„Bridging the Dragon“ Netzwerk für Filmpartnerschaft zwischen China und Europa

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Über 850 Millionen Dollar spielte der patriotische Actionstreifen „Wolf Warrior 2“ ein – die Spannbreite erfolgreicher Filme ist in China groß. Foto: imago/ZUMA PressÜber 850 Millionen Dollar spielte der patriotische Actionstreifen „Wolf Warrior 2“ ein – die Spannbreite erfolgreicher Filme ist in China groß. Foto: imago/ZUMA Press

Osnabrück. Bald schon dürfte China der weltgrößte Filmmarkt sein. Die Initiative „Bridging the Dragon“ will die Zusammenarbeit von Europa und China im Filmgeschäft vereinfachen und vorantreiben – zum beiderseitigen Nutzen.

Als wirtschaftlicher Konkurrent, Partner und Investor ist China längst ein globaler Player geworden. Das gilt auch für das Filmgeschäft. Die europäischen Beziehungen zum Reich der Mitte zu verbessern ist Ziel der Initiative „Bridging the Dragon“. Mitgründer Cristiano Bortone sprach mit unserer Redaktion über Vorurteile und die Zwiespältigkeit des Modells Hollywood.

Rund 50000 Leinwände, mehr als in den USA, Tendenz steigend – das sind 50000 schlagende Argumente für die europäische Filmbranche sich China als Partner zuzuwenden. Zu diesem Zweck gründete Cristiano Bortone, selbst Filmemacher, 2014 mit einigen europäischen Kollegen die Initiative „Bridging the Dragon“ (zu Deutsch etwa: eine Brücke zum Drachen schlagen). Die Idee sei simpel, erklärt Bortone: „Um zu kollaborieren, braucht man ein Netzwerk. Es ist schwer, gemeinsam Filme zu machen, ohne das Gegenüber zu kennen.“ Das Interesse ist auch auf chinesischer Seite groß. Denn in der Vergangenheit habe man dort vor allem nach Hollywood geschaut, das man als erfolgreiches Geschäftsmodell verstand.

Von Hollywood nach Europa

Wie in den USA, so ist das Filmgeschäft auch in China eine Industrie, die weitgehend ohne öffentliche Förderung auskommen muss – anders als in Europa. Die Finanzierung von Filmen findet vor allem durch private Investoren statt, die irgendwann ihr Geld wiedersehen wollen. Doch die Chinesen mussten feststellen, dass es schwer ist, in Hollywood wirklich Geld zu verdienen, man kann dort auch viel Geld verlieren. Heute ist man zwar in einer finanziell komfortablen Lage, doch die Kreativen in China seien oft noch sehr unerfahren, erklärt Cristiano Bortone. „Einen guten Film zu machen ist wie ein Wunder, so viel kann schiefgehen. Und Leute mit wenig professioneller Erfahrung werden eher Fehler machen. Qualität gewinnt gegenüber der Quantität also zunehmend an Bedeutung.“

Der Austausch von Know-how ist folglich ein wesentlicher Bestandteil der angestrebten Kooperation zwischen West und Ost. Zu diesem Zweck hält „Bridging the Dragon“ Meetings und Workshops ab, zuletzt im Februar auf der Berlinale. Hier können die Chinesen mehr übers Filmemachen lernen – und die Europäer über den chinesischen Markt. „Die chinesische Gesellschaft verändert sich rasch,“ so Bortone. „Jedes Jahr ein neuer Trend, eine neue Entdeckung. Bald wird der Filmmarkt in China offen für jede Art von Film sein.“

Es gibt keine Regeln

Wie groß die Spanne zwischen den Genres ist, die in chinesischen Kinos funktionieren, zeigen zwei Beispiele aus dem letzten Jahr: der patriotische Actionstreifen „Wolf Warrior 2“ spielte über 850 Millionen Dollar ein. Doch auch der spanische Film „Der unsichtbare Gast“ war mit 25 Millionen im Verhältnis ein enormer Erfolg und somit ein Anreiz für vergleichsweise kleine europäische Produktionen in anderen Größenordnungen zu denken. Bortones Fazit aus dieser rasanten Entwicklung ist: „Es gibt keine Regeln! Wir sollten für alles offen sein.“ Die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit reichen seiner Ansicht nach von offiziellen Koproduktionen über Kofinanzierung und Remakes bis hin zum Austausch von künstlerischen und technischen Talenten, sowie der Vermittlung von reizvollen Locations in Europa für chinesische Produktionen.“ Die größte Herausforderung seien laut Cristiano Bortone die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und China. Hier sieht er vor allem auf europäischer Seite Nachholbedarf.

Kultureller Lernprozess

 

„Es gibt da dieses Missverständnis, dass Europa sich seit Jahrhunderten für die Mitte der Welt hält. Doch das chinesische Wort für China bedeutet ‚Reich der Mitte‘.“ Beide Seiten müssten aufeinander zugehen, so Bortone. Allerdings habe er den Eindruck, dass man in China mehr über Europa wisse als umgekehrt. Die Sprache sollte in Chinas Kinos immerhin kein Hemmnis darstellen – aufgrund der unterschiedlichen Sprachen und Dialekte in dem riesigen Land ist das Publikum ohnehin an Untertitel gewöhnt. Cristiano Bortone ist denn auch zuversichtlich: „Die Beziehung zwischen Ost und West ist wie ein Kleinkind, dem wir nun beibringen müssen allein zu stehen und die ersten Schritte zu tun.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN