Zum ZDF-Programm Sehenswert: TV-Thriller „Hard Sun“ frei nach David Bowie

Von Harald Keller

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Unter Druck: Sollen die geheimen Dateien über das bevorstehende Ende der Welt veröffentlicht oder dem MI5 zurückgegeben werden? Zwischen Detective Inspector Elaine Renko (Agyness Deyn) und Detective Chief Inspector Charlie Hicks (Jim Sturgess) entwickelt sich darüber ein handfester Streit. Foto: Hal Shinnie/ZDFUnter Druck: Sollen die geheimen Dateien über das bevorstehende Ende der Welt veröffentlicht oder dem MI5 zurückgegeben werden? Zwischen Detective Inspector Elaine Renko (Agyness Deyn) und Detective Chief Inspector Charlie Hicks (Jim Sturgess) entwickelt sich darüber ein handfester Streit. Foto: Hal Shinnie/ZDF

Osnabrück. Sportliche Action und psychologische Finesse: Mit immer neuen Wendungen sorgt der britische Mehrteiler „Hard Sun“ für Hochspannung, den das ZDF ab Montag, 16. April, ausstrahlt, und nimmt dem Agentengenre die James-Bond-Romantik.

Von 2002 bis 2011 lief im britischen Fernsehen eine Agentenserie, die innerhalb des Genres neue Töne anschlug. Bei „Spooks“, in Deutschland bei ZDFneo, konnten sich die Zuschauer nie sicher sein, dass alle Hauptfiguren das jeweils aktuelle Abenteuer überleben würden. Für ständige Spannung war gesorgt.

Zudem macht rückblickend Staunen, wie präzise die Autoren um Serienerfinder David Wolstencroft gesellschaftliche Zustände und politische Vorgänge analysiert hatten. Schon vor den Enthüllungen Edward Snowdons beschrieb eine „Spooks“-Folge beispielsweise die Abhöraktionen des britischen Geheimdienstes GCHQ. Zum „Spooks“-Produktionsstab zählte der Autor Neil Cross, der danach mit der Serie „Luther“ für Furore sorgte. Jetzt zeigt das ZDF an drei Abenden zusammengefasst seinen Sechsteiler „Hard Sun“. Wiederum eine Produktion, die dem Agentengenre alle Romantik austreibt.

Die ersten Bilder erinnern an einen Science-Fiction-Film. Die Sonne scheint zu explodieren. Wir befinden uns in einem Büro des Inlandsgeheimdienstes MI5. Agentin Grace Morgan (Nikki Amuka-Bird) verfolgt die eingehenden Informationen. Als sie deren Bedeutung erkennt, gefrieren ihr die Gesichtszüge. In einem der Wohnviertel südlich der Themse erreicht die Kriminalbeamtin Elaine Renko (Agyness Deyn) gerade ihr Zuhause. Ein junger Mann dringt auf sie ein, sie weiß sich zu wehren, geht am Ende doch zu Boden, schwer verletzt. Sie überlebt so gerade eben. Acht Monate später kehrt sie in den Dienst zurück. Sie wird der Ermittlergruppe um Charlie Hicks (Jim Sturgess) zugeteilt, als Ersatz für dessen Partner Alex, der im Dienst zu Tode kam. Hicks unterhält eine Affäre mit der Witwe des Toten und steht im Verdacht, Alex ermordet zu haben. Elaine Renko soll verdeckt gegen ihn ermitteln.

Ihr erster gemeinsamer Fall betrifft einen nicht alltäglichen Leichenfund. Ein junger Hacker hat sich aus einem Wohnturm zu Tode gestürzt. Renko entdeckt schnell, dass die Tatumstände fingiert wurden. Bei dem vermeintlichen Freitod handelt es sich um Mord.

Die Ermittlung nimmt einen dramatischen Verlauf. Der Tote war beim Stöbern in fremden Computernetzen auf ein streng gehütetes Geheimnis gestoßen. Der MI5 möchte um jeden Preis verhindern, dass diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Grace Morgan leitet die Operation und schreckt dabei auch vor Mord nicht zurück.

Autor Neil Cross vermengt Agententhriller, Krimi, macht Anleihen bei der Science Fiction – ein gewagtes Garn. So kühn es sich anhört, der Mix funktioniert, weil Cross das temporeiche Geschehen zwar mit sportlicher Action garniert, vor allem aber die vertrackte Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren in den Mittelpunkt rückt. Dem korrupten Hicks bleibt nicht verborgen, dass seine Kollegin Renko ihn ausspäht. Das Katz-und-Maus-Spiel, das wechselseitige Belauern, die unterschwelligen Bedeutungen ihrer Gespräche sorgen für fesselnde Szenen, dies umso mehr, als die beiden bald zwingend aufeinander angewiesen sind. Nur gemeinsam können sie dem MI5 die Stirn bieten, der sie und ihre Angehörigen ins Visier nimmt. Eine Jo-Jo-Beziehung ganz eigener Art.

Zur übergreifenden Handlung gesellen sich episodische Geschichten, in denen die Kriminalisten mit bizarren Morden zu tun bekommen. Die stehen in Zusammenhang mit einer apokalyptischen Prophezeiung. Autor Neil Cross spielt auch in diesen Passagen das zentrale Thema seines Mehrteilers durch: Wie reagieren die Menschen, wenn sie zu wissen glauben, dass die Erdgeschichte zur Neige geht?

Inspirieren ließ sich Cross von einem Popsong: David Bowies „Five Years“. Reizvoll, Bowies Zeilen und den Film zu vergleichen – einige der in den Strophen angerissenen Motive tauchen in „Hard Sun“ wieder auf.

„Hard Sun“: ZDF, 16. April 2018, 22.15 Uhr sowie am 22. und 23. 4. und in der ZDF-Mediathek


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