Dokumentation über einen Pferdeflüsterer Auf die sanfte Tour

Von Marie-Luise Braun

NDR Fernsehen DER PFERDEVERSTEHER, NDR Fernsehen DER PFERDEVERSTEHER, "Die Zähmung", am Mittwoch (18.04.18) um 21:00 Uhr. Im Galopp in den Hänger © NDR/Videomagic, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter NDR-Sendung bei Nennung "Bild: NDR/Videomagic" (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion, Tel: 040/4156-2306 oder -2305, pressefoto@ndr.de

Osnabrück. Wie können sich Tiere und Menschen miteinander verständigen? Und vor allem: Wann tun Tiere das, was Menschen von ihnen verlangen? Wie es auf eine weitgehend sanfte Tour funktionieren kann, zeigt der NDR mit einer dreiteiligen Reihe über den Pferdeflüsterer Uwe Weinzierl.

Sporen, Gerte, Kandare, Hilfszügel. Für viele Reiter gehört das selbstverständlich zum Equipment. Sie setzen diese Sachen ein, um ihr Pferd zu dem zu bringen, was es leisten soll. So ist es beispielsweise bei der klassischen englischen Reitweise, wie die meisten Reitschüler sie in Deutschland lernen. Und auch beim Westernreiten wird auf solche Hilfsmittel gesetzt – wenn auch nicht ganz so extrem wie in den Westernfilmen, wenn sich die Cowboys o-beinig und mit klingenden Sporen in den Sattel schwingen.

Uwe Weinzierl aber braucht noch nicht einmal ein Halfter, um sein Pferd beispielsweise zum Rückwärtsgehen zu bewegen. Ihm genügt seine Körpersprache, wie es in dem interessanten Film von Anne Gänsike und Udo Tanske zu sehen ist. Und er braucht keine Gerte, wenn er seinen Wallach Veloz dazu bringt, im vollen Galopp in den Transporter zu laufen. Wohlgemerkt, in den fahrenden Transporter.

Weinzierl setzt auf andere Dinge: Respekt und Vertrauen. Auch bei Veloz hat ihn das weit gebracht: Der braune Lusitano-Wallach sei früher einmal ein Problempferd gewesen, sagt Weinzierl. Veloz habe einige Besitzer abgeworfen, der letzte brach sich dabei die Rippen.

„Natural Horsemanship“ nennt sich die Methode, die Uwe Weinzierl auf seinem Hof im mecklenburgischen Neu Drefahl anwendet. Und nicht nur dort. Der Pferde-Experte wird deutschlandweit um Hilfe gebeten, wenn ein Pferd sich als schwierig erweist, wenn es bockt, sich nicht reiten lässt oder noch nicht einmal duldet, dass ihm ein Sattel aufgelegt wird. „Leider ist das Problem fast immer der Mensch“, sagt Uwe Weinzierl in der sehenswerten Dokumentation.

Im Fall von Charly hat sein Besitzer folgendermaßen für das Problem gesorgt: Er hat den Wallach vier Jahre lang mit drei Stuten auf der Weide gelassen. Als er ihn einreiten wollte, war das Tier alles andere als angetan, seine Rolle als Leittier aufzugeben – er setzte sich dauerhaft gegen alle Versuche zur Wehr, sich reiten zu lassen. Schließlich sollte Uwe Weinzierl helfen.

Die erste Folge der dreiteiligen Dokumentation begleitet Weinzierl und Charly dabei, wie sie sich annähern. Schon allein der Transport des Tieres auf Weinzierls Hof ist ein Problem: Zwei Tage braucht der Mann, um das Tier in den Transporter zu bekommen.

Auf seinem Hof dann zeigt Weinzierl, wie er arbeitet. Nach einer Methode, die 1998 im Film „Der Pferdeflüsterer“ mit Robert Redford und Scarlett Johansson in den Hauptrollen einem größeren Publikum bekannt wurde. Ein Film, der eben nicht Monty Roberts und seine Methode des „Join up“ porträtierte, sondern die Methode von Buck Brannaman. Anders als Roberts bricht Brannaman nicht den Willen des Pferdes, damit es ihm folgt. Vielmehr vermittelt er den Tieren per Körpersprache, wer der Boss ist: Nämlich der Mensch. Dazu muss der Pferdeflüsterer die Tiere sehr gut lesen können.

„Jetzt wird man‘s gleich quietschen hören“, sagt Weinzierl, während Charly nach zwei Jahren Arbeit seiner neuen Herde zum ersten Mal begegnet. Kaum hat Weinzierl es ausgesprochen, ist das Quieken der Pferde zu hören, die neu ausmachen müssen, wer denn jetzt der Boss auf der Koppel sein wird. Und auch an anderen Stellen wird deutlich, wie leicht es Weinzierl fällt, Pferde zu verstehen.

Weinzierl selbst ist zu dieser Methode über Umwege gekommen. Früher hat er sein Geld als Kabarettist verdient. Doch er hatte die Nase voll von den häufigen Auftritten, warf das Handtuch und widmete sich der Kommunikation mit Pferden. Die reizt ihn auch nach Jahren noch, gerade die schwierigen Fälle haben es ihm angetan: „Ich hab sowieso den Eindruck, dass sowohl unter den Tieren als auch unter den Menschen diejenigen die wertvollsten sind, die sich verweigern“, sagt er irgendwann in der Dokumentation, die deutlich macht, das seine Therapie nicht nur bei den Tieren wirkt. Auch die Besitzer ändern sich.

Die weiteren Folgen zeigt der NDR am 25. April und am 2. Mai. Beginn ist jeweils um 21 Uhr.

Der Pferdeversteher, 18. April, 21 Uhr, NDR