TV-Programm am Donnerstag Herzkino: Pfarrer trifft auf Ex-Freundin in „Tonio und Julia“ im ZDF

Von Susanne Haverkamp

Ungleiches Duo in Oberbayern: Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill) und Familientherapeutin Julia Schindel (Oona Devi Liebich). Foto: Erika Hauri/ZDF/dpaUngleiches Duo in Oberbayern: Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill) und Familientherapeutin Julia Schindel (Oona Devi Liebich). Foto: Erika Hauri/ZDF/dpa

Zwei Folgen Herzkino: In einer neuen Pfarrer-Reihe spielt Maximilian Grill den smarten katholischen Priester Tonio Niederegger. Die Therapeutin Julia Schindel (Oona Devi Liebich) unterstützt ihn in der gemeindeeigenen Familienberatungsstelle in Bad Tölz. Doch sie ist nicht nur Hilfe, sondern auch Versuchung. Am Donnerstag, 12. April und 19. April 2018 um 20.15 Uhr im ZDF.

Über den Vorspann muss man irgendwie hinwegkommen: weißblauer Himmel, saftig-grüne Wiesen, spiegelglatter See, seliges Lächeln. Wenn man Filme auswringen könnte, käme aus der ersten Minute Weißbier raus. Aber halten Sie durch: Es wird besser. „Die Gegend ist halt schön“, sagt Maximilian Grill im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Gegend, das ist Bad Tölz in Oberbayern, und Maximilian Grill kennt sie gut. „Ich bin ich München geboren und aufgewachsen. Aber meine Großeltern wohnten lange in Bad Tölz, und ich war in den Ferien oft da. Es war toll, dort zu drehen und vieles wiederzuerkennen. Gerade, wenn man irgendwo lange nicht war, merkt man ja, wie schön es dort ist.“

Wer Maximilian Grill aus früheren Serienrollen wie die des Oberarztes Doktor Behring in der ZDF-Serie „ Bettys Diagnose „ kennt oder als TV-Kommissar Andreas Kringge in der Sat1-Reihe „ Der letzte Bulle „, wird schon beim ersten Satz, den er sagt, stutzen: Er spricht bayerisch. Fließend. „Das war ein großer Wunsch von mir, in einem Film bayerisch zu reden“, sagt der Wahl-Berliner. Auch die Trachtenkleidung, die er im Film gelegentlich trägt, passt zu ihm. „Das ist zwar ein Kostüm, aber keine Verkleidung“, sagt. „Als Junge hatte ich auch eine Lederhose.“

„Ich will in der Kirche kein Schmarrn machen“

So gesehen passt die Rolle als Tölzer Pfarrer Tonio Niederegger zu ihm. Und passt sie auch sonst? „Als ich das Rollenangebot bekommen habe, habe ich gedacht: Find ich super; je weiter weg, desto besser!“ Wieso denn „weiter weg“? Hat er es nicht so mit Kirche und Glaube? „Mit Kirche nicht. Aber Glaube ist bei mir schon ein Thema, das ist ein wichtiger Bezugspunkt im Leben“, sagt Grill.

Um trotzdem mit seiner Pfarrerrolle zurechtzukommen, gerade in den (wenigen) Szenen in der Kirche, hat er sich beraten lassen. Auch vom echten Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair. „Erst hatte er, glaube ich, doch ein paar Bedenken, mir seine Kirche zu überlassen. Er hat bestimmt gedacht: Was macht der da für ein Schmarrn. Aber als wir uns kennengelernt haben und er gemerkt hat, dass ich kein Schmarrn machen will, da hat er mir in allem geholfen.“ Zum Beispiel, als es darum ging, ein Kind liturgisch korrekt zu taufen. „Da war er bis zum Beginn des Drehs dabei.“

Aber tatsächlich geht es nur am Rand um Liturgie und Gottesdienst. Denn hauptsächlich arbeitet Tonio Niederegger in der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle, die in den Gemeinderäumen angesiedelt ist. Dort soll er Unterstützung bekommen – und es bewirbt sich Julia Schindel (Oona Devi Liebich), ausgebildete Therapeutin, ebenfalls ein Tölzer Gewächs und Tonios frühere Klassenkameradin – wobei „Kameradin“ stark untertrieben ist. Julia ist direkt nach dem Abitur weg aus dem Ort, aber jetzt will sie zurück – auch weil sie Abstand von Berlin braucht, wo sie lange eine heimliche Beziehung zu ihrem verheirateten Kollegen Paul (Simon Böer) hatte. Nur „restkatholisch“ wie sie ist, hat sie das moralisch nie gestört, aber darf sie das als Angestellte der katholischen Kirche – zumal, als Paul ihr hinterherreist und sich bei ihr einnistet?

Es knackt und knistert wischen Tonio und Julia

Der Film, der zunächst in zwei Folgen heute und am kommenden Donnerstag im ZDF läuft, ist eine Mischung aus beruflichen und privaten Verwicklungen. Tonio und Julia haben beide ihre komplizierten Familien vor Ort – schon das bietet eine Menge Stoff. Hinzu kommen die Klienten in der Beratungsstelle und natürlich die Beziehung zwischen den beiden, denn es knistert und knackt zwischen Tonio und Julia von der ersten Minute an – und die ständigen Käbbeleien sind doch nur ein Ausdruck tiefer Zuneigung – wohl kein Zufall, dass „Tonio“ und „Romeo“ lautmalerisch nah beieinander liegen.

Wie tief die Zuneigung ist? Das werden die nächsten Filme zeigen. „Ab Mai drehen wir zwei weitere Folgen“, sagt Maximilian Grill. „Und dann mal sehen, wie es den Zuschauern gefällt.“ 50 oder 60 Teile wie bei „Bettys Diagnose“ oder „Der letzte Bulle“ müssen es ja nicht zwingend werden. „Ich habe diese Rollen immer sehr gern gespielt“, sagt der Schauspieler. „Aber solche Serien verlangen ungeheuer viel Zeit, man kann praktisch nichts anderes mehr spielen. Und das will ich nicht; ich die die Vielfalt an Rollen.“ Jetzt also die des bayerischen Pfarrers, der – mal im Talar, mal in Shorts und mal in Lederhose – schon innerhalb einer Films enorm viele Rollen spielt.


Tonio und Julia. Kneifen gilt nicht

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