zuletzt aktualisiert vor

Mittwoch Abend im ARD-Programm Außenseiter: Murathan Muslu in „Das deutsche Kind“

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Streit um Pia wegen Vorbehalte gegen Islam: Hauptdarsteller Murathan Muslu (rechts), hier mit Katrin Sass (v. links), Lutz Blochberger, Malina Harbort und Neshe Demir, erkennt seine Rolle wieder. Foto: NDR/Banana Tree Film/Daniela IncoronatoStreit um Pia wegen Vorbehalte gegen Islam: Hauptdarsteller Murathan Muslu (rechts), hier mit Katrin Sass (v. links), Lutz Blochberger, Malina Harbort und Neshe Demir, erkennt seine Rolle wieder. Foto: NDR/Banana Tree Film/Daniela Incoronato

Die Debatte um Integration ist so aktuell wie nie zuvor. Mit „Das deutsche Kind“ zeigt Das Erste einen Spielfilm, der die Thematik aus migrantischer und muslimischer Perspektive erzählt. Hauptdarsteller Murathan Muslu sprach mit unserer Redaktion über Fremdsein und Teamwork.

went Osnabrück. „Das deutsche Kind“ erzählt die Geschichte des jungen Imams Cem, der für in seiner Gemeinde einen weltoffenen Islam predigt und dafür den Bau einer neuen Moschee durchgesetzt hat. Als Natalie ( Petra Schmidt-Schaller), eine enge Freundin der Familie, bei einem Unfall stirbt, nehmen Cem und seine Frau ihre Tochter Pia gemäß Natalies Verfügung bei sich auf - obwohl sie selbst schon eine Tochter haben. Damit zieht die Familie nicht nur den Unmut der Großeltern auf sich, sondern bald der gesamten Nachbarschaft. Bald muss Cem sich entscheiden zwischen seiner Mission als Imam und der Rolle als Ersatzvater für Pia. Hauptdarsteller Murathan Muslu, in Wien geboren, war begeistert von Paul Salisburys Drehbuch, da ihn die Rolle an seinen Cousin erinnert. „Als ich ungefähr zwölf war, hat er mich mit in eine Moschee in Istanbul genommen und in einem entspannten, ruhigen Gespräch über dies und das und das Leben an sich geredet,“ erinnert sich Muslu. „Das habe ich in Cem wiedererkannt, so dass sich die Figur für mich dramaturgisch gesehen wie ein Heimvorteil anfühlte.“ 

Vom Rapper zum Schauspieler

Der Regisseur des Films, Umut Dag, war es, der ihm die Filmwelt eröffnete, als Murathan Muslu noch Rapper war. „Wir haben ein paar Musikvideos mit Umut Dag gedreht,“ so Muslu. „Vielleicht habe ich darum auch keine Scheu vor der Kamera zu stehen. Umut war immer für uns da, hat unsere Videos für lau gemacht, weil wir kein Geld hatten. Als er mich dann für seinen Abschlussfilm haben wollte, habe ich aus Dankbarkeit mitgemacht und stehe heute nun hier.“ 

Eine Schauspielausbildung hat Muslu nicht. „Seitdem ich klein bin, hatte ich schon die Leidenschaft mir unzählige Filme immer und immer wieder anzusehen, ‚Pulp Fiction‘ hab ich sechzehnmal gesehen. Ich vermute, dass ich mein Gehirn dadurch unbewusst trainiert habe.“ Muslu sieht sich als Teamplayer. „Ich denke, drei oder vier Köpfe sind besser als einer. Ich rede gern vorher mit jemandem über eine Rolle, mit Kollegen, mit einem Coach. Ich musste allerdings auch noch keine richtig schwere Rolle spielen, sowas wie Daniel Day-Lewis, zum Beispiel in ‚My Left Foot‘. Die Rollen im TV ähneln sich leider oft sehr.“ 

An kein Land gebunden

Für viele Darsteller mit Migrationshintergrundschränkt das Aussehen die Palette der Rollenangebote stark ein. „Es ist leider so, dass die Optik eine große Rolle spielt,“ sagt Muslu. „Aber anscheinend habe ich mit meinem Aussehen Glück, dass ich sozusagen ‚beide Seiten‘ bedienen kann. Letztens hatte ich eine Rolle in Sat.1 mit dem Namen Robert Kleist. Und in einer Serie habe ich einen Jugoslawen gespielt - okay, trotzdem Ausländer, aber Staatsanwalt!“ In der Realität sah es da für Muslu mitunter anders aus. „Früher war ich mal bei einer Installateurfirma, da war ich ‚Der Murat‘, weil ich eben Türke bin. Aber wenn ich mal in ein türkisches Café gegangen bin, bekam ich manchmal Blicke, die sagten: Ist das ein Bulle?“ lacht Muslu. „Damit bin ich aufgewachsen, ich fühle mich generell als Außenseiter und an kein Land gebunden. Für mich gibt es keine Grenzen, es ist mir egal, woher jemand kommt. Wichtig ist nur, komme ich mit dem Gegenüber klar, ist er nett oder nicht?“ Mit diesem Credo scheint Murathan Muslu bislang gut zu fahren, nicht nur als Schauspieler. Mit einer Kollegin schreibt er an einem eigenen Drehbuch, verraten will er aber noch nichts darüber, bevor es fertig ist. „Gerade habe ich einen guten Lauf, mal sehen, wie lange noch. Das ist wie in jedem Job. Ich habe mal auf der Baustelle gearbeitet, da gibt es komische Firmen, wo du nie weißt, ob die morgen in Konkurs gehen oder nicht.“

Das Erste zeigt „Das deutsche Kind“ am Mittwoch, den 4.4. um 20.15 Uhr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN