TV-Programm am Samstag Mit schwarzem Humor und Lokalkolorit: „Steirerkind“ in der ARD

Von Marie-Luise Braun

Es wird noch mal frostig: Kommissarin Sandra Mohr (Miriam Stein), ihr Vorgesetzter Sascha Bergmann (Hary Prinz, links) und Postenkommandant Völk (Johannes Zeiler) ermitteln in der kühlen Steiermark. Foto: ARD Degeto/Allegro Film/Stefan HaringEs wird noch mal frostig: Kommissarin Sandra Mohr (Miriam Stein), ihr Vorgesetzter Sascha Bergmann (Hary Prinz, links) und Postenkommandant Völk (Johannes Zeiler) ermitteln in der kühlen Steiermark. Foto: ARD Degeto/Allegro Film/Stefan Haring

Osnabrück. Zum zweiten Mal ermittelt die Schauspielerin Miriam Stein jetzt als Kommissarin Sandra Mohr in der Steiermark. Den ersten Teil, „Steirerblut“, hatte die ARD nach der Produktion durch den ORF gekauft. „Steirerkind“ hat der Sender koproduziert.

Sie gönnen sich wirklich keinen Zentimeter. Lässt Sascha Bergmann (Hary Prinz) eine seiner anzüglichen Bemerkungen fallen, kontert Sandra Mohr (Miriam Stein) sofort und treffsicher. Ihr Vorgesetzter ist zwar wesentlich älter, doch sie lässt sich von beidem nicht beeindrucken. Wird es ihr zu viel, schiebt sie dem Ganzen einen Riegel vor. „Jetzt reicht’s auch wieder“, sagt Sandra Mohr dann. Und Bergmann fügt sich.

Zum zweiten Mal gehen die beiden Ermittler gemeinsam auf Verbrecherjagd in der Steiermark. Dabei steht irgendwie auch die Aufklärung des Falles im Zentrum. Mehr aber sind es die Charaktere, die der ländlichen Umgebung entsprungen sind. Mehr ist es auch die Beziehung der beiden Ermittler. Und auch der Entwicklung der Geschichte voller Lokalkolorit wird viel Platz eingeräumt.

„So ein Dorf ist noch mal ein ganz eigener Mikrokosmos“, sagt Miriam Stein im Gespräch mit unserer Redaktion über die Folgen der Reihe, in der sie zum ersten Mal 2014 zu sehen war. „Steirerblut“ war eine der ersten Folgen, die für die österreichische Reihe „Landkrimi“ gedreht wurde. Da ermitteln Kommissare aus den neun Bundesländern des Alpenstaates. Wenige Folgen sind in Deutschland zu sehen.

Wegen des Lokalkolorits darf gern Dialekt zu hören sein. Zumindest, wenn es um die Fassungen für den ORF geht. Für die Ausstrahlung in Deutschland soll es bitte nicht zu viel österreichischer Zungenschlag sein. Deshalb werden Folgen anders vertont oder nachträglich synchronisiert.

Warum eigentlich? Gerade das trägt doch wesentlich zum Charme einer solchen Serie bei. Miriam Stein findet das auch. „Man sollte den Zuschauern schon mehr zutrauen“, meint die 29-Jährige. Und: „Selbst wenn man nicht jedes Wort versteht, es geht doch um die Atmosphäre.“

Einem größeren Publikum bekannt geworden ist Miriam Stein durch „Unsere Mütter unsere Väter“ (2013). Immer ist ihr Spiel durch große Intensität geprägt. Oft trägt ihre Figuren eine Sensibilität, aus der Stärke erwächst. Derzeit steht Stein für den Film „1000 Dinge“ von Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer vor der Kamera.

Als Sandra Mohr verkörpert Stein eine junge Polizistin mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. „Sie ist frisch im Job und hat mehr Energie“, sagt Stein mit Blick auf den älteren Kollegen. Für die Reibereien sei das Alter allerdings nicht relevant: „Beide haben eine spezielle Sichtweise auf das Leben“, erläutert sie und fügt hinzu: „Die Figuren definieren sich stark über die Sprache.“ Das ist freundlich formuliert für ein Verbalpingpong, bei dem jeder gewinnen will. Oft bleibt der Ball bei dem Älteren liegen. Denn seine Sprüche entspringen einem anhaltenden Frust darüber, dass er Single ist. Zum Teil sind die Sprüche reichlich grenzüberschreitend. Sexistisch findet Miriam Stein die Äußerungen ihres Gegenübers allerdings nicht: „Es wird deutlich, dass er ein Problem hat. Man darf das nicht zu sehr auf sich beziehen.“

Auch sonst baut die Folge – wie auch die erste – auf Schlagfertigkeit, Wortwitz und schwarzen Humor. Alles das stamme aus der Feder von Maria und Wolfgang Murnberger, betont Stein. Die beiden haben das Drehbuch nach der Vorlage von Claudia Rossbacher verfasst.

Darin machen sich Mohr und Bergmann in Schladming während des „Nightrace“ auf die Suche nach dem Mörder des Trainers der Ski-Nationalmannschaft (Rainer Wöss). Der war wahrlich kein Sympathieträger, und so sind die Verdächtigen nicht nur bei seiner Familie (verkörpert von David Rott, Martina Zinner und Jeremy Miliker), seinem Ziehsohn (Ferdinand Seebacher) und im Sportteam (Marcus Mittermaier) zu suchen. Nicht immer bleibt dabei die Spannung erhalten. Für Unterhaltung sorgen dann die Sprüche und die besondere Atmosphäre, die durch die Musik von Roman Kariolou unterstützt wird.