rollenauswahl kritisch. „Ich schaue wenig fern, kann also nur von mir ausgehen. Die Rollen für ältere Schauspieler sind selten Hauptrollen. Das liegt vielleicht auch daran, dass man aufs junge Publikum schielt. Umso mehr freut man sich, wenn man, wie bei ‚Wir lieben das Leben‘, ein relevantes Drehbuch angeboten bekommt.“

Demotivierte Schüler und Senioren

Neben der Schwierigkeit mit dem neuen Leben in einer Seniorenresidenz zurechtzukommen, widmet sich der Film dem Thema vernachlässigter und demotivierter Schüler - ein Zustand, dem Lehrerin Maria unbedingt beikommen will und dabei unverhofft Unterstützung vom knorrigen Vater erhält. Günther Maria Halmer stellt jedoch klar, dass es nicht in erster Linie ein Thema eines Films ist, das eine Rolle für ihn attraktiv macht.„Zuallererst möchte ich, dass die Rolle, die Geschichte interessant ist. Ich bin nicht so ein politisch engagierter Mensch, dass ich sage: nein, das geht mir in die falsche Richtung.“

Als Schauspieler kennt er die sinnentleerte Routine, der seine Figur im Film zu entgehen versucht, nicht so extrem. „Routine wäre ganz schlecht. Man muss sich immer neu auf die Rolle einlassen,“ so Halmer. „Ein positiver Aspekt am Beruf des Schauspielers ist, dass einem nicht mit 65 die Herdplatte abgestellt, sondern der Herd warmgehalten wird und dass ab und an nochmal einer umrührt,“ scherzt der 75-jährige. „Solange das Gehirn mitmacht und man seinen Text noch weiß, kann man als Schauspieler lange arbeiten. Und man hat viel mit jüngeren Menschen zu tun.“

Weniger Angst im Alter

Auch Halmer weiß zudem die sprichwörtliche Gelassenheit zu schätzen, die sich mit zunehmendem Alter einstellt. „Man spürt mit den Jahren weniger Druck, weniger Angst nicht gut zu sein. Natürlich will man gut sein, aber man hat weniger Angst, keine Rollen mehr zu kriegen. Es ist ein sehr gutes Gefühl zu wissen, bei der Arbeit kann einem nichts mehr passieren.“ Umso wichtiger ist ihm eine gewisse Bodenhaftung zu wahren, die er besonders durch sein soziales Engagement erfährt: „Ich bin im Vorstand des Ambulanten Kinderhospiz München und habe dadurch einen Einblick in die Problematik von Familien mit schwerstbehinderten Kindern. Ich weiß um die Brüchigkeit eines Lebens und empfinde es als Privileg, mit meiner Popularität helfen zu können.“ Helfen wollen schließlich auch die Rentner im Film. In einem dieser schönen Momente, in denen die Kunst dem Leben vormacht, wie es gehen könnte, finden die Senioren eine neue Erfüllung darin ihre Zeit der Jugend zu widmen. Und mit der modernen Darbietung von Vicky Leandros' Liebeslied können sie auch etwas anfangen.


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