Juri Winkler als fieser Felix Tatort „Unter Kriegern“ aus Frankfurt: Aufmarsch der Widerlinge

Von Joachim Schmitz


Der Tatort kam an diesem Sonntag aus Frankfurt: „Unter Kriegern“ ist der siebte Auftritt für Margarete Broich als Anna Janneke und Wolfram Koch als Paul Brix. Der Krimi kommt daher wie ein langer schlechter Traum – mit einer Parade der Widerlinge.

Man kann gar nicht so schnell zählen, wie die Kotztüten in diesem Tatort aufmarschieren. Gleich zu Beginn wird Fosco Cariddi (Bruno Cathomas), der Chef der Frankfurter Ermittler Janneke und Brix, nach einem eher harmlosen Rempler von seinem Kontrahenten mit einer brutalen Kopfnuss niedergestreckt. (So war der letzte Frankfurter Tatort)

Kurz darauf stellt uns Regisseurin Hermine Huntgeburth den extrem unangenehmen Leiter eines Sportleistungszentrums vor: Joachim Voss (Golo Euler) ist nicht nur ein rücksichtsloser Karrierist, sondern demütigt auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine etwas schlicht gestrickte Frau (Lina Beckmann). Daran beteiligt sich mit Vorliebe sein zwölfjähriger Stiefsohn Felix (Juri Winkler), ein kleiner Satansbraten, der in der Schule Lehrer korrigiert und Mädchen mobbt. Dass er vom ehrgeizigen „Jo“ beim Rudertraining angetrieben wird, bis er erbricht, schmälert die Bewunderung des kleinen Widerlings für den großen Widerling mitnichten.

Qualvoll verdurstet

Ach ja, eine Leiche gibt’s auch noch: Im Heizungskeller des Sportzentrums wird ein elfjähriger Mitschüler des fiesen Felix gefunden, der in einem verschlossenen Kessel qualvoll verdurstete. Den blutig gekratzten Fingerkuppen des Migrantensohns Malte Rahmani ist noch der verzweifelte Versuch anzusehen, dem tödlichen Gefängnis zu entkommen – ein Anblick, der vor allem Janneke unter die Haut geht.

Kollege Brix hingegen erleidet einen Anfall von Vorverurteilung. In höchstem Maße tatverdächtig ist ihm von Anfang an Hausmeister Sven Brunner, ein psychisch labiler und therapiebedürftiger Ex-Hooligan mit hoher Gewaltbereitschaft, der sich mehrfach privat mit dem Opfer getroffen hatte. Gespielt wird dieser Brunner von einem alten Bekannten des Tatort-Publikums: Stefan Konarske, der sich erst kürzlich aus dem Dortmunder Ermittlerteam verabschiedet hat und in dieser neuen Rolle höchst eigenwillig daherkommt. (Das war Stefan Konarskes letzter Auftritt im Dortmunder Tatort)

Sadisten und Gestörte

Nichts und niemand ist gut in diesem Tatort. Sämtliche Figuren sind überzeichnet, entweder sadistisch veranlagt, gewalttätig oder psychisch gestört. Die Handlung kommt wie aus einem schlechten Traum. Weit und breit kein Mensch, mit dem man sich identifizieren möchte. Und zum Ende wird natürlich auch nicht alles gut. Aber immerhin: Es ist konsequent.

Vor ziemlich genau zwei Jahren zeigte das Erste den Frankfurter Tatort „Die Geschichte vom bösen Friederich“, einen fulminanten Thriller, den Hermine Huntgeburth wie auch jetzt nach einem Drehbuch ihres Ehemanns Volker Einrauch inszenierte. Einen ähnlichen Titel hätte auch „Unter Kriegern“ verdient gehabt – wahlweise „Die Geschichte vom bösen Joachim“, „Die Geschichte vom bösen Felix“ oder auch „Die Geschichte vom bösen Unbekannten“. (So stark war „Die Geschichte vom bösen Friederich“)

Beängstigend böse

Dieser Unbekannte, der gleich zu Beginn den Kommissariatsleiter zu Boden streckt, hat übrigens keinerlei Anbindung an die übrige Geschichte. Vielleicht dient er ja nur dazu, das Publikum einzustimmen auf die extrem negativen Schwingungen, die dieser Krimi verbreitet. Zum Ende hin gibt’s zwar ein Wiedersehen mit dem bösen Unbekannten, aber auch das hat mit dem eigentlichen Fall nichts zu tun. Es bleibt ein Rätsel, was dieser Mann in diesem Film soll.

Eine zentrale Rolle nimmt dagegen der fiese Felix ein, beängstigend dargestellt von Juri Winkler. Der ist zwar gerade mal 14, aber in der Branche längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bekannt wurde er vor allem durch seine Hauptrolle als Oskar in den „Rico & Oskar“-Filmen. Nach diesem Tatort kann man sicher sein, ihn noch häufiger zu sehen. Denn wer schon als Kind so böse sein kann, wird vermutlich mal ein richtig guter Schauspieler.

Tatort: Unter Kriegern. Das Erste, Sonntag, 8. April 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 3 von 6 Sternen