WDR, 26.08., 22 Uhr, Hauptsache hübsch – Reportage über Qualzucht

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Wer für den Mensch schön sein muss, der leidet – der Mops unter schwerer Atmung selbst im Stand und einer Nase, die keine Kühlung bringt. Foto: WDRWer für den Mensch schön sein muss, der leidet – der Mops unter schwerer Atmung selbst im Stand und einer Nase, die keine Kühlung bringt. Foto: WDR

Osnabrück. Der Hund steckt in einem Dilemma, denn süß geht häufig vor gesund. Seit Jahren richten sich vereinzelte Züchter und Tierärzte gegen den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), der das Problem Qualzucht bis heute nicht entschlossen angeht. Die Dokumentation „Reine Rasse, volle Kasse – Das Geschäft mit der Qualzucht“ beleuchtet gekonnt die grundsätzliche Problematik und den aktuellen Stand der Geschehnisse.

Qualzucht steht für eine Form der Zucht, bei der das Aussehen der Hunde wichtiger ist, als die Gesundheit der Tiere. Denn für viele Menschen muss ein Hund zuallererst hübsch und süß sein. Nun liegt Schönheit sicherlich im Auge des Betrachters, doch die Nachfrage zeigt, dass Hunde mit besonders ausgeprägtem Kindchenschema besonders gut ankommen. Kein Wunder also, dass die Augen immer größer und runder, die Nasen immer kürzer und die Tiere immer kompakter werden.

Neue Mode, neues Leid

All diese Faktoren treffen auch auf die Cavalier-King-Charles-Spaniel zu, eine der aktuellen Moderassen. Die kleine Amy gehört zu dieser Rasse. Sie hüpft durch die Gegend, schnappt in die Luft, sieht sich um, und setzt erneut zum Sprung an. Das ist nichts Ungewöhnliches für einen Hund, der eine Fliege jagt. Das Problem ist, dass Amy sich ständig so verhält, und – viel schlimmer –, dass sie sich die Fliegen nur einbildet. Ausgelöst durch eine angeborene Kleinhirnquetschung, sieht die Hündin ständig Insekten und kommt kaum zur Ruhe. Die Schädel dieser Rassehunde sind häufig einfach zu klein für das Gehirn.

Im Fokus der 45-minütigen Reportage steht Tierarzt und Tierschützer Ralf Unna. Er kämpft für ein neues Tierschutzgesetz. Und das, obwohl die Tierärzte und Pharmaindustrie seit geraumer Zeit sehr gut an Operationen und Medikamenten verdienen, die erst die Qualzucht nötig macht. Mobs und Bulldogge hecheln im Stand. Die Nasen, die die Hunde für die Abkühlung des Körpers benötigen, ist durch jahrelange Zuchtauslese derartig verkürzt, dass sie diese Funktion nicht mehr übernehmen kann. Die reine Lebensarbeit stellt für die Tiere, eine Herausforderung dar, vor allem im Sommer.

Viele reinrassige Britische Bulldoggen können sich auf natürliche Art und Weise nicht mehr vermehren. Die Beine der Rüden sind zu kurz, um das Weibchen besteigen zu können, sodass die Hunde abgesamt werden müssen. Auch nach der künstlichen Befruchtung der Weibchen gibt es Probleme, denn häufig ist das Becken der Tiere zu eng, um die Welpen auf natürlichem Wege auf die Welt zu bringen. Dann hilft nur noch der Kaiserschnitt.

In Großbritannien, wo die Hundezucht aus Tradition einen sehr hohen gesellschaftlichen Stellenwert genießt, kam es 2008 zu einem Eklat. Ausgelöst hatte ihn die Journalistin Jemima Harrison, die in einem Film aufdeckte, wie krank die preisgekrönten Hunde tatsächlich waren. In der Folge kündigten nahezu alle wichtigen Sponsoren dem britischen Zuchtverband, die BBC stellte die Übertragung von Hundeausstellungen ein. Fünf Jahre später besuchen Harrison und der deutsche Tierarzt Unna die „Crufts“, die größte Hundeausstellung der Welt in Birmingham.

Stillstand in Deutschland

Ergebnis: Es hat sich einiges getan. Die nach Harrisons Film überarbeiteten Zuchtrichtlinien und strengeren Tierarztkontrollen zeigen Wirkung. Deutlich weniger Züchter sind dabei, und nach jeder Siegerehrung prüfen Tierärzte vor Ort die Gesundheit der Tiere erneut. Auch wenn der Tierarzt durch die Veranstalter bezahlt wird, zeigt sich, dass in Großbritannien etwas passiert. Unna stellt fest: „Die können immer noch besser werden, aber sie machen was. Und bei uns machen sie nichts.“

Neben den Ergebnissen der Qualzucht beleuchtet die WDR-Reportage auch verschiedene Wege, wie Menschen mit Hundezucht im großen Stil Kasse machen. In den Niederlanden gibt es sogar eine regelrechte Welpen-Produktionsstätte. Hier müssen die Filmemacher sogar mit versteckter Kamera filmen, da die Betreiber nicht im Fokus öffentlicher Berichterstattung stehen wollen. Gut also, dass das Thema Qualzucht in den Medien ein Thema bleibt.

Reine Rasse, volle Kasse – Das Geschäft mit der Qualzucht, Montag, WDR, 26. August, 22 Uhr.


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