Jagen zum Spaß "Safari" in Afrika: Kontrollierte Naturzerstörung

Von Tobias Sunderdiek

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Tiere werden zum Wandschmuck degradiert in Ulrich Seidls "Safari". Foto: Ulrich Seidl FilmproduktionTiere werden zum Wandschmuck degradiert in Ulrich Seidls "Safari". Foto: Ulrich Seidl Filmproduktion

Osnabrück. Gestriges Verhalten heute auf Arte; In Ulrich Seidls schockierenen Dokumentarfilm "Safari" erlebt der Kolonialismus in Afrika eine moderne Prägung.

Possierliche Tiere, niedlicher Nachwuchs, zum Schluss der Appell, man möge die Natur schützen. Die Machart der Tierdokumentation im Fernsehen ist bekannt. Was aber, wenn schonungslos das grausamste Lebewesen auf diesen Planeten in den Mittelpunkt einer Dokumentation gestellt wird - den Menschen? Nichts anderes macht der für seine desillusionierenden Filme bekannte Österreicher Ulrich Seidl. Abgründe bestimmen seine Themen. Wie in „Safari“. Dort beobachtet der Regisseur Wohlstandsbürger auf der Jagd nach Wildtieren in der Savanne Afrikas. Nach Hause kommen sie als Trophäen- und Geweihsammler, das Töten von Antilopen oder Giraffen erleben sie mit fast orgiastischer Freude. Nicht selten leiden die Tiere in ihrem Todeskampf. Zugleich entlarvt Seidl den Rassismus gegenüber der afrikanischen Bevölkerung, die nur als Handlanger dienen dürfen. Wenn „Safari“ etwas nicht ist, dann ein entspannender Film. Er beobachtet einfach, enthält sich jeglichen, auch jedes verurteilenden und eindeutigen Kommentars. Dass der Film deshalb nicht unumstritten ist, ist nachvollziehbar. Aber wie sagte schon Lars von Trier: „Ein Film sollte so unbequem sein wie ein Stein im Schuh.“ Dies ist solch ein Film. Er schmerzt.

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Donnerstag, 26. 4. 2018; Arte, 22.30 Uhr

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