TV-Programm am Montagabend Justiz- und Familiendrama: Der Richter mit Heino Ferch

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Heino Ferch als Richter Glahn befragt Victoria Sordo als Rechtsmedizinerin Michaela Biel. Foto: Christoph Holsten/ZDFHeino Ferch als Richter Glahn befragt Victoria Sordo als Rechtsmedizinerin Michaela Biel. Foto: Christoph Holsten/ZDF

Osnabrück . Hier dieser Film nun ein Justizdrama? Oder doch eher das Porträt einer gescheiterten Familie? Der ZDF-Fernsehfilm der Woche mit Heino Ferch am Montag, 16. April um 20.15 Uhr kann sich nicht recht entscheiden. Sehenswert ist er trotzdem.

So fangen Regisseure heute gern ihre Filme an: mit dem Höhepunkt, meist weit hinten im Film angesiedelt. Um dann weit nach vorne zu blenden und zu erzählen, wie es zu dieser fatalen Situation kam. Auch Markus Imboden macht das so, Regisseur des Films „Der Richter“, der am Montag als ZDF Fernsehfilm der Woche ausgestrahlt wird.

Und so sieht man als Erstes Heino Ferch: Waffe in der Hand, wilder Blick; offenbar kein cooler Auftragskiller, sondern eher ein Normalo, der unfreiwillig und der Umstände wegen zum Brutalo geworden ist. Schräg vor Ferch robbt ein Mann rückwärts über den Boden, angstvoll, panisch, bittend und bettelnd. „Halts Maul“, schreit Ferch und legt an…

Schnitt. Und dann steht Heino Ferch dort, wo er hingehört: in schwarzer Robe auf der richtigen Seite des Gesetzes. Dr. Joachim Glahn, Vorsitzender Richter am Berliner Landgericht, das ist der Mann, den er verkörpert. Ein unbeugsamer Mann, der sich in seine Fälle verbeißt und unbedingt der Gerechtigkeit die Ehre geben will. Dafür geht er auch schon mal ungewöhnliche Wege, etwa, wenn er zusammen mit seinem jungen Kollegen Gernot Wollenkamp (Sebastian Urzendowsky) den möglichen Hergang eines Mordes nachstellt und dabei keine persönlichen Mühen scheut.

Ein übler Mord in der Baumafia

Es ist ein übler Mord, den Richter gerade am Hals hat, und einen Beschuldigten, der schon viel zu oft den Kopf aus der Schlinge gezogen hat. Baumafia, organisiertes Verbrechen, das große Geld – sowas steckt dahinter, und Glahn will den Beklagten Holger Wieland (Wolfram Koch) unbedingt an den Haken kriegen. Soweit, so Krimi.

Und dann kommt die Familiengeschichte als da sind: Tochter Luise (Elisa Schlott), Jura-Studentin in den letzten Zügen, die wie sich bald herausstellt, ein Drogenproblem hat; Gattin Alexandra ( Gesine Cukrowski), die neben dem schicken Bungalow eine Praxis betreibt; und Mutter Gisela (Marie Anne Fliegel), alkoholkrank, aggressiv, krakeelend, keine Zierde für den Richter-Sohn und dann doch erstaunlich schnell wieder in der Spur. Und Gerichtsmedizinerin Michaela Biel (Victoria Sordo), Ex- und Bald-wieder-Geliebte von Richter Glahn.

Was denn nun? Justiz- oder Familiendrama?

Das Nebeneinander und Ineinander von Familiengeschichte und Krimihandlung ist es, die den Film zusammenhält, ihn aber auch ein bisschen unentschlossen macht. Was soll es denn nun sein? Krimi oder Familiendrama? Beruflicher Gewissenkonflikt oder private Krise? Zwischen diesen Polen schwankt der Film stets hin und her.

Darunter leidet die eigentlich spannende Situation: dass ein Richter durch die Entführung seiner Tochter in einem laufenden Gerichtsverfahren unter Druck gesetzt wird. Denn der Angeklagte Wieland schafft es mit Leichtigkeit, seine in Freiheit befindlichen Kollegen mit der Verschleppung von Luisa zu beauftragen. Und was macht der Richter? Er hat – schon allein wegen der fortgeschrittenen Sendezeit – keine Muße, sich lange mit Gewissensfragen zu beschäftigen. Ratzfatz hat er den Plan voreinander, wie er mehr oder weniger im Alleingang seine Tochter retten und den Täter bestrafen kann. Und das unter völliger Umgehung der Strafprozessordnung und vieler juristischer und moralischer Gesetze.

Man weiß nie, wie man in Notlagen selbst reagiert

Passt das zu dem unbeugsamen Gesetzeshüter, als der Richter Glahn im Film vorgestellt wird? „Das Spannende ist“, sagt Darsteller Heino Ferch in einem ZDF-Interview, „dass wir alle ja nie wissen, trifft uns morgen eine Situation, wo wir so reagieren, wie wir es vorher nie gedacht haben. Und das ist doch bei jemandem wie ihm, der ein doch so vermeintlich gefestigter und von sich überzeugter Charakter ist, da kommt auch er unter die Räder.“ Soweit unter die Räder, dass er schließlich mit der Waffe in der Hand als Täter über einem bettelnden Opfer steht. Ob er abdrückt? Das müssen Sie selber sehen. Und wie es mit Tochter, Frau, Mutter und Geliebter ausgeht auch.


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