Neue Netflix-Serie „Lost in Space“ auf Netflix: Vater, Mutter, Alien

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Neu auf Netflix: Die zehnteilige Serie „Lost in Space“ schickt eine Kleinfamilie auf einen unbekannten Planeten. Vorbild der Robinsonade um die Robinsons ist das gleichnamige Format aus den 60er Jahren. Foto: NetflixNeu auf Netflix: Die zehnteilige Serie „Lost in Space“ schickt eine Kleinfamilie auf einen unbekannten Planeten. Vorbild der Robinsonade um die Robinsons ist das gleichnamige Format aus den 60er Jahren. Foto: Netflix

Berlin. Eine Familie strandet im Weltall: Mit „Lost in Space“ zeigt Netflix ab Freitag eine neue Version der gleichnamigen 60er-Jahre-Serie.

Der Streamingdienst Netflix legt die 60er-Jahre-Serie „Lost in Space“ neu auf. Was ist besser: das kunterbunte Original oder die neue Fassung?

„Lost in Space“: So poppig waren die Sixties

Als die Fernseh-Familie Robinson 1965 zum ersten Mal im Weltall verloren ging, war ihre Serie „Lost in Space“ noch schwarz-weiß. Erst mit der zweiten Staffel kam Farbe ins Spiel, und die Freude darüber war unübersehbar gewaltig: Weltraum-Magier tragen nun Glitzersterne auf ihrem lila Strech-Dress, galaktische Würdenträger werfen die goldlackierte Stirn in Falten und beim Angriff von Kobolden und Killerfröschen ist die Strahlkraft der Laser-Kanonen nicht halb so bedrohlich wie die der knallroten Haare und quietschgrünen Gummiflossen.

Das Weltall wird in den drei Staffeln von Irwin Allens Format zum gewaltigen Bastelkeller, in dem eine Spielkind-Fantasie sich ungebremst austobt. Erst vor wenigen Tagen war der 50. Geburtstag von Stanley Kubricks „2001“; und dass dieser Klassiker der philosophischen Science Fiction zeitgleich mit der fröhlichen Naivität der Serie produziert wurde, macht das TV-Abenteuer noch liebenswerter. (Netflix-Sci-Fi mit Natalie Portman: Wie gut ist Alex Garlands Film „Auslöschung“?)


Robinson Crusoes Erben im All

Vor zwanzig Jahren schaffte auch „Lost in Space“ es auf die Leinwand, in einer Version mit William Hurt und Gary Oldman. 2004 folgte ein Serienpilot von John Woo, dem dann allerdings keine weiteren Episoden folgten. Jetzt erweckt Netflix den Stoff mit einer ersten Staffel wieder zum Leben. Nach den ersten Episoden drängt sich der Eindruck auf: Die Naivität ist geblieben; der Charme von damals aber hat sich nicht erhalten. Vielleicht gerade wegen des technischen Standards: Ein halbes Jahrhundert später ist im Weltall kein Platz mehr für Handgemachtes.

Wie damals erzählt „Lost in Space“ von einer Kleinfamilie, die auf dem Weg zu Weltraumkolonien vom Weg abkommt. Gestrandet auf einem fremden Planeten, erleiden sie ein Schicksal wie Robinson Crusoe – weshalb sie auch diesmal den Nachnamen Robinson tragen. Wie im Vorbild aus den Sechzigern sind die Gefahren der fremden Welt nicht die einzige Bedrohung von Eltern und Kindern; in Gestalt von Dr. Smith ist auch ein irdischer Verräter unter den Antagonisten. Dass die Figur diesmal eine Frau ist, wird dem Ruf nach weiblichen Rollen gerecht. An der eher schlichten Aufteilung in Gut und Böse ändert die Überarbeitung nichts. (Dehalb hat „Dark“ auch in Amerika Erfolg: So funktioniert derNetflix-Algorithmus)

Neu auf Netflix: Die zehnteilige Serie „Lost in Space“ schickt eine Kleinfamilie auf einen unbekannten Planeten. Vorbild der Robinsonade um die Robinsons ist das gleichnamige Format aus den 60er Jahren. Foto: Netflix

Immer in Not: Bei „Lost in Space“ überschlagen sich die Ereignisse

Während die Zuschauer über Rückblenden und Nebenhandlungen mit Hintergrundwissen zum Personal versorgt werden, sind die Robinsons selbst über die schurkische Natur Dr. Smiths zunächst im Unklaren. Die gefährlichen Herausforderungen des fremden Planeten sind einfach zu zahlreich. In atemloser Ereignisdichte jagt „Lost in Space“ die Helden in immer neue Gefahren, bevor die alten auch nur halbwegs bewältigt sind: Als gleich zu Beginn die älteste Tochter in einem Eissee eingeschlossen ist, bricht Maureen (Molly Parker), die Mutter, sich beim Bergungsversuch ein Bein, während der Vater den Jüngsten ein einer Eisspalte verliert. Im Streit um die Frage, welches Kind nun zuerst zu retten ist, muss John (Toby Stephens) seiner Frau sogar ausdrücklich sein Zeitmanagement erklären. (#MeToo: Wie teuer war die Trennung von Kevin Spacey für Netflix?)

Die Netflix-Serie verpasst ihr eigenes Kernthema

Außerirdische Raumschiffe, intelligente Roboter, Treibstoff fressende Monster-Aale: Die Horrorszenarien, mit denen die Robinsons konfrontiert werden, sind enorm. Trotzdem bewegen die Robinsons sich mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit durch eine Welt, von der sie rein gar nichts wissen. Wirkliches Erstaunen über die galaktischen Wunder lösen allenfalls die Schönheiten der extraterrestrischen Natur aus oder der Aufgang namenloser Sonnen. Im äußersten Extrem konfrontiert „Lost in Space“ die innere Vertrautheit einer Familie mit der Fremdheitserfahrung im All – ein Gespür für die Verlorenheit im Unbekannten entwickelt die Serie aber nicht. Statt sich in ihrer neuen Welt zu orientieren, klären die Helden in ruhigen Momenten lieber die Beziehungsprobleme der alten. In dieser Hinsicht ist die Neuauflage nicht weniger arglos als das Original. Da sah man die Helden zwischendurch beim Weltraum-Bowling.

„Lost in Space“: Die zehn Episoden der ersten Staffel sind ab Freitag, 13. April 2018, auf Netflix verfügbar.


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