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Die bekanntesten TV-Ärzte Unvergessene Halbgötter in Weiß

Von Corinna Berghahn, Daniel Benedict und Stefan Alberti

Er steht wohl wie kaum ein anderer in Deutschland für den Fernseharzt schlechthin: Klaus-Jürgen Wussow als Professor Brinkmann. Hier mit Gaby Dohm als SChwester Christa. Foto: dpaEr steht wohl wie kaum ein anderer in Deutschland für den Fernseharzt schlechthin: Klaus-Jürgen Wussow als Professor Brinkmann. Hier mit Gaby Dohm als SChwester Christa. Foto: dpa

Osnabrück. Sie sind unvergessener Teil der deutschen Fernsehgeschichte: Ob der unvergessene Professor Brinkmann aus dem Schwarzwald, Dr. Brockmann aus Berlin, der Landarzt, Bergdoktor oder Schwester Stefanie, die sich erst im Verlauf der Serie von der Krankenschwester zur Ärztin entwickelte. Sie alle haben die deutschen Fernsehlandschaft geprägt. Grund genug einmal zurück zu schauen auf die schillernsten Persönlichkeit mit Kittel und Stethoskop.

Der Halbgott aus dem  Schwarzwald


Einst suchte im verschlafenen Glottertal ein Witwer die Krankenschwester fürs Leben – und sein Darsteller bekam dafür ein Image für die Ewigkeit. Denn wenn es einen TV-Arzt gibt, den noch Jahre über die Ausstrahlungszeiten hinaus alle kennen, ist es Professor Doktor Klaus Brinkmann, Chefarzt der idyllisch gelegenen Schwarzwaldklinik. Bis zu 28 Millionen Deutsche schalteten bis Ende der 1980er-Jahre wöchentlich ein. Und während Brinkmann Herzen operierte und andere brach, gab sich in seiner Klinik das damalige „Who’s who“ der deutschen Fernsehlandschaft die Krankenzimmerklinke in die Hand. Dass Schauspieler Klausjürgen Wussow – einst am Wiener Burgtheater erfolgreich – danach fürs Theater als „verbrannt“ galt, kann man tragisch finden. Wussow hat es erst gestört, später machte er das Beste draus und kurierte in der „Klinik unter Palmen“ einfach weiter. Und wer weiß: Vielleicht hat der salbungsvolle Professor mehr für das Image des Arztes als Halbgott in Weiß mit kleinen Fehlern getan als so manche Kampagne der kassenärztlichen Bundesvereinigung.


Der edle Geist aus der Großstadt


Günter Pfitzmann als stets bereiter Doktor Brockmann aus der Praxis am Bülowbogen. Foto: dpa


Bevor Günter Pfitzmann 1987 die „Praxis Bülowbogen“ bezieht, ist er Fleischlieferant der „Drei Damen vom Grill“. Die Bodenständigkeit bleibt ihm auch als Dr. Peter Brockmann; sogar der Schöneberger Kiez ist derselbe. Als Hausarzt verteidigt er Herz und Augenmaß gegen die Apparatemedizin. Für seine Gattin verwaltet Brockmann Anteile einer Fabrik, in deren Führung auch Dieter Thomas Heck intrigiert. Frau Doktor selbst ist abwesend, geschieden, in Amerika und schließlich tot. Egal. Brockmann ist ja sowieso mit dem Beruf verheiratet. Weil er auch sonntags moribunde Kleinbürger kurieren muss, versetzt er regelmäßig Damen aller Altersklassen: Schon in der Pilotfolge – Pfitzmann ist 63 Jahre alt – sind eine Wirtin (Heidi Brühl), die Sprechstundenhilfe (Anita Kupsch) und ein 17-jähriges Früchtchen (Tini Plate) hinter ihm her. Kein Wunder! Der Mann hat einfach alles: Das Vertrauen der kleinen Leute und das Geld der Upperclass, Dorfplatzwärme und die Grandezza des Großstadtbewohners. Und den rezeptfreien Charme eines grundsoliden Gigolos.


Der Landarzt, oder: Idylle an der Schlei


Christian Quadflieg gab dem Landarzt als Dr. Karsten Mattiesen im Fernsehen ein Gesicht. Foto: dpa



Ende der 1980er-Jahre war im Vorabendprogramm des ZDF die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls wenn Dr. Karsten Matthiesen vorbeischaute: Obwohl der Dorfpfarrer ihn in Verdacht hatte, sein Töchterchen geschwängert zu haben (es war natürlich der Hotelerbe), oder der Dorftrinker nach einer Korn-Tour im Moor versank: Der Doktor hat es gerichtet und gerettet. Zu Hilfe kam ihm dabei stets Mutter Olga, seine Ex- und dann wieder angetraute Gattin, sein Nachwuchs – und natürlich Charaktere wie Kräuterdoktor Hinnerk Hinnerksen und Klatschbase Thea Knoll (alias Evelyn Hamann). Ja, der Landarzt tat an der Schlei gefühlte 25 Stunden am Tag nur Gutes und bewegte sich dabei in der Kulisse eines sympathischen Bauerntheaters. Seinem ersten Darsteller Christian Quadflieg wurde es allerdings nach drei Staffeln zu bunt, sodass Dr. Matthiesen den Heldentod sterben musste. Dem folgten allerdings noch 19 Staffeln: Erst dokterte Walter Plathe mehrere Jahre an den skurrilen Dorfbewohnern herum, bis zuletzt Wayne Carpendale den Kittel anzog. Danach war endgültig Schluss mit „Der Nächste, bitte!“


Stefanie, Stephanie, Stefanny


Kathrin Waligura als Schwester Stefanie in ihrem "natürlichen Umfeld". Foto: imago/Mauersberger


In den 90er-Jahren hatte Sat1 noch Erfolge; einer davon war die Serie „Für alle Fälle Stefanie“. Genauso gut hätte sie auch nur „Alle Stefanie“ heißen können – denn hier darf jeder mal Titelstar sein: Zuerst garantiert Kathrin Waligura als Stefanie Engel die Menschlichkeit im Berliner Luisen-Krankenhaus. Nach 51 Folgen hat sie genug; Claudia Schmutzler übernimmt den Dienst als Stephanie Wilde. Als auch sie nach drei Jahren kündigt, ist Sat1 vorbereitet: Der Sender hat auf Vorrat eine Ersatz-Stefanie engagiert: Parallel zu Schmutzler hat Julia Hentschel nämlich die Rolle von Fanny Stephan übernommen. Genannt: Stefanny! Mit ihr senkt sich die Fieberkurve der Quotenmessung, woraufhin alle Beteiligten sich zu einer der schönsten Reanimationen des Krankenhausfernsehens verabreden: Erst kehrt Stephanie (mit ph) zurück, dann Stefanie (mit f). Am Ende praktiziert also wieder Kathrin Waligura, nun allerdings als Ärztin, in deren Kittel unser Bild (Foto: Imago) sie zeigt. Ganz zuletzt muss die Serie also doch noch umbenannt werden: In „Stefanie – Eine Frau startet durch“. 



Der Quotenkönig vom Wilden Kaiser



Praktiziert bereits seit zehn Jahren erfolgreich im ZDF: Hans Sigl als Dr. Martin Gruber. Foto: dpa


Die Verantwortlichen von Sat.1 beißen sich vermutlich in den Allerwertesten, wenn sie sehen, was aus ihrer Serie geworden ist. Sicher, in den 1990er-Jahren gehörte der Bergdoktor auch zu den erfolgreichen Serien des Privatsenders. Das, was das öffentlich-rechtliche ZDF aber seit 2008 aus dieser Serie gemacht hat, ist mit dem Weißkittel der Privaten überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Seit 2008 reitet der Bergdoktor im ZDF auf einer Popularitätswelle wie einst Professor Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) mit der Schwarzwaldklinik. Dr. Martin Gruber, gespielt von Hans Sigl, ist nicht nur ein Glückfall für das ZDF, sondern auch für die Tourismusregion Wilder Kaiser. Seit Jahren pilgern die Fans in Massen zu den Schauplätzen der Serie, nur um ihren Idolen nah zu sein. Und medizinisch hat sich das Format über die Jahre weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es nur noch 90-Minuten-Folgen, in denen manches medizinische Phänomen wesentlich detaillierter und authentischer behandelt werden kann, als anfänglich noch in jeweils 45 Minuten. Ja, die Serie hat es sogar geschafft, dass schon Studenten am Set waren, um mit Sigl und seinen Mitstreitern über ethische Fragen rund um Themen wie Organspende oder Sterbehilfe zu diskutieren. Wie lange es den Bergdoktor noch geben wird? Elf Staffeln sind bereits gelaufen, die zwölfte wird demnächst produziert – und über eine 13. Staffel wurde auch schon gesprochen. Die Kultserie hat Potenzial für noch viel mehr. al