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Heute Abend im ARD-Programm Ostermontag-Tatort „Zeit der Frösche“: Makatsch klar verbessert

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Der Tatort kommt heute zum ersten Mal seit 38 Jahren aus Mainz. „Zeit der Frösche“ ist der zweite Auftritt von Heike Makatsch als Ellen Berlinger und deutlich besser als ihre Premiere. Luft nach oben gibt’s aber immer noch.

Man muss schon über ein ausgesprochen gutes Gedächtnis verfügen, um sich an den ersten und bislang auch letzten Auftritt von Heike Makatsch als Tatort-Kommissarin erinnern zu können. Zum einen, weil es geschlagene zwei Jahre her ist – am Ostermontag 2016 zeigte das Erste die Folge „Fünf Minuten Himmel“. Zum anderen, weil der Krimi damals alles andere als hochklassig war. (So schwach war der erste Makatsch-Tatort)

„,Fünf Minuten Himmel“ sind anderthalb Stunden gepflegte Langeweile - dem Versuchsballon geht schon beim ersten Flug die Luft aus,“ hieß es damals in der Rezension unserer Zeitung zum sogenannten Tatort-„Special“. Und: „Mögen auch die Beteiligten eine Fortsetzung wünschen – beim Publikum werden sie kaum Gleichgesinnte finden.“

Veränderte Vorzeichen

Der Resonanz bei Zuschauern und Kritikern zum Trotz gibt es nun also den zweiten Anlauf für die von Makatsch dargestellte Kommissarin Ellen Berlinger – mit einem deutlich besseren Ergebnis als 2016. Wobei sich die Vorzeichen erkennbar verändert haben. Vor zwei Jahren ermittelte die damals schwangere Polizistin nach dem Mord an einem Mitarbeiter des Jobcenters in Freiburg – nun hat es sie nach Mainz verschlagen. Es ist der erste Auftritt einer Tatort-Kommissarin in Mainz, seit Nicole Heesters am 10. Februar 1980 als Oberkommissarin Buchmüller in „Der gelbe Unterrock“ ermittelte. Und mit dieser anschließend lange in den Giftschrank verbannten Folge ihren Ausstand gab.

Hintergrund für Makatschs neuen Standort ist die Tatsache, dass der SWR in der Zwischenzeit Freiburg zum Sitz des neuen Tatort-Teams Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) erkoren hat. Die wiederum hatten im vergangenen Oktober die Nachfolge der glücklosen Ermittler vom Bodensee angetreten. (So ist der neue Tatort aus Freiburg).

Hochbegabt

Im Film muss natürlich eine andere Erklärung für den Ortswechsel herhalten: Da hat sich Ellen Berlinger nach Mainz versetzen lassen, weil ihr die hier lebende Cousine Maja bei der Betreuung ihrer Tochter Greta helfen kann. Im Gegenzug geht sie mit Majas 13-jährigem Sohn Jonas (stark: Luis August Kurecki) angeln. Ein Junge, der so hochbegabt ist, dass er einem deutlich älteren Mitschüler Nachhilfe in Mathe gibt und Berlinger erklären kann, welche Hormone der menschliche Körper produziert, wenn man sich verliebt. Dieser Jonas wird noch eine wichtige Rolle in „Zeit der Frösche“ spielen.

In Mainz arbeitet Berlinger mit Martin Rascher (Sebastian Blomberg) zusammen, einem Polizisten, dem eine unaufgeklärte Mordserie an Jugendlichen schwer zu schaffen macht. Dass sich das Geständnis eines mutmaßlichen Täters als haltlose Behauptung eines Psychopathen erweist, trifft ihn schwer.

Zwischen Kind und Beruf

Als dann auch ein blutdurchtränkter Kaupuzenpulli in einer Altkleidersammlung gefunden wird und schließlich die 16-jährige Marie Blixen, Tochter eines schwerreichen Ehepaars und Flirtfreundin von Jonas‘ Nachhilfeschüler Max spurlos verschwindet, ahnt nicht nur er Schlimmes – auch die Zuschauer haben Marie bereits zu Beginn des Films gesehen. In einer langen Einstellung, die mit dem Auffinden einer Leiche endet.

Krimi-Routinier Markus Imboden inszeniert die Geschichte nach einem Drehbuch von Marco Wiersch („Bloch“) und einer Idee von Florian Oeller ruhig, aber nicht langatmig. Er zeigt eine Kommissarin zwischen Kind und Beruf, ohne dass der private Aspekt nervige Oberhand gewinnt. Dramaturgisch wie ästhetisch durchaus gelungen und überwiegend in Moll getaucht, offenbart sein Film allerdings auch ein paar überflüssige Ungereimtheiten und erstaunliche Entfernungen vom Polizeialltag.

Vom Ballast befreit

Heike Makatsch kann man – im Gegensatz zu ihrem ersten Tatort – diesmal durchaus attestieren, angekommen zu sein. Befreit von allzu schwerem privaten Ballast, den sie vor zwei Jahren noch durch den Film schleppte. Und vor allem angereichert mit einem (Ermittlungs-)Partner, der mit seinem Weltschmerz eine nahezu perfekte Ergänzung ist: Sebastian Blomberg liefert als Martin Rascher nicht nur die Erklärung für den ungewöhnlichen Titel, sondern avanciert neben Luis Kurecki auch zum heimlichen Star dieses Krimis.

Wie es weitergeht mit dem Makatsch-Tatort, steht noch in den Sternen. Potenzial hat er wohl, das zeigt „Zeit der Frösche“. Ihn den Zuschauern aber nur alle zwei Jahre als Osterei ins Nest zu legen, wäre so ziemlich der größte Fehler, den der SWR machen könnte.

Tatort: Zeit der Frösche. Ostermontag, Das Erste, 2. April 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen


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