Heute Abend im TV auf ZDFneo Der letzte Bulle lebt jetzt in Paris

Von Harald Keller

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Das neue Duo könnte nicht unterschiedlicher sein: Lieutenant Falco (Sagamore Stévenin, links) stellt den Berufsalltag seines eher biederen Kollegen Romain Chevalier (Clément Manuel) gehörig auf den Kopf. Foto: ZDF/Jean-François BaumardDas neue Duo könnte nicht unterschiedlicher sein: Lieutenant Falco (Sagamore Stévenin, links) stellt den Berufsalltag seines eher biederen Kollegen Romain Chevalier (Clément Manuel) gehörig auf den Kopf. Foto: ZDF/Jean-François Baumard

Osnabrück. Eine deutsche Erfolgsserie kehrt zurück – auf dem Umweg über Frankreich. Mit gallischem Flair, mehr Gefühl und Austern am Strand. ZDFneo zeigt immer freitags in Doppelfolgen die französische Serie „Falco“.

Der Allgemeinplatz hält sich hartnäckig: Deutsche TV-Serien gelten angeblich nichts im Ausland. Dabei wird geflissentlich übersehen: Mit „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ verzeichnet RTL seit Jahren einen internationalen Verkaufserfolg. Über 120 Länder übernehmen die aktionsgeladene Mischung aus Komödie, Krimi und Karambolagen. Auch in den USA wird die Serie ausgestrahlt, zur Hauptsendezeit in synchronisierter Version auf dem spanischsprachigen Kanal Vme, der nach eigenen Angaben 15,5 Millionen Haushalte erreicht.

Nicht der einzige deutsche Exportschlager. 2010 verbuchte Sat1 mit der Eigenproduktion „Der letzte Bulle“ einen Quotenerfolg. Fernsehpreise gab es obendrein. Unter anderem für die beiden Drehbuchautoren Stefan Scheich und Robert Dannenberg. Die hatten die Idee zu „Der letzte Bulle“ noch während ihrer Studienzeit an der Filmakademie in Ludwigsburg entwickelt. Und auf Anhieb einen Hit gelandet. Nicht nur in Deutschland. Die Originalserie konnte ins Ausland verkauft werden, und es gab Adaptionen. In den USA entstand ein Pilotfilm, in Japan eine TV-Serie, gefolgt von einem Kinofilm.

Auch in Frankreich fand man Gefallen an dem Konzept. Die dort ab 2013 produzierte Version kommt jetzt nach Deutschland. Serienerfinder Stefan Scheich hat, wie er auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, keine Erinnerung daran, wie er und Robert Dannenberg von der Adaption erfahren haben. Gesehen haben die beiden, die unter anderem bei Serien wie „Der Lehrer“ weiterhin zusammenarbeiten, die französische Neufassung bis auf einen Trailer noch nicht. Beim Vergleich ist Stefan Scheich deshalb vorsichtig. „Sieht alles etwas actionreicher beziehungsweise ‚härter‘ aus. Genauer vermögen wir das aber gar nicht zu ‚analysieren‘, da wir beide des Französischen nicht mächtig sind.“

Tatsächlich betont Clothilde Jamin, die das deutsche Serienformat federführend adaptiert hat, zumindest zu Beginn die dunklere Seite des Dramas. „Der letzte Bulle“ bezog sehr viel Humor aus den Versuchen des nach zwanzig Jahren aus dem Koma erwachten Mick Brisgau (Henning Baum), sich mit den inzwischen erfolgten Veränderungen zu arrangieren. Mit Fremdkörpern wie Handys, Computern, MP3-Playern. Nicht jede Neuerung machte er mit, fuhr lieber Oldtimer und blieb bei der Musik der 80er, dem letzten Jahrzehnt, das er bewusst erlebt hatte. In dem Punkt übertrieb Sat1 allerdings arg, rührte einen wüsten, oft gar nicht zum Charakter der Hauptfigur passenden 80er-Sound-Brei zusammen, der verkaufsträchtig auf CD erschien.

Die Franzosen untermalen das Geschehen dezenter, mit Musik von Téléphone, Rossini, Zwanie Jonson, vor allem einem stimmungsvollen Originalsoundtrack von Alexandre Fortuit. Auch schauspielerisch hebt sich „Falco“ vom Vorbild ab. Hauptdarsteller Sagamore Stevenin wirkt weniger robust als Brisgau-Darsteller Henning Baum, zeigt mehr Gefühl. Inszenatorisch gelingen Regisseur Alexandre Laurent einige Kabinettstückchen. Im Pilotfilm wird Falco von seiner Pflegerin in den Trainingsraum geschoben. Es folgt eine trickreiche kreisende Kamerafahrt, die Falcos Weg vom gebrechlichen Reha-Patienten bis zur Wiederherstellung begleitet, wobei immer mehrere dieser Fortschritte gleichzeitig im Bild zu sehen sind.

Der tragische Kern der Geschichte blieb erhalten: Falcos Ehefrau ist neu liiert, seine Tochter inzwischen erwachsen, und er muss mit einem jungen Musterknaben zusammenarbeiten, dem die rustikalen Methoden und der Zigarettenkonsum des Kollegen überhaupt nicht behagen. Die erzählten Kriminalfälle sind neu und an Pariser Verhältnisse angepasst. Französische Lebensart wird auch erkennbar, wenn sich der frustrierte Falco aufs Motorrad schwingt und an die Küste fährt, wo er am Strand eine Portion Austern schlürft. Dem Ruhrpottgewächs Mick Brisgau wäre der delikate Glibber nie über die Lippen gekommen.

Falco. Ab heute, 21.45 Uhr, ZDFneo, je zwei Folgen


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